Wenn aus Hirschen Machos werden

In der Paarungszeit werden aus guten Kumpeln Konkurrenten. Beim Kampf um die Hirsch-Damen kommt es zum Kräftemessen zwischen den männlichen Rothirschen.

Hirsche

Bis zur Brunft im Oktober gehen Rothirsche jeder Rauferei aus dem Weg.
Als geschlossene Männergesellschaft stehen sie friedlich in Rudeln zusammen und denken nur an eines: Fressen! Rund und gesund sind sie dann, wenn es Herbst wird.
Im September jedoch lösen sich diese Hirschrudel schlagartig auf: Das Ende der Männerfreundschaften ist gekommen. Ein rasant ansteigender Testosteronspiegel leitet jetzt die Brunft ein, und die Paarungszeit der Hirsche macht aus guten Kumpeln erbitterte Konkurrenten. Sechs Wochen lang geht es dabei einzig und allein um die Gunst der Hirsch-Mädels. Um die Damen zu beeindrucken, verhalten sich Hirsche ein wenig wie Machos. Es kommt beim Kampf um die weiblichen Tiere zum Kräftemessen – der Gegner soll vor allem eingeschüchtert werden.

Dabei geht es auf dem Brunftplatz laut und recht derb zu. Mit einem Sekret aus der Voraugendrüse markieren die Hirsche ihr Revier. Sie urinieren in Erdkuhlen, die sie vorher mit den Vorderläufen aufgewühlt haben, um sich darin zu wälzen. Mit dem Harn werden geschlechtliche Duftstoffe als Pheromone ausgeschieden, die das Paarungsverhalten beeinflussen.

Wer als Platzhirsch das Rudel Kahlwild – also die Weibchen – begatten darf, ist auch von der Pracht des Geweihs abhängig. Die Tiere scheinen sich gegenseitig zu begutachten und ihren Kopfschmuck zu vergleichen. Um den Konkurrenten zu imponieren, wühlen sie mit dem Geweih im Boden und schreiten seitlich aneinander vorbei, um sich die breite Seite des Körpers zu zeigen. Zum Droh- und Imponiergebaren gehört auch das Röhren, sicherlich die bekannteste Lautäußerung brunftiger Hirsche. Der mächtige Brustkorb der Hirsch-Herren wirkt beim Röhren wie ein Resonanzkörper. Weit dröhnt der tiefe, leicht gepresste, langgezogene Ruf.

Körperlich unterlegene Hirsche lassen sich schon durch dieses Droh- und Imponiergebaren eines Besseren belehren und scheuen den Kampf mit dem Platzhirsch. Auf diese Weise kommt es meist nur zwischen gleich starken Gegnern zu ernsteren Auseinandersetzungen: Die Wucht beim Zusammenprall der Geweihe ist gewaltig, das gegenseitige Stemmen und Schieben ein Kraftakt. Die Muskelstränge im Nacken der Tiere sind bis aufs Äußerste gespannt. Oft schieben sich die Rivalen gegenseitig bis zur völligen Erschöpfung über den Brunftplatz. Gibt einer der Hirsche auf und flüchtet, setzt der Sieger noch kurz nach. Dabei schickt er dem unterlegenen Konkurrenten eine Serie von "Sprengrufen" hinterher.

Bei aller Ernsthaftigkeit sind Brunftkämpfe nicht darauf angelegt, den Gegner zu verletzen oder gar zu töten. Sie werden deshalb als Komment-Kampf bezeichnet: Es geht um festgelegte Rituale, die mit dem Rückzug des Schwächeren enden. Trotzdem kann es vorkommen, dass einer der Rivalen getötet wird.

Jedes Jahr ein Geweih

Nur männliche Tiere bilden Geweihe. Im Alter von etwa einem Jahr wachsen die ersten unverzweigten Stangen. Die Einjährigen heißen deshalb in der Jägersprache "Spießer". Ausgewachsene Hirsche mit Geweihstangen, die auf jeder Seite sechs Enden aufweisen, nennt man hingegen "Zwölfender". Ein Geweih besteht nicht etwa aus Horn, sondern aus Knochensubstanz. Zwischen Februar und April, wenn der Testosteronspiegel der Hirsche am niedrigsten ist, wird das alte Geweih abgeworfen, das neue wächst in 120 Tagen nach. Dafür müssen bis zu 15 Kilogramm Knochenmasse neu gebildet werden. Ausgewachsen wiegen Rothirsche bis zu 250 Kilogramm. Die Wiederkäuer fressen Gras, Kräuter und Kastanien. Ist das Nahrungsangebot knapp, schälen sie Baumrinde und knabbern junge Knospen und Triebe.

Der Wanderer ist kein König des Waldes

Obwohl Rothirsche direkt vor unserer Haustür leben, sind sie für viele Menschen unbekannte Tiere geblieben. Irrtümer und Vorurteile sind weit verbreitet. Von wegen König des Waldes: Rothirsche sind Wanderer in der Offenlandschaft und legen mitunter über hundert Kilometer in wenigen Tagen zurück. Durch die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen und Siedlungen, fehlende Ruhezonen und erhöhten Jagddruck ziehen sich Rothirsche heute jedoch in die Wälder zurück. In den meisten Bundesländern dürfen sie ohnehin nur in amtlich ausgewiesenen Verbreitungsgebieten leben. Außerhalb dieser Rotwildverbreitungsgebiete müssen die Tiere erschossen werden. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert die Abschaffung dieser Gebiete und damit: Freiheit für die Rothirsche!

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

Die Deutsche Wildtier Stiftung

Ein Stimme für heimische Wildtiere! Wildtiere in Deutschland schützen und Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit der heimischen Wildtiere begeistern – das ist das Anliegen der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Wissen über die Natur darf nicht verloren gehen. Deshalb bietet die Stiftung gerade Kindern und Jugendlichen viele Angebote, durch die sie Wildtiere erleben und mehr über sie erfahren. Mit konkreten Projekten erhält die Stiftung Lebensräume von Wildtieren in Deutschland und setzt sich bei Politik und Wirtschaft für ihren Schutz ein. Im Naturerlebnisprojekt Wildtierland Gut Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern erleben Besucherinnen und Besucher auf über 2.000 Hektar Fläche heimische Wildtiere, die ohne Zäune und Gehege in Freiheit leben. Darunter sind auch zahlreiche seltene Arten. Die wildtierfreundliche Land- und Forstwirtschaft gibt den Tieren ihre Lebensräume zurück. Schirmherr der gemeinnützigen Deutschen Wildtier Stiftung ist Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog.

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