Permakultur

Zum 30. Mal jährt es sich 2014, dass die Idee der Permakultur in Deutschland publik wurde und sich ein erster Verein, das Permakultur Institut e. V., zu ihrer Verbreitung gründete.

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Erstmals wurden die Gestaltungsansätze zum Schaffen einer dauerhaften Landwirtschaft (engl. permanent agriculture) von Bill Mollison und David Holmgren in Australien publiziert. Von dort ging die Permakultur-Bewegung Ende der 1970er-Jahre ihren Weg in die Welt; 1981 erhielt Mollison den "Alternativen Nobelpreis" (Right Livelihood Award) dafür. Ziel der Aktiven war und ist die Verwirklichung dauerhafter landwirtschaftlicher Systeme. Seit seiner Prägung erfuhr der Begriff "Permakultur" darüber hinaus eine inhaltliche Wandlung. Er wird heute eher als permanent culture gefasst, also als ein Gestaltungssystem zur Entwicklung einer komplexen Lebensraum- und Lebensgestaltung, einer dauerhaften Kultur. Denn die Landbewirtschaftung ist, bei genauem Hinsehen, von unserer zwischenmenschlichen Kultur nicht zu trennen.

Zahlreiche nützliche Ideen, Methoden, Fähigkeiten und Lebensweisen werden in der Permakultur, wie in einem Werkzeugkasten, versammelt, um eine zukunftstaugliche Entwicklung der Menschheit zu unterstützen. So befassen sich Permakulturaktive beispielsweise neben dem Gärtnern mit ganzheitlicher Weidewirtschaft oder Aquakulturen, mit natürlichen Baumaterialien, solidarischer Landwirtschaft, Gewaltfreier Kommunikation oder selbstgestaltetem Lernen.

Die Grundlage permakulturellen Handelns ist eine Ethik, die durch drei Prinzipien festgeschrieben wird: "Sorge tragen für die Erde", "Sorge tragen für die Menschen" und "Gerecht teilen und Wachstum begrenzen". Damit werden der Schutz unserer Lebensgrundlagen und das Streben nach sozialer Gerechtigkeit festgeschrieben und auch die Endlichkeit aller Ressourcen anerkannt.

Um die Anwendung dieser ethischen Prinzipien in konkretes Handeln zu übersetzen, wurden sogenannte Gestaltungsprinzipien formuliert. Diese sind universell anwendbar und sollen eine zukunftsfähige Entwicklung beschleunigen, indem sie als Entscheidungshilfen dienen:

  1. Beobachte und handele.
  2. Fange Energie ein und bewahre sie.
  3. Erziele eine Ernte.
  4. Lass die Natur regulieren und akzeptiere Feedback.
  5. Nutze und schätze erneuerbare Ressourcen und Leistungen.
  6. Produziere keinen Abfall.
  7. Gestalte erst das Ganze, dann das Detail.
  8. Integriere mehr, als du trennst.
  9. Nutze kleine und langsame Lösungen.
  10. Nutze und schätze Vielfalt.
  11. Nutze die Randzonen und schätze das Marginale.
  12. Nutze die Veränderungen, reagiere auf sie mit Kreativität.

Permakultur-Gestaltung bedeutet, im Geist dieser Prinzipien zu handeln. Dazu gehört natürlich auch praktisches und theoretisches Wissen zur jeweiligen Fragestellung. Um die Weitergabe von Wissen und Methoden und die Vernetzung aktiver Menschen geht es unter anderem bei den Treffen und Kursen, die das Permakultur Institut e. V. und sein Zweckbetrieb, die Permakultur Akademie, deutschlandweit organisieren.

Aus diesem mittlerweile 30-jährigen Engagement vieler ist bis heute ein lebendiges Netzwerk an aktiven Menschen geworden. Es haben sich regionale Vereine gebildet, in vielen privaten Gärten wird Permakultur gelebt und ausprobiert. Es gibt (mindestens) eine von Permakultur inspirierte Schule, mit Gruppen arbeitende Stadtplaner, permakulturorientierte Garten- und Landschaftsbauer und viele kleine und größere Orte, die bei Veranstaltungen, Praktika oder Kursen besucht werden können. Das gemeinschaftliche Siedlungsprojekt "Lebensgarten Steyerberg" (Niedersachsen) beispielsweise wird seit seiner Gründung durch die Permakultur geprägt. Hier gibt es ein waldgartenähnliches Gelände sowie den relativ jungen Permakulturpark am Lebensgarten, der eine größere Selbstversorgung zum Ziel hat.

Auch das Ökodorf Sieben Linden (Sachsen-Anhalt) wird mit Permakultur gestaltet. Es hat zur Entwicklung des Bebauungsplanes eine detaillierte Beobachtungs- und Analysephase durchlaufen. Bis heute wird bei der laufenden Siedlungsentwicklung damit gearbeitet.

Ein sehr junges Projekt ist das gerade entstehende Permakulturzentrum rund um den Häuslemaierhof bei Freiburg (Baden-Württemberg). Das Hofgelände wird mit vielen Mitmachangeboten zur Permakultur-Erlebnislandschaft umgestaltet. Elemente, die dabei umgesetzt werden sollen, sind beispielsweise eine Pilzzucht, geländeangepasster Gemüsebau, ein Waldgarten, Weide-Schweine, Bienenhaltung sowie Obstbaum- und Beerensträucherpflanzungen.

››› Gastbeitrag Ulrike Meißner, Permakultur Institut e. V.

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Oben genannte Projekte: