Keine lahme Ente!

Stockenten gehören zur unglaublich artenreichen Familie der Entenvögel.

Stockenten gehören zur unglaublich artenreichen Familie der Entenvögel (Anatidae) und sind trotz ihrer Größe und ihres Gewichtes von bis zu 1.500 Gramm relativ flott in der Luft unterwegs. Sie können eine Spitzengeschwindigkeit von 110 Kilometer je Stunde erreichen und gehören damit in der Vogelwelt zu den rasanten Fliegern.

Während die Entendamen eher unscheinbar in erdige Brauntöne gekleidet gut getarnt durchs Leben watscheln, sind die Erpel richtige Angeber. Der Kopf ist metallicgrün, der Feder-Ring am Hals schneeweiß. Im Flug fallen sofort die stahlblauen Federn der Flügel auf, die von weißen Spitzen optisch eingerahmt werden. Experten sprechen bei den farbigen Flecken auf den Schwingen vom "Spiegel". Die aufgerollten Schwanzspitzen – auch Erpellocken genannt – erinnern ein wenig an die Elvis-Tolle. Die orangeroten Füße mit den Schwimmhäuten zwischen den Zehen stechen sofort ins Auge.

Wasserdichtes Federkleid
Eine durchschnittliche Stockente hat rund 10.000 Einzelfedern. Luftpolster zwischen den Federn helfen, den Entenkörper zu "isolieren" und dabei warm und trocken zu halten. Mit ihrem Federkleid gehen alle Enten besonders sorgsam um. Sie widmen der Federpflege viel Zeit. Doch das hat nichts mit "Eitelkeit" zu tun, sondern das Einfetten der Federn ist überlebenswichtig. Denn Fett schützt vor Kälte und Nässe. Es wird in einer Drüse am Schwanzansatz, der sogenannten Bürzeldrüse, produziert und mit dem Schnabel sorgsam im Gefieder verteilt.

Wenn Entenmänner Federn lassen
Der Hochsommer ist für Erpel eine riskante Zeit: Die Entenmänner müssen jetzt Federn lassen. Mit Beginn des Federwechsels, der Mauser, verlieren sie ihre Flugfähigkeit und suchen vorsichtshalber Deckung im Schilf. Bis die langen Federn an den Schwingen wieder nachgewachsen sind, dauert es einige Wochen. In dieser Zeit sind die sonst so selbstbewussten Erpel eher zurückhaltend und sehr scheu.

Spaziergänger sollten Rücksicht auf die flugunfähigen Entenmänner nehmen und die Vögel nicht aufscheuchen. Die Entenweibchen dagegen verlieren ihre Federn erst, wenn der Nachwuchs fliegen kann. Doch im Hochsommer läuft das Brutgeschäft am Ententeich noch auf Hochtouren. In einem Nest können bis zu 15 Eier liegen, die die Stockente etwa 25 Tage lang bebrütet. Enten sind Nestflüchter. Kaum aus dem Ei geschlüpft, machen sich die Küken auf den Weg. Sie können sofort schwimmen.

Übrigens: Alle Vogelarten kommen irgendwann in die Mauser. Sie wechseln ihr Federkleid aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen nutzt sich das Gefieder trotz penibler Pflege im Laufe der Zeit ab und muss erneuert werden, zum anderen hat der Federwechsel auch optische Gründe: Erpel bekommen in der warmen Jahreszeit ihr Prachtkleid, denn schon im Herbst beginnen sie, um die Gunst der Weibchen zu werben, obwohl sie sich erst im darauffolgenden Frühjahr fortpflanzen. Für die "Enten-Verlobung" putzen sich die Erpel eben frühzeitig heraus. Die Ausstattung im Feder-Kleiderschrank der Vögel ist vielfältig: Es gibt Sommer- und Winterkleidung.

Bedrohte Verwandte
Stockenten sind eher anspruchslos und dümpeln beinahe auf jedem Stadtpark-Teich herum. Während die Knäck- und Löffelente sowie die Schellente zu den bedrohten Arten zählen und immer seltener werden, hat die Stockente die Teich-Hoheit über unsere Gewässer. Als Allesfresser kommen die Vögel gut über die Runden: Sie gründeln nach Wasserpflanzen, fressen aber auch kleine Weichtiere und Würmer. Selbst Sämereien, Früchte und Nüsse werden von ihnen nicht verschmäht.

Vogel-Ferien
Nicht nur Enten wechseln ihr Federkleid. Berühmt ist der spektakuläre Mauser-Zug der Brandgänse. Jetzt im Sommer landen Zehntausende aus ganz Europa in den traditionellen Mausergebieten im Wattenmeer an der Nordseeküste. Wer jetzt dort Urlaub macht, kann den Vogelzug beobachten. Vor allem auf der Insel Trischen versammeln sich viele Vögel, um ihr Gefieder zu wechseln. Juli und August sind besonders günstige Monate für die Mauser, denn es gibt genug Nahrung und außerdem ist es schön warm.

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

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