Geld ist für die Menschen da

Die GLS Bank steht mit ihrer sozial-ökologischen Ausrichtung für die Verbindung von Sinn, Sicherheit und Gewinn. Wie das funktioniert, erläutert Thomas Jorberg, Vorstand der GLS Bank, im Interview.

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Thomas Jorberg: Unsere Kunden sind sich sehr ähnlich, ihr Bildungsstand ist überdurchschnittlich hoch. Es sind Menschen, die aus einem bestimmten Bewusstsein heraus handeln. Ihre Kunden geben bei Alnatura Geld für sinnvolle Produkte aus. Und unsere Kunden legen ihr Geld bei uns sinnvoll an. Menschen, die ganzheitlich denken, konsumieren bewusst, und sie geben ihre Verantwortung nicht am Bankschalter ab. Sie möchten wissen, woher das Lebensmittel stammt, von wem es wie und wo hergestellt wird. Die gleiche Transparenz erwarten sie von ihrer Bank. Sie möchten wissen, was die Bank mit ihrem Geld macht.

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Ja, zu seiner Bank sollte man Vertrauen haben. Aber kann man mit sozialen, nachhaltigen Investments auch Rendite erzielen? Die Menschen möchten ihr angelegtes Geld doch auch vermehrt wissen?
Natürlich bilden nachhaltige Geldanlagen und Rendite keinen Widerspruch. Dass es funktioniert, sehen Sie am Erfolg der GLS Bank. Der Unterschied ist nur, dass die Rendite nicht das Hauptziel, sondern ein mögliches Ergebnis ist. In den vergangenen zwei Jahren haben wir pro Monat durchschnittlich 2.000 Kunden hinzugewonnen. Das sind alles kritische Anleger, die einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Geld erwarten, aber gleichzeitig den Anspruch haben, dass mit ihrem Geld sinnvolle Projekte gefördert und finanziert werden. Unsere Kunden haben kein Interesse daran, Gewinne auf Kosten anderer Menschen oder einer Schädigung der Umwelt zu erzielen. Unsere Kunden möchten sich sicher sein, dass ihr Geld weder in die Rüstungs- noch in die Atomindustrie noch in Geschäfte mit Kinderarbeit gesteckt wird.

Und an Rohstoffspekulationen beteiligen Sie sich auch nicht?
Um Himmels willen, nein, wir sind sogar für ein weltweit rigoroses Verbot von Spekulationen dieser Art, wie beispielsweise auch Leerverkäufe oder Millisekunden-Handel. Das alles stiftet keinen realwirtschaftlichen Nutzen und dient auch nicht den Menschen. Geld ist für die Menschen da und nicht um seiner selbst willen. Und eine nachhaltig wirtschaftende Bank hat in erster Linie die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, unter der Berücksichtigung einer intakten Umwelt.

Die seit 2008 weltweit existierende Finanzmarktkrise hat das Vertrauen der Anleger in die Banken stark erschüttert. Was kommt davon bei der GLS Bank an? Spüren Sie etwas von der Krise?
Unsere Mitgliederzahl ist immens gestiegen. Inzwischen haben wir deutschlandweit über 34.000 Mitglieder des Genossenschaftsmodells. Und unsere Kundenzahl hat sich in den vergangenen vier Jahren fast verdoppelt auf 140.000. Dennoch liegt es mir fern, zu behaupten, wir hätten von der schwierigen Finanzmarktsituation profitiert. Aber unser Geschäftsmodell, das ja nun schon seit fast 40 Jahren existiert, hat sich als richtig erwiesen. Die Spareinlagen sind bei der GLS Bank sicher, und unser derzeitiges Finanzvolumen beträgt 2,7 Milliarden Euro.

Sie werben mit dem Satz: "Geld ist ein soziales Gestaltungsmittel – wenn wir es gemeinsam dazu machen." Können Sie Beispiele nennen?
Zum Beispiel finanzieren wir ökologische Projekte wie die Prinzessinnengärten, wir achten auf Fair Trade und haben schon in erneuerbare Energien investiert in einer Zeit, in der man dafür nur ausgelacht wurde. Kindergartenprojekte oder Wohnprojekte für altersgerechtes Wohnen, Projekte, die den Menschen, der Gesellschaft einen konkreten Nutzen bieten. Hierfür stellen wir Kapital zur Verfügung. Sämtliche Kreditneuvergaben werden übrigens dreimal im Jahr in unserem Bankspiegel veröffentlicht. Transparenz in allen Belangen unseres Tuns, das möchten wir unseren Kunden bieten, damit sie uns vertrauen und wissen, was mit ihrem Geld geschieht.

Vielen Dank für das Gespräch.
››› Das Gespräch führte Susanne Salzgeber.