Ehepaar Schmeiser - Unermüdliche Kämpfer

Das Ehepaar Schmeiser und sein Kampf gegen genmanipuliertes Saatgut.

Percy und Louise Schmeiser stehen nebeneinander und lächeln. Die beiden wirken auch nach fast 60 gemeinsamen Ehejahren noch sehr glücklich miteinander. Die kanadischen Landwirte haben viel durchgestanden. Auch einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen den milliardenschweren Gentechnik-Konzern Monsanto. 2007 erhielten sie für ihr Engagement gegen die Gentechnik den Right Livelihood Award, den "Alternativen Nobelpreis".

Das Leben der Schmeisers verlief bis 1998 eigentlich ganz gewöhnlich. Sie waren eine Familie, die in der kanadischen Provinz Saskatchewan von der Landwirtschaft lebte und hauptsächlich Raps anbaute. Percy Schmeiser engagierte sich neben seiner Tätigkeit als Landwirt auch in der Lokal- und Kommunalpolitik.

In jenem Jahr jedoch machten die Schmeisers erstmals Bekanntschaft mit dem amerikanischen Konzern Monsanto. Dieser verklagte Percy Schmeiser, da auf seinen Feldern genmanipulierter Roundup-Ready Raps entdeckt wurde, eine von Monsanto patentierte Raps-Sorte. Monsanto warf ihm vor, er hätte den genmanipulierten Rapssamen illegal für seinen Anbau benutzt. Tatsächlich aber hatte er das nicht. Der Wind hatte das Monsanto-Saatgut der benachbarten Felder auf Schmeisers Anbauflächen geweht.

Monsanto dominiert weltweit den Markt für Gen-Saatgut. Die Firma rückt sich gerne in ein positives, vor allem aber in ein ökologisch wertvolles Licht: Um Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Zukunft gehe es dem Unternehmen. Mit genmanipuliertem Saatgut könne man die große Hungersnot auf der Welt bekämpfen. Der bittere Beigeschmack ist aber, dass Monsanto kein Öko-Unternehmen, sondern ein milliardenschwerer Konzern ist, dem es vor allem um eines geht: Profit.

2009 wuchsen auf acht Prozent der weltweiten Ackerfläche gentechnisch veränderte Pflanzen. 90 Prozent davon kamen aus den Laboren von Monsanto. Das Problem, das viele Kritiker hier sehen, ist die Monopolstellung des Konzerns. Monsanto besitzt über 700 Patente, zum Beispiel für Mais, Baumwolle, Soja oder Raps wie den Roundup- Ready Raps. Diese gentechnisch veränderte Nutzpflanze vollbringt gepaart mit dem Monsanto-Spritzmittel Roundup, das Unkräuter vernichtet, angeblich wahre Wunder: Die Ernten fallen bis zu dreimal so hoch aus. Auch wenn die Anschaffung dieser Kombination bis zu 70 Prozent teurer ist, der Gewinn, der sich damit erzielen lässt, scheint äußerst lukrativ.

Schmeiser aber wehrte sich. Nachdem Monsanto ihn 1998 verklagt hatte, begann ein langer Rechtsstreit, der sich bis 2004 hinzog. Zwar musste Schmeiser kein Geld an den Konzern zahlen, aber der oberste kanadische Gerichtshof bestätigte Monsanto die Eigentumsrechte am Roundup-Ready Raps. Diese besagen, dass, sofern die Bauern den Roundup-Ready Raps nutzen, sie an Monsanto Lizenzgebühren zahlen müssen. Die Bauern durften ihr Saatgut nicht mehr einfach selbstständig vermehren. Sie durften nicht, wie bis dahin üblich, Samen aus der Ernte aufbewahren, um sie im nächs ten Jahr auszusäen. Sie müssen Monsanto vertraglich festgelegte Summen zahlen, wenn sie die Samen verwenden.

Percy Schmeiser kämpft für das Recht der Bauern, das Saat gut auf ihrem eigenen Land selbst zu vermehren, und gleichzeitig gegen die Patentansprüche von Monsanto. Durch seine Standhaftigkeit in diesem langen Rechtsstreit gegen das Großunternehmen Monsanto wurde Schmeiser zum Sprachrohr und zur Leitfigur vieler Landwirte, die sich gegen genmanipuliertes Saatgut stellen.

Als die Schmeisers im Jahr 2005 abermals genmanipulierte Mosanto-Pflanzen auf ihren Äckern fanden, forderten sie den Konzern auf, sie zu entfernen. Monsanto tat dies nicht. Deshalb verklagten die Schmeisers den Konzern auf Schadensersatz für das Ausreißen dieser Pflanzen. Drei Jahre später einigten sich Schmeiser und Monsanto außergerichtlich: Monsanto kam für den entstandenen Schaden auf, der durch die Entfernung des genmanipulierten Rapses entstanden war. Die Tatsache, dass Monsanto hier nachgab, war für die Schmeisers ein großer Erfolg und setzte ein Zeichen für viele Landwirte.

Über 50 Länder hat der heute 80-jährige Percy Schmeiser seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Louise bereist, um Vorträge zu halten und auf die Auswirkungen von genmanipulierter Saat aufmerksam zu machen. Ihnen geht es vor allem darum, zu zeigen, dass genmanipulierte Pflanzen sich nicht auf einen Acker begrenzen lassen, sondern auch umliegende Felder und das Saatgut verunreinigen. Ein wichtiger Punkt, den Schmeiser bei seinen Vorträgen immer wieder betont, ist, dass die Ausbreitung von genmanipulierten Nutzpflanzen sich nicht kontrollieren lasse. Ihm liegt daran, dass die Bauern und Verbraucher eine bewusste Entscheidung für oder besser gegen gentechnisch veränderte Pflanzen treffen und sich nicht von den Agrarkonzernen überrumpeln lassen.

In den USA wurde im Jahr 2009 erstmals wild wachsender, gentechnisch veränderter Raps entdeckt, der resistent gegen das Roundup-Herbizid von Monsanto ist. Auch hier wehte der Wind wohl den Rapspollen gentechnisch behandelter Pflanzen über weite Strecken fort.

››› Gastbeitrag Natalia, Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München

Vielfalterleben

Ins Leben gerufen wurde die Initiative 2011 von Alnatura. Kern der Aktion war eine öffentliche Petition gegen Agro-Gentechnik, die von mehr als 100.000 Menschen unterstützt wurde. 2012 dreht sich bei Vielfalterleben alles um das Thema Saatgut und Vielfalt. Auf der Aktionswebsite www.vielfalterleben.info findet man viele Hintergrundinformationen, Tipps zum Bio-Gärtnern und alle Mitmachmöglichkeiten.