Zukünftige Mobilität

Wie erreichen wir eine Win-win-Situation für Mensch und Natur?

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Kennen Sie das? Nur mal eben schnell … Leider ist das in unseren Großstädten heute nur noch selten möglich.

Allzu oft müssen wir umständliche Strecken zurücklegen: vom Wohnort zum Arbeitsplatz, von dort zu Freizeitaktivitäten. Und nicht immer stehen optimale Fortbewegungsmittel zur Verfügung. Das geht zulasten unserer Lebensqualität und des Klimas. Nahezu ein Viertel aller Treibhaus-Emissionen in Deutschland entsteht durch den Verkehr!

Dabei träumen wir alle davon: alltägliche Fahrten so reibungslos wie möglich. Mindestens so entscheidend wie die Entfernung von A nach B ist nämlich die Frage, wie stressfrei ich dorthin gelange. Auf einem konsequent ausgebauten System aus Bus und Bahn mit darauf abgestimmten Rad- und Fußwegen würden aus Fahrten zu entfernten Zielen erholsame Atempausen. Angenehmer Nebeneffekt: Je weniger Menschen das eigene Auto nutzen, desto weniger Staus und Unfälle auf den Straßen.

Außerdem: In einer kosmopolitischen Welt wächst unsere Sehnsucht nach einem Ort, mit dem wir uns identifizieren und uns verwurzelt fühlen. Dafür brauchen wir eine Umgebung, in der wir Menschen treffen können – bekannte und unbekannte. Urbane Nischen, die immer wieder neu kulturell belebt werden können – von uns oder von anderen. Dieses Spannungsfeld aus Vertrautheit und Veränderung erzeugt unser Gefühl von Zuhause. Eine Stadt, die lebt, lädt gerade dazu ein, sie mitzuprägen und dadurch noch lebendiger zu machen.

Gesellschaft Zukünftige Mobilität

Die Stadt ist voller Möglichkeiten. Wenn man sie entdeckt.

Deswegen muss Mobilität neu gedacht werden: Wege sollten sich persönlichen Bedürfnissen anpassen, Entfernungen kürzer, Alltagsziele sicherer, komfortabler und kostengünstiger erreichbar werden. Und vor allem sollten Wege nicht nur leidige Notwendigkeit sein, um an sein Ziel zu kommen, sondern Räume, in denen Leben stattfindet. Und mit ein wenig Herausforderung können wir unsere Städte durch intelligente Planung und bauliche Anpassungen dafür fit machen. Dabei gewinnen wir so einiges: eine lebenswertere Umwelt und mehr Zeit für Dinge, die uns noch glücklicher machen. Am Beispiel Kopenhagen zeigt sich: Wenn das ökologisch sinnvollste Fortbewegungsmittel zugleich das bequemste ist, schwingen sich viel mehr Menschen auf den Sattel, statt sich hinters Lenkrad zu klemmen. Fast 40 Prozent der täglichen Wege werden in Kopenhagen mit dem Rad zurückgelegt. In Hamburg sind es im Vergleich dazu gerade mal zwölf Prozent. Woran liegt das? Achten die dänischen Hauptstädter mehr auf ihre Gesundheit oder sind besonders umweltbewusst? Möglich. Sicher ist: 63 Prozent steigen aufs Rad, weil es einfach und bequem ist. Greenpeace setzt sich dafür ein, die Infrastruktur für Fußgänger, Radfahrer und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs so zu verbessern, dass die Wahl leicht fällt. Denn es geht nicht nur um Mobilität, es geht um ein besseres Leben für uns alle in der Stadt. Deren Fortschrittlichkeit lässt sich anhand von sechs Prinzipien überprüfen: Nähe, Einbindung, Sicherheit, Komfort, Vergnügen und Kultur.

Die Stadt ist aus Beton. Aber nicht in Stein gemeißelt.

Sie verändert sich nicht von heute auf morgen, aber jeden Tag ein bisschen: Urbane Räume erscheinen oft zu gigantisch, um sie wirklich zu begreifen. Sie bestehen aus Gebäuden, Wegen und Strukturen, die oftmals über Jahrhunderte entstanden sind. Was über einen so langen Zeitraum gewachsen ist, lässt sich nicht von jetzt auf gleich verändern. Und genauso ist es mit der Mobilität darin.

Ganz konkret: Obwohl Fußgänger und Radfahrer inzwischen immer öfter auf eigenen Spuren unterwegs sind, ist ihr Platz im Verkehrsgeschehen nach wie vor nicht immer rosig. Das wird jeder bestätigen, der einmal an einer vielspurigen Kreuzung mit dem Rad zwischen Bus und Laster gestanden hat. Eine Straße ist aber nur dann eine sichere Straße, wenn sich vom Kind bis zum älteren Menschen alle darin sicher fühlen. Das ist die eine Seite. Aber Städte sind auch dynamisch, in stetigem Wandel begriffen. Viele unterschiedliche Menschen geben der Stadt ihren ganz besonderen Charakter. Jeder von uns hat die Chance, Akzente zu setzen und seinen Teil dazu beizutragen, dass die Stadt zu einem lebendigen, lebenswerten, inspirierenden Raum für uns alle wird. Gibt es genügend Rent-a-Bike-Stationen beziehungsweise Carsharing-Angebote, die ich auch spontan nutzen kann? Habe ich mit meinem Smartphone Zugriff auf (freies) WLAN, wenn ich unterwegs meinen Weg neu planen möchte? Kann ich öffentliche Verkehrsmittel mit Handy-Ticket nutzen? Setzen auch Sie sich dafür ein, uns allen die täglichen Wege angenehmer zu machen.

Auf lange Sicht zielt neue Mobilität auf tief greifende Veränderungen im urbanen Raum ab. Es geht darum, auf welche Art und Weise und in welcher Umgebung wir zukünftig unsere Wege durch die Stadt zurücklegen können, um eine höhere Lebensqualität zu erreichen. Neue Mobilität beginnt also im Kopf – mit der Erkenntnis, dass die Veränderung der Orte möglich ist, in denen wir leben und in denen wir unterwegs sind.

Machen wir uns gemeinsam auf die Suche nach freien Räumen in der Stadt, die wir gestalten und neu beleben können. Nischen, die wir als "urbane Spielplätze" kreativ nutzen und in denen wir uns ausprobieren können. Jede große Veränderung beginnt mit kleinen Akzenten. Holen wir uns unsere Stadt zurück!

››› Gastbeitrag Greenpeace e. V.