Michael Succow - Leidenschaft für die Natur

Der Ökologe Michael Succow und sein Kampf für Naturschutzgebiete.

Wie Don Quichotte sieht er nicht aus, nur sein Bart erinnert ein wenig an den Ritter, der erfolglos gegen Windmühlen kämpfte. Michael Succow hingegen hat zahlreiche Erfolge vorzuweisen. Manchmal fühlt er sich trotzdem wie die Romanfigur. "Meine Anstrengung scheint hin und wieder nicht genug Ertrag zu bringen. Aber ich gebe nicht auf", sagt der deutsche Ökologe und Moorforscher. Seit Jahrzehnten setzt er sich für Naturschutzgebiete in Europa und Asien ein. Dafür erhielt er 1997 den Right Livelihood Award, den Alternativen Nobelpreis – laut Jury "für seinen Einsatz, natürliche Ökosysteme für zukünftige Generationen zu sichern".

Der Preis sei eine große Überraschung und Ehre gewesen. "Die Auszeichnung hat mir Türen geöffnet, indem sie anderen Menschen Vertrauen in meine Arbeit schenkte", erzählt Succow. Mit dem Preisgeld gründete er eine nach ihm benannte Stiftung, die Weltnaturerbe-Gebiete und Nationalparks einrichtet.

Der 70-Jährige arbeitete bereits in zahlreichen Regionen der ehemaligen Sowjetunion sowie in Zentral- und Ostasien. Dutzende Naturschutzgebiete hat er in Ländern wie Kasachstan, dem Iran oder der Mongolei initiiert. Die Gebiete umfassen mehrere Millionen Hektar Steppen, Urwälder, Seen, Wüsten, Moore und Gebirge. Wie viele genau, weiß Succow nicht. Als einen seiner größten Erfolge bezeichnet er das Weltnaturerbe-Gebiet auf Kamtschatka, der Halbinsel im östlichen Russland. "Einige Industriestaaten wollten dort Öl pumpen, Wälder roden, Lachse fangen, aber wir haben das verhindert", erzählt er über das Gebiet von der Größe der Schweiz.

Vor Kurzem war Succow in Usbekistan. Die dortige Regierung hatte seine Stiftung gebeten, sie beim Aufbau von Nationalparks zu unterstützen. Auf der Fahrt begleiteten ihn einige seiner Mitarbeiter sowie zwei Vertreter des Bundesumweltministeriums – eine von zahlreichen Institutionen, die seine Stiftung finanziell unterstützen. Vor Ort sprachen Succow und sein Team mit Politikern, stellten Anträge und veranstalteten Konferenzen, bei denen Einheimische ihre Meinungen und Ideen mit einbringen konnten.

Seine Leidenschaft für die Na tur erklärt sich Succow aus seiner Kindheit. Er wuchs auf einem Bauernhof in der Mark Brandenburg auf. "Damals gab es bei uns keine Autos, nur das Getrappel der Pferdehufe. Ich habe Schafe gehütet und hatte dabei Zeit, Vögel zu beobachten, Tagebuch zu schreiben und Zwiesprache mit der Natur zu halten", erzählt Succow.

Als junger Biologe hielt er in der damaligen DDR Vorträge und warnte vor den Schäden der intensiven Landwirtschaft. So wurde die Stasi auf ihn aufmerksam. Succow sei schwer mundtot zu machen, stellte sie fest und drängte ihn, der SED beizutreten. Er wählte das vermeintlich geringere Übel und zog für die Blockpartei LDPD in den Agrarausschuss der Volkskammer. 1990 vertrat Succow kurzzeitig den Umweltminister und erreichte, dass sieben Prozent der Fläche der DDR unter strengen Naturschutz gestellt wurden. Zwei Jahre nach der Wende ging er als Professor für Landschaftsökologie an die Universität Greifswald nach Mecklenburg-Vorpommern.

In seinem Reihenhaus am Rande von Greifswald arbeitet der mittlerweile im Ruhestand lebende Professor am liebsten in seinem Öko-Garten. "Er ist neben meiner Frau und meinen zwei Kindern meine große Liebe", sagt er und erzählt von den Bohnen, Kartoffeln und Erdbeeren, die er dort anbaut, vom Mulch, der den kompletten Boden bedeckt, von der Streuobstwiese und den vielen Regenwürmern in der Erde.

Trotz seiner Heimatverbundenheit ist Succow für die Stiftung nach wie vor oft unterwegs . "Ich liebe das Reisen, aber gerade wenn wir in Deutschland Frühling haben und der Flieder blüht, fällt es schon etwas schwer, in die Wüste zu fahren", gesteht er. Trotzdem schätze er die Erfahrungen in der Fremde. "Viele Menschen in Mittelasien sind spirituell eng mit ihrem Land verbunden. Sie haben Ehrfurcht vor der Verletzlichkeit der Natur."

Manchmal zweifle er deswegen an der westlichen Kultur, egal ob Sozialismus oder Kapitalismus. "Wir zerstören unsere Lebensgrundlage. Das macht mich traurig und wütend. Manchmal empfinde ich eine Ohnmacht." Trotzdem arbeitet er weiter. Vor allem seine Familie gibt ihm dabei Kraft. Seine Töchter und die vier Enkel setzen sich ebenfalls für den Naturschutz ein und unterstützen die Stiftung. "Deswegen denke ich, es war nicht umsonst, und es wird weitergehen. Das macht mich sehr froh", erzählt er. Wohin die nächsten Projekte ihn bringen werden, weiß er noch nicht. Aber geben wird es sie auf jeden Fall.

››› Gastbeitrag Sonja Kaun, Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München

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