Die Allerweichste unter den Enten

Die weichste von allen Entenarten sieht zwar kuschelig aus, eignet sich jedoch nicht zum Streicheln - wild und ungebunden ist die Eiderente am glücklichsten.

"Alle meine Entchen schwimmen auf dem See ...", sang man als Kind inbrünstig, sobald man sprechen konnte. Für viele Kinder war es das erste Lied, das auf einem Instrument gelernt und gespielt wurde. An die charakteristische Eiderente dachten beim Trällern wohl nur die wenigsten. Dabei verspricht ihr Name, was bei Kindern gut ankommt: Somateria mollissima ist die weichste von allen Entenarten und wäre mit ihrem flauschigen Gefieder das perfekte Kuscheltier. Doch wild und ungebunden sind Eiderenten am glücklichsten.

Die große, bis zu drei Kilogramm schwere Eiderente lässt sich nicht in das Kinderlied quetschen: Das Schwimmen auf einem "See" reicht ihr nämlich nicht. Eiderenten brauchen mehr Ausblick, als ein See bieten kann. Die Somateria molissima ist eine Meeresente. Das ganze Jahr über begegnet man ihr am Wattenmeer. Doch Eiderenten sind vor allem auch in Skandinavien, an den arktischen Küsten des Atlantiks und des Pazifiks zu Hause.

Unverkennbares Aussehen

Wer Eiderenten nur auf Fotos gesehen hat, erkennt sie in freier Wildbahn sofort. Ihre keilförmige Kopfform unterscheidet sie zweifellos von anderen Entenarten. Die hohe Schnabelwurzel geht direkt in die Stirn über. Mit ihrem kontrastreichen Prachtkleid wollen die Eidererpel ihre Weibchen beeindrucken und fallen deshalb besonders auf. Der Bauch des Erpels, sein Schwanz und der Bereich über seinen Augen sind schwarz. Sein Nacken ist grün gefärbt. Der Rest ist weiß. Die Weibchen mögen es wie die meisten Vogel-Frauen schlichter: Sie tragen ein quergewelltes Federkleid in schwarz und braun. Junge Eiderenten bevorzugen den Stil der Mutter - sie tragen einen noch kontrast­ärmeren Tarnlook.

Muschelknacker und schlauer Tieftaucher

Auf der Speisekarte von Eiderenten stehen vor allem Miesmuscheln. Aber sie verschmähen auch andere Muschelarten, Schnecken und Tintenfische, Seesterne und -igel, Krebse und kleine Fische nicht. Die etwa 60 Zentimeter lange Ente ergattert ihre Mahlzeiten, indem sie die Muscheln aus dem Wattboden trampelt oder danach taucht. Für ihr Menü nimmt sie in Ausnahmefällen auch energieaufwendige Tauchgänge bis in 50 Meter Tiefe auf sich. Bei der Nahrungssuche macht sie sich die Gezeiten gezielt zunutze. Bei Ebbe durchsucht die Eiderente Gebiete, die sie bei Flut nicht erreichen kann. Eiderenten fressen Muscheln übrigens mit Schale. Ihr starker Kaumagen knackt die harte Hülle und die Reste der Muschel werden dann als Gewölle wieder ausgeschieden. Über die Salzdrüsen in der Stirn wird das mit der Nahrung aufgenommene Salz ausgeschieden.

Grüne Eier nach Ostern

Die Eidererpel können die Hochzeit kaum erwarten: Sie begeben sich oft schon im Oktober gurrend auf die Balz. Doch sie müssen sich gedulden, denn erst im Spätwinter turteln die Weibchen mit. Um dann die Gunst der Weibchen zu gewinnen, liefern sich die Erpel heftige Kämpfe für die meist einjährige Ehe. Ab April geht es "zu Fuß" auf Nistplatzsuche. Eiderenten wählen immer einen Brutplatz nahe der Küste. Sie legen ihre Nester meist in offener Landschaft oder in Tanghaufen ab. Wenn es keine Füchse in der Nähe gibt, brüten Eiderenten gern in Kolonien. Wie gebrütet wird, entscheidet das Weibchen. Schließlich ist das Brüten ausschließlich seine Aufgabe. Wenn das Nest reichlich mit Daunen ausgepolstert ist, legt es ab Mitte Mai seine graugrünen Eier ab. Das erste Gelege umfasst etwa vier bis sieben Eier. Gegen Ende der 27-tägigen Brutzeit zieht es Mutter und Küken sofort aufs Meer hinaus. Die Erpel sind ebenfalls Richtung Meer gezogen. Junge Eiderenten werden noch bis in den September hinein von den Weibchen umsorgt. Dabei schließen sich Eiderentenfamilien häufig zusammen und ziehen die Kleinen in "Enten-Kindergärten" auf. Unter Eiderenten hält man eben zusammen.

>>>Gastbeitrag Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

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