Wangari Maathai - Baum für Baum

Die Biologin Wangari Maathai und ihr "Green Belt Movement"

Wangari Maathai kämpft gegen Armut und Umweltzerstörung. Ein Haus bauen, ein Kind zeugen, einen Baum pflanzen. Das soll ein Mann im Leben erreichen. Zwar ist Wangari Muta Maathai eine Frau, aber ein einziger Baum würde ihr sowieso nicht ausreichen. 1977 gründete sie das "Green Belt Movement" – die Grüngürtel-Bewegung – und erreichte damit, dass bis heute schon mehrere Millionen Bäume gepflanzt worden sind. Dafür wurde sie mit Preisen und Auszeichnungen verschiedenster Art bedacht.

Geboren wurde Wangari Maathai 1940 im Dorf Ihithe in Kenia. Sie besuchte eine Klosterschule und erhielt ein Stipendium für ein Biologie-Studium in den USA. 1971 wurde ihr als erster Frau Kenias ein Doktortitel an der University of Nairobi verliehen. Im gleichen Jahr wurde sie zur ersten Professorin für Veterinäre Anatomie ernannt. Als Wangari Maathai am 10. Dezember 2004 in Oslo eine Rede hielt, war sie wiederum die Erste. Die erste Afrikanerin, die den Friedensnobelpreis entgegennehmen durfte. Sie war ganz in Orange gekleidet, ein farblich passendes Haartuch schmückte sie mit einer kunstvollen Schleife. Ihre Rede begann die damals 64-Jährige mit den Worten: "Ich stehe hier vor Ihnen und der Welt, überwältigt durch diese Beachtung und getragen durch die Ehre, die Preisträgerin des Friedensnobelpreises 2004 zu sein. Als die erste afrikanische Frau, die diesen Preis erhält, nehme ich ihn an – für die Menschen Kenias und Afrikas und der ganzen Welt."

Ausgezeichnet wurde die Kenianerin, die drei Kinder hat, für ihren Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung, Demokratie und Frieden. Weiter begründete die Jury: "Sie hat einen gesamtheitlichen Zugang zur nachhaltigen Entwicklung gewählt, der Demokratie, Menschenrechte und insbesondere Frauenrechte umfasst."

Die Idee, die Maathai weltweit zu solcher Berühmtheit brachte, entstand, als sie darüber nachdachte, dass in ihrer Heimat Frauen und Kinder immer weiter von ihren Dörfern entfernt nach Feuerholz und Futter für ihre Tiere suchen mussten. Am 5. Juni 1977 pflanzte sie gemeinsam mit Anderen die ersten sieben Bäume. Zwei dieser Bäume stehen immer noch und spenden Schatten, mitten in der Hauptstadt Nairobi.

Seitdem wurden mehrere Millionen Bäume in ganz Kenia gepflanzt, finanziert durch Spenden und den Verkauf der Bäume. Diese liefern Feuerholz und Futter für Tiere. Die Frauen haben durch die neugepflanzten Bäume kürzere Wege. Außerdem beugt die Neubepflanzung der Bodenerosion vor: In der Regenzeit wird nicht mehr so viel Ackerboden abgetragen und die Erde bleibt fruchtbar.

Bei der Gründung des Green Belt Movement ging es Wangari Maathai jedoch nicht nur um die Wiederaufforstung. Damit bis heute überhaupt so viele Bäume gepflanzt werden konnten, gründete die Organisation eigene Baumschulen. Die Mitarbeiter, die die jungen Setzlinge betreuen, gehören zu den Ärmsten des Landes. Es sind hauptsächlich Frauen, viele von ihnen haben die Schule abgebrochen oder haben eine Behinderung. Durch die Arbeit in den Baumschulen des Green Belt Movement haben sie die Möglichkeit, Geld zu verdienen, und müssen nicht betteln gehen. Auch Schulklassen und Jugendgruppen sind in das Projekt eingebunden. So wird das Wissen über die Bäume direkt an die nächste Generation weitergegeben.

Für diese Mischung aus Frauenförderung und Umweltschutz erhielt Wangari Maathai bereits 1984 den Right Livelihood Award, der häufig als "Alternativer Nobelpreis" bezeichnet wird. "Ihre herausragende Vision und die Arbeit für die Erde und die Menschen" waren Gründe, die die Right Livelihood Award Stiftung für ihre Wahl nannte. Vor allem habe Wangari Maathai es geschafft, die Debatte über Ökologie in Kenia in eine Massenbewegung zur Wiederaufforstung zu verwandeln. Der sogenannte Alternative Nobelpreis wird seit 1980 an Persönlichkeiten vergeben, die sich für die Gestaltung einer besseren Welt einsetzen.

Der Einfluss des Green Belt Movement ist jedoch nicht nur auf Kenia begrenzt. Inzwischen ist die Idee in weitere afrikanische Staaten getragen worden und auch dort sind Projekte zur Aufforstung entstanden. Selbst in Deutschland gibt es mittlerweile eine groß angelegte Baumpflanzaktion. Sie heißt "Plant-for-the-Planet" und wurde von drei Schülern gegründet.

Wangari Maathai versucht, auch politisch etwas zu bewegen. Von 2003 bis 2007 beispielsweise war sie als beratende Ministerin für Umwelt und natürliche Ressourcen Teil der Regierung Kenias. Auch in der Afrikanischen Union arbeitete sie im Bereich Umwelt mit.

Die Hauptanliegen von Wangari Maathai sind aber nach wie vor neben der Umwelt auch die Probleme der Frauen sowie eine standhafte Demokratie. Vor allem für die Natur und die Frauen hat sie in Kenia mit dem Green Belt Movement viel erreicht.

››› Gastbeitrag Veronika Streuer, Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München

Der Alternative Nobelpreis

Im letzten Jahr feierte der Right Livelihood Award, auch Alternativer Nobelpreis genannt, seinen 30. Geburtstag. Für einige Schülerinnen und Schüler der renommierten Deutschen Journalistenschule in München (DJS) ein würdiger Anlass, sich genauer mit einigen der Vordenker für eine nachhaltige Entwicklung und deren konstruktiven Umsetzungen zu beschäftigen.