Wahre Meister im Spinnen

Wie verlorene Haarteile hängen die Netze der Baldachinspinne im Herbst in den Wiesen, Sträuchern und Bäumen. Von wegen: Pfui Spinne!

Der Volksmund hat deshalb den Begriff "Altweibersommer" geprägt. Früher dachten die Menschen, dass diese Spinnweben Haare von Elfen und Zwergen seien. Im Spätsommer und Herbst hat man plötzlich beim Spaziergang einen Spinnenfaden im Gesicht. Das sind Flugfäden, mit denen jetzt viele Millionen winzige Spinnen auf die Reise gehen. Sie segeln oft über hundert Kilometer am Faden durch die Lüfte.

Eine Kreuzspinne spinnt immer! Die Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) gehört zur großen Familie der Radnetzspinnen (Araneidae), die in Deutschland mit etwa 50 Arten vertreten ist. Sie ist eine wahre Meisterin im Spinnen. Ihre Fäden stellen von Menschen gemachte Materialien an Festigkeit und Elastizität, an Dehnbarkeit und Feinheit in den Schatten. Sie baut etwa hundert Netze in ihrem Leben und hantiert geschickt mit 80 Metern Fadenlänge, ohne sich dabei zu verheddern.

Für den Nachwuchs spinnt sie einen Kokon aus Watteund Hüllfäden sowie Tarnfäden in unterschiedlichen Farben. Den "Rohstoff" für die Fäden produzieren Spinnen in mehreren hundert Spinndrüsen. Das Fangnetz wird von der Kreuzspinne übrigens Nacht für Nacht erneuert, wofür sie etwa eine Stunde benötigt.

Von wegen: Pfui Spinne!

Generell meiden Spinnen die Menschen. Die einheimischen Arten sind für uns völlig ungefährlich, trotzdem haben sie nur wenige Freunde. Dabei gehören Spinnen zu den wichtigsten Nützlingen. Jahr für Jahr vertilgen sie unvorstellbar große Mengen an Insekten, darunter Ernteschädlinge wie Kartoffelkäfer und Quälgeister wie Stechmücken. Spinnen lähmen die Beute zunächst mit Gift, um sie dann auszusaugen. Übrigens: Spinnen können nur trinken. Sie lösen ihre Nahrung mit Verdauungssäften vor dem Mund auf und schlürfen dann den Nahrungsbrei ein.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen produzieren alle Spinnen Gifte in ihren Giftklauen oder Cheliceren, die vorne am Kopf sitzen. Nur wenn diese Klauen lang genug sind – was bei exotischen Arten der Fall sein kann –, können sie damit die menschliche Haut durchdringen. Spinnen haben acht Augen, können allerdings meistens nur Hell und Dunkel unterscheiden.

Die Farbe der Gartenkreuzspinne variiert zwischen hellbraun, rot und schwarz. Das Kreuz auf ihrem Hinterkörper besteht aus fünf weißen Flecken, vier länglichen und einem kreisförmigen, die teilweise ineinanderfließen. Dabei handelt es sich um weiße Stoffwechselprodukte, die unter dem durchsichtigen Chitinpanzer eingelagert sind. Die Gartenkreuzspinne zählt zu den bekanntesten Spinnenarten in Deutschland.

Liebe im Spinnennetz

Während die weibliche Gartenkreuzspinne bis zu 18 Millimeter groß werden kann, ist das Männchen mit 10 Millimetern relativ klein. Der Größenunterschied ist bei Spinnen nicht ungewöhnlich und macht Sex für Spinnenmännchen manchmal zum gefährlichen Unterfangen. Bei einigen Arten endet das Liebesspiel tödlich, denn sie werden von der Partnerin nach der Begattung aufgefressen. Bei der Gartenkreuzspinne allerdings trennen sich Männchen und Weibchen nach der Paarung friedlich.

Das Paarungsritual beginnt im August und gestaltet sich meist sanft und sensibel. Die Männchen zupfen vorsichtig an einem speziellen Faden und bringen so das Netz der Angebeteten in Schwingung. Da Spinnen sehr empfindlich auf Erschütterungen reagieren, erkennt das Weibchen am rhythmischen Zupfen die sexuellen Absichten des Verehrers. Ist sie paarungswillig, kommt sie ihm entgegen.

Im Herbst legt das Weibchen die Eier in einem Kokon aus wollig-weichen Fäden. Erst im Frühjahr verlässt der Nachwuchs diese schützende Hülle. Das Spinnenweibchen stirbt nach der Eiablage. Da der Nachwuchs erst im Folgejahr geschlechtsreif wird, müssen die Jungspinnen einen weiteren Winter überdauern. Gartenkreuzspinnen werden also etwa anderthalb Jahre alt.

Übrigens: Spinnen sind keine Insekten. Sie bilden eine eigene Ordnung in der Klasse der Spinnentiere (Arachnida), zu denen auch Weberknechte, Skorpione und Milben zählen. Allesamt gehören sie mit Insekten und Krebstieren zum Stamm der Gliederfüßer. Sie haben ein festes Außenskelett. Deshalb müssen sich Spinnen häuten, wenn sie wachsen. Bei vielen Tieren wie Vögeln, Insekten und größeren Spinnen stehen sie auf dem Speiseplan. In Deutschland ekeln sich die Menschen häufig vor Spinnen – in Westafrika wird die Spinne als weise Gottheit verehrt.

Überleben im Winter

Spinnen sind als wechselwarme Tiere von der Außentemperatur abhängig. Das macht ein Überleben im Winter zu einer echten Aufgabe. Für eiskalte Notzeiten haben sie unterschiedliche Strategien entwickelt: Die einen verfallen in eine Winterstarre und verkriechen sich unter Baumrinden, in hohlen Pflanzenstängeln oder im Boden.

Sie fahren ihren Stoffwechsel herunter, um über die nahrungsarme Zeit zu kommen. Um sich vor dem Einfrieren zu schützen, reichern sie ihr Blut mit einem Gefrierschutzmittel (Glyzerin) an. Dadurch überleben Kreuzspinnen auch Temperaturen bis minus 20 Grad. Andere, vor allem kleinere Spinnen, sind gerade im Winter aktiv. Frostgeschützt unter Falllaub im Wald stellen sie kleinen Insekten nach.

Eine perfekte Überwinterungshilfe ist übrigens die "Insekten- Siedlung" der Deutschen Wildtier Stiftung.

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

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