Fleißige Bienchen

Wussten Sie, dass der Wert der Insektenbestäubung von Nutzpflanzen für die Europäische Union 15 Milliarden Euro jährlich beträgt?

Honigbienen gehören zu den Insekten, die wie Ameisen und Wespen Staaten bilden. Ein Bienenvolk hat nur eine Königin und kann aus bis zu 70.000 Bienen-Individuen bestehen. Die meisten sind fleißige Arbeiterinnen, die nur wenige Wochen alt werden und sich quasi zu Tode arbeiten. Sie sammeln Nektar, regeln die Temperatur und sind für die Hausarbeit zuständig. Denn Zellen und Waben müssen ständig gereinigt werden, damit die Larven gesund aufwachsen.

Drohnen hingegen können fünf Monate alt werden. Dies sind die männlichen Bienen, die leicht an ihrem plumpen Körper mit dem runden Hinterleib zu erkennen sind. Von ihnen leben nur einige Hundert im Bienenstaat. Wenn sie die neue Königin begattet haben, werden sie von Wächterbienen getötet. Die Königin selbst überlebt alle Mitglieder ihres Staates um bis zu sechs Jahre. Doch das Leben einer Königin ist nur scheinbar luxuriös: Sie wird zwar gehegt und gepflegt, aber sie muss als Gebärmaschine ihr Leben lang Eier legen.

Bienen können bis 50 Kilometer pro Stunde schnell fliegen. Sie verständigen sich untereinander mit dem Bienentanz. Per Rundtanz berichten sie von Nahrungsquellen, mit dem Schwänzeltanz zeigen sie die Reichhaltigkeit des Fundes an. Über Bienen gibt es viel zu erzählen. Sie bevölkern die Erde schon seit 50 Millionen Jahren. In einem altem Bernstein fand man eine Biene. Der Mensch nutzt sie seit der Steinzeit als Honiglieferanten. Dabei produzieren Bienen Honig nicht für uns Menschen, sondern als Nahrungsvorrat für den Winter. Der Mensch liebt die fleißigen Bienchen und hat ihnen mit der Zeichentrickfigur "Biene Maja" ein Denkmal gesetzt.

»Biene Maja« ist heute hungrig und obdachlos.

Es gibt nicht nur Bienenvölker, sondern auch Einzelgänger unter den Bienen. Die "Singles" aus der großen Familie der Bienen heißen Solitärbienen. Sie sind häufig vergeblich auf Wohnungssuche, denn in unserer "aufgeräumten" Landschaft, in den Gärten und Parks fehlt es an Totholz, Reisig- und Steinhaufen. Nur dort finden Solitärbienen als Larve ihr Winterquartier. Die Einzelgänger brauchen hohle Baumstämme und abgestorbene Pflanzenteile auch für ihre Brut. Um den Nachwuchs aufzuziehen, sammeln sie Nektar und Pollen. Solitärbienen haben zwar einen Stachel, aber sie können damit die Haut der Menschen nicht durchdringen. Sie sind friedliebend und stechen selbst bei allergrößter Gefahr für ihr eigenes Leben nicht. Auch Honigbienen stechen nur, wenn sie sich oder ihren Staat in größter Gefahr wähnen. Da der Stachel in der Haut stecken bleibt, ist der Stich für die Biene tödlich. Typisch für die fleißige Biene: Sie opfert sich für ihr Volk.

Bienen arbeiten auch für den Menschen, denn er braucht die Bienen, um das eigene Überleben zu sichern. Gut 80 Prozent unserer landwirtschaftlichen Nutzpflanzen wie Raps, Sonnenblumen, Gemüsepflanzen und Obstbäume sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Eine Wildbiene kann bis zu 5.000 Blüten am Tag bestäuben! Sie beginnt damit schon sehr früh im März, lange bevor sich die Honigbiene an die Arbeit macht. Doch der Nahrungsmangel ist groß: Biene Maja hungert! Denn das Blütenangebot an Wildkräutern auf unseren Äckern und in unseren Gärten wird durch den Einsatz von Pestiziden oft vernichtet. Das bedeutet für viele Wildbienen: Hunger und Not.

Auch Hummeln gehören zur Familie der Bienen

und zählen zu den wichtigen Bestäubern. Dramatisches Hummelsterben unter blühenden Silberlinden zeigt die Folgen des Nahrungsmangels auf: Die energiehungrigen Flieger verhungern, weil der Nektar nicht ausreicht, um die angelockten Insekten zu sättigen. Hummeln sind länger auf der Nahrungssuche als Bienen. Sie sind täglich bis zu 18 Stunden unterwegs – auch bei schlechtem Wetter! Dabei bestäuben sie viele Pflanzenarten, darunter etliche Obst- und Gemüsesorten. Alle Hummeln sind durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

Im Frühjahr, wenn Hummeln aus dem Winterschlaf erwachen, begibt sich die Königin auf die Suche nach einem passenden Ort für ihr Nest. Sie fliegt dicht am Boden umher und untersucht jedes interessant erscheinende Loch, in das sie hineinkrabbelt. Hummeln werden von der Farbe Blau angezogen – deshalb ist der Eingang zur Nisthilfe der Deutschen Wildtier Stiftung auch blau abgesetzt. Die Hummel-Burg ist eine ideale Nisthilfe.

Bauen für Bienen sichert Milliarden Euro

Die Insekten-Siedlungen der Deutschen Wildtier Stiftung schaffen Nistmöglichkeiten für die meisten Wildbienenarten und viele andere nützliche Insekten wie Florfliegen und Ohrwürmer, die sich beim Menschen für die Überlebenshilfe bedanken, indem sie Blattläuse, Mücken, Raupen und Fliegen vertilgen und auf der Suche nach Nektar und Pollen unsere Obstbäume und Blumen bestäuben. Wussten Sie, dass der Wert der Insektenbestäubung von Nutzpflanzen für die Europäische Union 15 Milliarden Euro jährlich beträgt? Es ist ein Jammer, dass diese Nützlinge keine Nistmöglichkeiten und Nahrung finden. Die meisten sind gefährdet und im Bestand bedroht.

››› Gastbeitrag Deutsche Wildtier Stiftung

Die Deutsche Wildtier Stiftung

Ein Stimme für heimische Wildtiere! Wildtiere in Deutschland schützen und Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit der heimischen Wildtiere begeistern – das ist das Anliegen der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Wissen über die Natur darf nicht verloren gehen. Deshalb bietet die Stiftung gerade Kindern und Jugendlichen viele Angebote, durch die sie Wildtiere erleben und mehr über sie erfahren. Mit konkreten Projekten erhält die Stiftung Lebensräume von Wildtieren in Deutschland und setzt sich bei Politik und Wirtschaft für ihren Schutz ein.