Achtung: verliebte Rehe!

Mit dem sommerlichen Hoch im Juni und Juli kommen auch die Hormone der Rehe in Wallung.

An schwülen Tagen, besonders vor und nach Gewittern, lockt die Ricke den Bock mit ihren unverkennbaren Fieptönen. Doch weibliche Rehe fiepen nicht nur verführerisch – für die Nasen der Böcke duften sie obendrein betörend nach "Reh-Parfum". Das Sekret, das dem Bock Paarungswilligkeit signalisiert, wird an den Hinterläufen der Ricke produziert. Der Bock, vom aufreizenden Duft und Liebesgeflüster der Ricke geradezu fremdbestimmt, nimmt blindlings die Verfolgung auf und jagt hinter ihr her.

Dabei überqueren die Tiere nicht selten Hauptstraßen und gefährden den laufenden Verkehr. Verliebte Rehe sind für Autofahrer ein Risiko. Gerade im Sommer kommt es deshalb häufig zu Wildunfällen. Autofahrer, die ein Reh sehen, müssen auf alles gefasst sein und immer mit nachfolgenden Tieren rechnen. Das Warnschild "Achtung Wildwechsel" ist unbedingt zu beachten: Hier heißt es, Geschwindigkeit zu reduzieren, bremsbereit zu fahren und die Straßenränder im Auge zu behalten. Besonders gefährlich sind die Übergangsbereiche zwischen Wald und Feld.

Die Ricke ist keine Rabenmutter

Die Rehbrunft beginnt in der zweiten Juliwoche und endet erst Mitte August. Bis das weißgetupfte Rehkitz zur Welt kommt, vergehen viele Monate. Die Ricke hat eine verlängerte Tragzeit, die eine sogenannte Eiruhe bis in den Dezember einschließt. Erst im nächsten Mai kommt der Nachwuchs zur Welt. Zwillingsgeburten sind bei Rehen nicht selten. Die Kleinen werden meist im hohen Gras versteckt, damit Feinde wie der Fuchs den Kitzen nichts anhaben können. Die Rehmutter kommt am Tag immer nur kurz vorbei, um die Kleinen zu säugen und zu säubern. Trotzdem sind Rehe keine Rabenmütter. Sie bleiben deshalb nicht beim Nachwuchs, um Feinde nicht unnötig auf die Kitze aufmerksam zu machen.

Tödliche Gefahren

Trotzdem ist das Rehkitz nicht sicher, denn auch im tiefen Gras lauern Gefahren. Wenn der Landwirt im Frühsommer das erste Gras mäht, rattern die rotierenden Messer der Mähmaschinen auf das kleine Tier zu, das sich vor Angst nicht rührt und nur noch fester auf den Boden drückt. Durch sein geflecktes Fell und das hohe Gras ist das Kitz so gut getarnt, dass der Landwirt es nicht sieht. Oft ist der Tod des Kitzes besiegelt. Doch nicht nur Rehe, auch Hasen und Vögel, die auf dem Boden brüten, sowie Amphibien finden den Tod durch die Maschinen. Über 500.000 kleine und große Wildtiere verenden jedes Jahr auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen.

Fünf Millionen Hektar Fläche sind in Deutschland als landwirtschaftlich genutztes Grünland ausgewiesen. Das sind fünf Millionen Hektar Lebensraum für Wildtiere wie Rehe, aber auch Feldhasen und Wiesenbrüter wie den Kiebitz und den Brachvogel. Gerade mitten in der Brut- und Aufzuchtzeit vieler Tierarten beginnt die Mähsaison. Doch Landwirte können helfen, Wildtiere vor dem Mähtod zu bewahren. Tipps für den Wildtierschutz hat die Deutsche Wildtier Stiftung im Praxisratgeber "Stoppt den Mähtod" zusammengefasst. Sie können die Broschüre bei der Deutschen Wildtier Stiftung bestellen oder auf der Website herunterladen. Aus Sicht der Wildtiere wäre es das Beste, den Schnittzeitpunkt sowohl im Jahres- als auch im Tagesverlauf zu verschieben. So hätten viele Rehkitze eine größere Überlebenschance. Auch das Mähen der Fläche von innen nach außen erleichtert Wildtieren die Flucht, denn sie laufen bei Gefahr nicht über bereits gemähte Flächen – das verbietet ihr Instinkt. Neue Techniken helfen, Wildtiere zu schützen. Ultraschallgeräte beispielsweise vertreiben die Tiere aus den Wiesen.

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

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Die Deutsche Wildtier Stiftung

Ein Stimme für heimische Wildtiere! Wildtiere in Deutschland schützen und Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit der heimischen Wildtiere begeistern – das ist das Anliegen der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Wissen über die Natur darf nicht verloren gehen. Deshalb bietet die Stiftung gerade Kindern und Jugendlichen viele Angebote, durch die sie Wildtiere erleben und mehr über sie erfahren. Mit konkreten Projekten erhält die Stiftung Lebensräume von Wildtieren in Deutschland und setzt sich bei Politik und Wirtschaft für ihren Schutz ein. Im Naturerlebnisprojekt Wildtierland Gut Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern erleben Besucherinnen und Besucher auf über 2.000 Hektar Fläche heimische Wildtiere, die ohne Zäune und Gehege in Freiheit leben. Darunter sind auch zahlreiche seltene Arten. Die wildtierfreundliche Land- und Forstwirtschaft gibt den Tieren ihre Lebensräume zurück. Schirmherr der gemeinnützigen Deutschen Wildtier Stiftung ist Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog.

Deutschland braucht seine Wildtiere. Helfen Sie bitte, den Wildtieren eine Zukunft zu geben! Unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung mit Ihrer Spende! Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 846 43 00, BLZ 251 205 10. Herzlichen Dank.

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