Bill Mollison - das Konzept der Permakultur

Bill Mollison ist ein Kämpfer. Ein Mann mit einem weißen Rauschebart, einem runden Gesicht und einem breiten Lächeln. Der 82-Jährige ist jemand, der nicht aufgibt, den Mut nicht verliert. Der Australier kämpft für eine nachhaltige Landwirtschaft. Für sein Konzept der Permakultur erhielt Mollison 1981 den Right Livelihood Award, den "Alternativen Nobelpreis".

Permakultur setzt sich aus den englischen Wörtern permanent und agriculture (deutsch: dauerhafte Landwirtschaft) zusammen. Der Begriff umschreibt die Idee der nachhaltigen Landwirtschaft und besagt, dass eine Kultur nur dann fortdauernd bestehen kann, wenn der Mensch stabile, produktive und natürliche Ökosysteme schafft. Dabei sollen sich die Teilsysteme eines Systems ergänzen. Pflanzen etwa haben einen mehrfachen Nutzen und stehen in Wechselwirkung mit den Tieren. In permakulturell konzeptionierten Lebensräumen leben Menschen, Tiere und Pflanzen harmonisch miteinander.

Mollison wurde 1928 in dem kleinen australischen Fischerdorf Stanley geboren. Mit 15 Jahren verließ er die Schule und half seinen Eltern in ihrer Bäckerei. Bis 1954 probierte der Australier verschiedene Berufe aus. Er verdiente sein Geld mit Fischfang, als Müller, Traktorfahrer und Glasbläser. Doch dann erwachte sein Interesse für die Umwelt. Neun Jahre lang erforschte Mollison als Biologe die Natur. Für die staatliche Forschungseinrichtung "Wildlife Survey Section" reiste er an entfernte Orte Australiens und beobachtete Kaninchen, Heuschrecken und Beuteltiere. Seine akademische Karriere startete Mollison 1968 als Psychologie-Dozent an der Universität von Tasmanien. Anfang der 1970er-Jahre erforschte er die Abstammung der tasmanischen Aborigines. Mollison war begeistert von deren Fähigkeit, ihre Ressourcen stets wieder zu verwenden und nicht zu verbrauchen. Doch bekannt wurde der Australier vor allem als Erfinder des Permakultur-Prinzips.

Anfang der 1960er-Jahre wurde Mollison bewusst, dass sich die Welt auf einem Kollisionskurs befindet, dass industrielle Monokulturen, die den Boden mit Pestiziden verschmutzen, die natürliche Vielfalt einschränken. "Ich glaube, ich kann ein System schaffen, das besser funktioniert als das, was ich mir gerade ansehe", schrieb Mollison. Doch diese Aufgabe schien zunächst zu groß für den Australier. Mollison verfluchte die Wissenschaft, die bisher an den Universitäten gelehrt und in Forschungseinrichtungen praktiziert worden war.

1972 kaufte er sich ein Stück Land, baute darauf ein Haus, eine Scheune und legte einen Garten an. Mollison suchte nach einem Weg aus der Ausbeutung der Welt. Ihm wurde bewusst, dass er die Theorie in die Praxis umsetzen musste. Das Ziel sollte es daher sein, die Prinzipien der Umweltwissenschaft in klare, anwendbare Richtlinien umzusetzen. Das war die Geburtsstunde der Permakultur.

Mit seinem Schüler David Holmgren entwickelte Mollison 1974 das Konzept nachhaltiger Landwirtschaft und veröffentlichte die ersten Bücher "Permakultur I" und "Permakultur II". Beide Bände sind in acht Sprachen übersetzt worden und haben sich über 100.000-mal verkauft. Doch um wirklich etwas zu verändern, reichte ein Konzept auf dem Papier nicht aus. Mollison schrieb Artikel, hielt Vorträge und verbreitete seine Ideen auf diese Weise allmählich in der ganzen Welt. Der Australier gründete 1979 das Permaculture Institute und begann, sein Konzept zu unterrichten.

Mittlerweile haben mehr als 40.000 Menschen die Kurse über nachhaltigen Boden, Wasser, Pflanzen und legale ökonomische Systeme besucht. Viele von ihnen lehren bereits selbst Mollisons Konzept. Zudem sind in den vergangenen Jahrzehnten weltweit zahlreiche Permakultur-Institute entstanden. In Deutschland gibt es seit 1984 eine solche Einrichtung.

Mollisons Lehre hat sich als Alternative zu chemischer Landwirtschaft in vielen Ländern durchgesetzt und ihm viel Anerkennung eingebracht. Er wurde unter anderem zum "Australian of the Year 2010" ernannt und als erster Ausländer zum Mitglied der Russischen Akademie der Landwirtschaftlichen Wissenschaft erklärt.

Momentan lebt Bill Mollison in Sisters Beach im Süden Australiens in der Nähe des Rocky Cape National Parks. Auch mit 82 Jahren unterrichtet er noch Konzepte der Permakultur, setzt sich mit seinen Studenten zusammen und erzählt ihnen Geschichten aus seinem Leben.

››› Gastbeitrag Kristin Haug, Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München

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Im letzten Jahr feierte der Right Livelihood Award, auch Alternativer Nobelpreis genannt, seinen 30. Geburtstag. Für einige Schülerinnen und Schüler der renommierten Deutschen Journalistenschule in München (DJS) ein würdiger Anlass, sich genauer mit einigen der Vordenker für eine nachhaltige Entwicklung und deren konstruktiven Umsetzungen zu beschäftigen.