Marder im Motor

Warum die kleinen Wildtiere sich so gern an unseren Autos zu schaffen machen und warum sie während ihrer Hochzeit richtig unangenehm werden können.

Läuft der Motor nicht mehr rund oder funktioniert die Scheibenwaschanlage im Auto nicht? Vielleicht hat ja ein Steinmarder das Zündkabel angebissen und die Waschwasser-Schläuche mit seinen scharfen Zähnen perforiert. "Gerade im Hochsommer kommt es häufig zu Marderschäden am Auto", berichtet Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Doch was lockt den Marder in den Motor? Und warum ist der kleine Räuber scharf auf Schläuche?

Es gibt viele Spekulationen rund um die Beißwut des nur zwei Kilogramm schweren Felltieres. "Es ist nicht die Wärme des Motors oder der Geschmack von Kunststoff und Gummi, der den Steinmarder zubeißen lässt. Es ist der Duft eines Rivalen", erklärt Eva Goris.

Gerade in der Ranzzeit im Hochsommer sind die Steinmarder auf Brautschau und markieren mit Sekreten aus Duftdrüsen ihr Revier. "Und wehe, wenn ein Rivale ins eigene Revier eingedrungen ist, dort markiert hat und ein nichts ahnender Autofahrer genau an dieser Stelle seinen Wagen geparkt hat! Dann sind die Kunststoffschläuche, Isolierungen und Kabel vor den Attacken des wütenden Mardermännchens nicht mehr sicher", beschreibt die Expertin der Deutschen Wildtier Stiftung die Folgen. Fährt der unwissende Autofahrer gar zwischen zwei Marder-Revieren hin und her, hat er gleich zwei markierende Marder als Gegner.

Wenn Marder Hochzeit feiern, können sie sehr unangenehm werden.

"Der häufig gehörte Tipp, mit anderen Duftstoffen wie Mottenkugeln oder WC-Steinen dagegen anzustinken, um das Tier zu vertreiben, kann die Situation nur verschlimmern", warnt Eva Goris und rät davon ab. Eine Motorwäsche ist eine wesentlich effektivere Abwehrmaßnahme. Einige Autohersteller bieten die Abschottung des Motorraums als Hilfsmaßnahme an. Auch die Ummantelung der Kabel mit Hartkunststoffen kann helfen. "In den Autowerkstätten weiß man meist Rat", so die Expertin.

Die Ranzzeit der Marder endet im August. Doch nach der Befruchtung des Eis beginnt der Embryo erst im Winter zu wachsen. "Bei diesem kleinen Wunder der Natur handelt es sich um die sogenannte Ei-Ruhe", verrät Goris. Nach der Befruchtung teilt sich die Eizelle zunächst zwar, wird dann aber nicht viel größer als wenige Millimeter. Die Fähe trägt also eine befruchtete Eizelle in ihrem Körper, ohne dass ein Embryo heranwächst. Im April wirft die Fähe dann zwei bis sieben Jungtiere. Sie sind blind und beinahe nackt. Acht Wochen lang werden die Jungtiere von ihr gesäugt. Die Kleinen bleiben insgesamt etwa drei Monate beim Muttertier.

Während es den Steinmarder

in die Nähe menschlicher Siedlungen und in den Motorraum der Autos lockt, bleibt der Baummarder dort, wo er dank seines Namens auch vermutet wird: im Wald. Für Laien sehen die beiden sich zum Verwechseln ähnlich. Wer genauer hinschaut, kann sie am Kehlfleck deutlich unterscheiden. Der Fleck ist beim Baummarder ockergelb und nicht weiß und bis zu den Vorderpfoten gegabelt wie beim Steinmarder. Generell geht man sich aus dem Weg und würde sich auch nie auf eine geschlechtliche Beziehung einlassen. Baum- und Steinmarder paaren sich nicht.

Doch sie haben auch Gemeinsamkeiten. So verschlafen beide den Tag. Entweder in hohen Bäumen oder Greifvogelhorsten (wie es der Baummarder tut) oder in Schlupfwinkeln auf Heuböden und Speichern ganz nah bei den Menschen (wie es Steinmarder-Art ist). Nachts werden sie dann mobil und gehen auf die Jagd. Steinmarder erbeuten Mäuse, Ratten, Wildkaninchen und die Gelege von Vögeln. Ist im Spätsommer das Obst reif, greift der Steinmarder mit seinen Branten, den Tatzen, auch im Garten gern zu. Alle Marder sind Generalisten und ernähren sich etwa zur Hälfe rein pflanzlich. Zum "Dank" für die Mahlzeit im Garten bringt das mobile Felltier die Hausbesitzer mit nächtlichen Störungen um den Schlaf. "Wer einen Marder auf dem Dachboden hat, wird oft durch Rumoren und Getrappel aufgeweckt", beschreibt Eva Goris die entstehende Geräuschkulisse. Den lästigen Mitbewohner wieder los zu werden, ist nicht einfach. Manchmal hilft es, einfach ein lautes Radio auf dem Dachboden laufen zu lassen. Wenn aller Lärm nichts ändert, sollte man einen Kammerjäger zurate ziehen. Ist man sich sicher, den Störenfried vertrieben zu haben, sollten schnell alle möglichen Einschlupflöcher verschlossen und die Klettermöglichkeiten wie Regenrinnen mardersicher versperrt werden.

››› Gastbeitrag Deutsche Wildtier Stiftung

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