Familie Rebhuhn brütet pünktlich

Nur noch in wenigen Regionen kann man regelmäßig Rebhühner beobachten. Die intensive Landwirtschaft ist neben extremen Witterungsereignissen der Hauptfaktor für den Rückgang.

Überall in der Natur ist jetzt Nachwuchs unterwegs. Früher sagten die Bauern: "Erster Mai – erstes Ei!" Denn pünktlich mit dem Beginn des Wonnemonats lagen bei "Familie Rebhuhn" plötzlich bis zu 20 Eier im Nest. Das Nest besteht aus einer ausgescharrten Mulde, die mit trockenen Pflanzenteilen ausgekleidet wird. Es ist in der Regel gut unter Gebüsch oder in Feldern versteckt. In das Nest legt die Henne zwischen 8 und 24 Eier, die einfarbig blass, olivbraun bis bläulich grau gefärbt sind.
Nach drei bis dreieinhalb Wochen schlüpfen die Jungen und verlassen schon wenige Stunden später das Nest. Am ersten Tag ernähren sie sich noch vom Dottersack, danach fressen sie fast ausschließlich Insekten, vorrangig Ameisen, Raupen, kleine Käfer und Blattläuse.

Fünf Wochen später sind die Jungen selbstständig, bleiben aber dennoch den Winter über mit ihren Eltern und Geschwistern zusammen und bilden eine sogenannte "Kette". Mehrere "Ketten" schließen sich häufig zu "Völkern" zusammen. Trotz der beachtlichen Anzahl an Eiern überleben heute die wenigsten Küken. "Nur noch in ganz wenigen Regionen kann man regelmäßig Rebhühner beobachten", sagt Eva Goris, Sprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Die intensive Landwirtschaft ist neben extremen Witterungsereignissen der Hauptfaktor für den Rückgang.

Wilde Hühner sind selten

Das Rebhuhn (Perdix perdix) gehört zur Familie der Glattfußhühner (Phasaninae) und zählt damit zu den wild lebenden Hühnerarten. Ursprünglich waren Rebhühner in Steppen- und Heidelandschaften unterwegs. Bereits vor Jahrhunderten profitierten sie von der Rodung der Wälder und dem Aufkommen der Landwirtschaft. Das waren perfekte Lebensräume für das Rebhuhn, denn die etwa 30 Zen­timeter großen Vögel verbringen ihr gesamtes Leben am Boden. Mit ihrem rötlichbraunen Gefieder sind sie dort gut getarnt. Rebhühner brauchen Deckung, um sich zu verstecken und ihre Jungen großzuziehen. Schnell breiteten sie sich überall in Europa aus. Auch wegen der Vielzahl wurden sie damals zu Jagdwild.

Doch die guten Zeiten der wilden Hühner endeten etwa in den 1970er-Jahren. Mit den Veränderungen in der Landwirtschaft wurde ihr Leben härter. Es klingt paradox, aber große Felder engen den Lebensraum der Feldhühner ein. Rebhühner brauchen Grenzen. "Gemeint sind die Grenzlinien zwischen den Feldern, die früher durch kleinbäuerliche Strukturen vorgegeben waren", erklärt Goris. Zwischen den Grenzlinien finden Rebhühner Schutz vor Greif­vögeln und Nahrung für die Küken. Durch die Flurbereinigung hat die Größe einzelner Felder enorm zugenommen. Mit dem Sterben kleiner Bauernhöfe ging auch das Sterben der Rebhühner einher. "Monotone, ausgeräumte Landschaften und der Einsatz von Pestiziden spielen beim Bestandsrückgang der Feldhühner eine immens große Rolle", so die Expertin der Deutschen Wildtier Stiftung. Insektizide vernichten das Futter der Küken, also Insekten, die die Küken als tierisches Eiweiß zum Überleben brauchen. Andere Agrarchemikalien sorgen dafür, dass wichtige Futterpflanzen der erwachsenen Tiere, wie beispielsweise Klee und Luzerne oder die Sämereien von Wegerich und anderen Wildkräutern, verschwinden.

Lebensgefährliche Maschinen

Hat der Rebhuhn-Nach­wuchs trotz aller Widrigkeiten seine ersten Lebenswochen überlebt, kommen die Küken häufig unter die rotierenden Messer des Mähwerks. Unzählige kleine und große Wildtiere, vom Reh bis zur Feldlerche, finden jedes Jahr auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen durch Mähmaschinen den Tod. Fünf Millionen Hektar Fläche sind in Deutschland als landwirtschaftlich genutztes Grünland ausgewiesen. Das sind fünf Millionen Hektar Lebensraum für Wildtiere wie Rehe und Feldhasen oder Wiesenbrüter wie den Kiebitz und den Brachvogel. Leider beginnt gerade in der Brut- und Aufzuchtzeit vieler Tierarten die Mähsaison.

Doch Landwirte können helfen, Wildtiere vor dem Mähtod zu bewahren. Tipps für den Wildtierschutz hat die Deutsche Wildtier Stiftung im Praxis-Ratgeber "Stoppt den Mähtod" zusammengefasst. Aus Sicht der Wildtiere wäre es das Beste, die Mahd zeitlich zu verschieben. Dann haben viele Wildtiere eine größere Überlebenschance. Vogelbruten wie die des Rebhuhns, Kleinsäuger und Amphibien können schon dadurch gerettet werden, dass die Wiesen nicht tief gemäht werden, sondern auf einer Schnitthöhe von 15 Zentimetern stehen bleiben. Auch das Mähen von innen nach außen hilft, denn es erleichtert Wildtieren die Flucht. Schließlich kann hoffentlich bald auch neue Technik Wildtiere schützen: Ultraschallgeräte zum Vertreiben von Wildtieren vor der Mahd aus den Wiesen sowie Suchgeräte mit Infrarotsensoren, die über die Körperwärme der Tiere deren Standort verraten, werden von der Deutschen Wildtier Stiftung bereits getestet.

››› Gastbeitrag Deutsche Wildtier Stiftung

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Ein Stimme für heimische Wildtiere! Wildtiere in Deutschland schützen und Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit der heimischen Wildtiere begeistern – das ist das Anliegen der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Wissen über die Natur darf nicht verloren gehen. Deshalb bietet die Stiftung gerade Kindern und Jugendlichen viele Angebote, durch die sie Wildtiere erleben und mehr über sie erfahren. Mit konkreten Projekten erhält die Stiftung Lebensräume von Wildtieren in Deutschland und setzt sich bei Politik und Wirtschaft für ihren Schutz ein. Im Naturerlebnisprojekt Wildtierland Gut Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern erleben Besucherinnen und Besucher auf über 2.000 Hektar Fläche heimische Wildtiere, die ohne Zäune und Gehege in Freiheit leben. Darunter sind auch zahlreiche seltene Arten. Die wildtierfreundliche Land- und Forstwirtschaft gibt den Tieren ihre Lebensräume zurück. Schirmherr der gemeinnützigen Deutschen Wildtier Stiftung ist Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog.

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