Muhammad Yunus bringt "Licht ins Dunkel"

Das Unternehmen Grameen Shakti und sein Beitrag zur Solarrevolution in Bangladesch.

2.000 Sonnenstunden im Jahr – und trotzdem Dunkelheit: Mit dieser Widersprüchlichkeit lebt mehr als die Hälfte der Menschen in Bangladesch. Vor allem auf dem Land, in Dörfern, die nicht an das Stromnetz angeschlossen sind, ist es oft finster in den Hütten. Licht spenden dort nur rauchende Petroleumlampen, Kerosinkocher dienen als Herd. Die Dämpfe, die dabei entstehen, schaden besonders Kindern und Frauen, die viel Zeit zu Hause verbringen. Doch seit einigen Jahren tut sich etwas, immer mehr Haushalte bekommen eigenen Strom. Und obwohl das "Entwicklungsland" Bangladesch den niedrigsten Pro-Kopf-Energieverbrauch der Welt hat und damit aus westlicher Sicht eigentlich keinen Anreiz, sich ums Energiesparen zu kümmern, ist es ganz vorne dabei, wenn es um regenerative Energien geht. Das Non-Profit-Unternehmen Grameen Shakti spielt dabei eine wichtige Rolle. "Grameen" ist bengalisch und bedeutet "Dorf", "Shakti" steht für "Energie". Das Unternehmen hat seit seiner Gründung 1996 erreicht, dass heute mehr als 700.000 Solarsysteme auf Hüttendächern in Bangladesch für Strom und damit für ein besseres Leben sorgen. Die Leistung der Solarzellen reicht dafür aus, elektrisches Licht zu erzeugen, ein Radio und sogar einen Fernseher zu betreiben. Die Solarsysteme helfen nicht nur dabei, Brände zu vermeiden, die bei Kerzenbeleuchtung an der Tagesordnung sind, sondern sorgen auch dafür, dass Geschäfte länger geöffnet sind und über Radio und Fernsehen Nachrichten aus dem ganzen Land selbst in abgelegene Dörfer gelangen können.

Eine Solaranlage auf dem Dach – das klingt teuer. Dass auch arme Familien sich das leisten können, liegt am Konzept der Grameen-Familie, zu der das Unternehmen gehört. Wie die von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus gegründete Grameen Bank, arbeitet auch Grameen Shakti mit Mikrokrediten: Eine Familie bekommt eine Solaranlage im Wert von 350 Euro, zahlt einen Bruchteil an und den Rest über drei Jahre ab. Die Raten entsprechen dabei ungefähr dem Betrag, den sie zuvor für Kerzen, Petroleum und Kerosin aufwenden mussten. Nach den drei Jahren beziehen sie ihren Solarstrom zum Nulltarif.

Grameen Shakti erhielt für sein Solarenergie-Programm 2007 den Right Livelihood Award, weil es mit der nachhaltig gewonnenen Elektrizität nicht nur Licht, sondern auch Gesundheit, Bildung und Produktivität in den Dörfern Bangladeschs fördert. Der damalige Leiter von Grameen Shakti, Dipal Barua, nahm den Preis in Empfang. In seiner Dankesrede betonte er besonders den positiven Effekt der Stromversorgung für die Frauen: "In Tausenden ländlicher Heime kochen jetzt Frauen in rauchfreien Küchen, genießen das helle Licht der Solarsysteme und können sich auch nach Einbruch der Dunkelheit mit Dingen beschäftigen, die das Einkommen der Familie verbessern."

Barua arbeitet von Beginn an eng mit Muhammed Yunus zusammen, der das Konzept der Mikrokredite für die Grameen Bank entwickelte und der Vorsitzende von Grameen Shakti ist. Der Wirtschaftswissenschaftler Yunus gelangte im Laufe seiner Lehrtätigkeit an der Universität von Chittagong zu der Überzeugung, dass etwas falsch sein musste mit dem Kreditsystem, das er unterrichtete. Während einer Exkursion mit seinen Studenten begegnete er einer Frau, die Stühle aus Bambus herstellte. Sie erzählte ihm, dass sie sich das Geld für den Bambus bei privaten Geldverleihern borgen müsse. Nachdem sie Zinsen von bis zu zehn Prozent pro Woche zurückgezahlt habe, bleibe ihr meist nur ein winziger Gewinn übrig. Da kam Yunus die Idee für ein soziales Kreditvergabesystem, bei dem nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, sondern die Lösung von gesellschaftlichen Problemen. Nach Yunus’ System werden kleine Kredite vergeben und im Gegensatz zu anderen Banken keine Sicherheiten verlangt. Es basiert auf dem Vertrauen darauf, dass die Kreditnehmer das Geld samt Zinsen wegen ihrer persönlichen Bindung zur Bank zurückzahlen. Yunus wurde damit zu einem Mitbegründer des Mikrofinanzgedankens. Viele Berater und auch andere Banken rieten ihm damals davon ab, doch die Grameen Bank hält sich bereits seit 27 Jahren und ist seit 2006 gemeinsam mit Yunus Träger des Friedensnobelpreises.

Grameen Shakti ist nur eines der Tochterunternehmen der Bank. Doch die Auswirkungen der Arbeit von Grameen Shakti können bereits Hunderttausende Familien jeden Abend in ihrem Zuhause erleben: Verfügbarkeit von elektrischem Licht und Zugang zu elektronischen Medien ohne einen großen Schuldenberg – und nie wieder Petroleumlampen.

››› Gastbeitrag Christina Jungkurth, Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München

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