Die Haut

Unsere Haut, mit einer Fläche von rund zwei Quadratmetern das größte menschliche Sinnesorgan, ist gleichzeitig Hülle und spürbarer Grenzbereich zwischen innen und außen.

Anthroposophische Medizin

Die Aufgaben der Haut sind vielfältig: Sie ist dazu da, den Organismus abzuschließen und Schutz gegenüber allen möglichen mechanischen und chemischen Reizen zu bieten. Zudem verhindert sie Austrocknung oder Aufschwemmung, schützt vor UV-Licht und gleicht Temperaturschwankungen des Körpers aus. Feingeweblich wird bei der Haut zwischen drei Schichten differenziert: Es gibt die Hornzellen bildende Oberhaut, die dehnbare und mechanischen Belastungen standhaltende Lederhaut und die polsternde und Wärme speichernde Unterhaut. Der komplexe Aufbau der Haut kann als Abbild des vielschichtigen Wesens des Menschen verstanden werden: Sie beinhaltet nicht nur Nerven und damit Wahrnehmungsfunktionen, sondern auch die gesamte organische Innenwelt der Stoffwechselorgane. Zwar liegt die Haut als äußeres Organ an der Oberfläche des Körpers, das heißt aber nicht, dass Hautkrankheiten lediglich "von außen" behandelt werden sollten. Vielmehr sollten sie als Äußerungen tiefer liegender konstitutioneller Probleme verstanden werden. Warum nun ist die schützende Hülle der Haut heute so häufig angegriffen? Geht es darum, sich stärker gegen Umwelteinflüsse und äußere Reize abzugrenzen?

Einseitige Belastungen ausgleichen

In der Perspektive der Anthroposophischen Medizin gehört die Haut als größtes Sinnesorgan zum Nerven-Sinnes-System. In ihr durchdringen sich Körper und Seele besonders intensiv. Auch in der konventionellen Medizin gilt, dass an der Haut oft seelische (Stress-) Zustände sichtbar werden. Die Anthroposophische Medizin geht noch einen Schritt weiter und sieht in bestimmten Hautkrankheiten (beispielsweise Neurodermitis) eine überaktive Betonung des Nerven-Sinnes-Systems. Durch diese einseitige Ausrichtung ist das Gleichgewicht zwischen wacher und abbauender Nerventätigkeit und unbewusster und aufbauender Stoffwechseltätigkeit gefährdet. Dieses Ungleichgewicht kann die Anthroposophische Medizin durch spezifische Arzneimittel wie zum Beispiel Brutblatt (Bryophyllum) oder Nachtkerze (Oenothera biennis) wieder in die Balance bringen.

Stärken und schützen

Aber auch präventiv gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Haut zu schützen und zu stärken. Zum Beispiel ist mittlerweile die enge Beziehung zwischen ihr und der Darmflora nachgewiesen: Antibiotika können die Darmflora schädigen, was sich wiederum negativ auf die Haut auswirken kann. Denn in einer intakten Darmflora setzt sich das Immunsystem ausgleichend mit den Darmbakterien auseinander und kann dadurch dazu beitragen, allergische (Haut-) Krankheiten zu verhindern. Überhaupt spielt die Ernährung auch bei der Unterstützung der Haut eine große Rolle. Auch im Bereich der Pflege kann man einiges tun, um unsere Hülle zu stärken: Hautpflegemittel sollten zum Beispiel möglichst keine synthetischen Stoffe enthalten.

››› Dr. med. Lüder Jachens (Stiefenhofen/Allgäu), Hautarzt und Allergologe, Schwerpunkt Anthroposophische Medizin

"Anthroposophie" heißt wörtlich "Mensch" (anthropos) und "Weisheit" (sophia). Dieser Ansatz geht auf Rudolf Steiner (1861 – 1925) zurück, der die Anthroposophische Medizin zusammen mit Dr. Ita Wegman (1876 – 1943) entwickelte. Das umfassende Menschenbild, das der Anthroposophischen Medizin zugrunde liegt, ermöglicht es dem Arzt, die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele besser zu verstehen. Dabei unterscheidet die Anthroposophische Medizin zwischen Körper (physischer Leib), Lebensorganisation (Ätherleib), Seelenorganisation (Astralleib) und Ich-Organisation (geistige Individualität). Wichtig ist, dass sich die Anthroposophische Medizin nicht als Alternative, sondern als Ergänzung und Erweiterung zur konventionellen Medizin versteht. Sie wird heute sowohl ambulant als auch stationär praktiziert und forschend weiterentwickelt. Seit 1976 ist die Anthroposophische Medizin in Deutschland gesetzlich verankert und anerkannt.