Ökologisches Bauen

Vor über 30 Jahren entwickelte das Institut für Baubiologie die 25 Grundregeln der Baubiologie.

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Diese erhoben von Anfang an den Anspruch, ein möglichst umfassendes Bild der Einflüsse von Bauwerk und Umgebung auf den menschlichen Organismus abzubilden beziehungsweise dabei eine Bewertungshilfe zu geben. Die ersten vier Grundregeln beim Bauen beinhalten den Wunsch nach einem Bauplatz möglichst ohne natürliche oder künstliche Störungen (Radon, Altlasten, …) sowie Wohn­ebäude abseits von Emissions- und Lärmquellen in dezentralen, durchgrünten Siedlungen, durchaus innerhalb größerer Stadtverbünde, in denen Wohnen und Arbeiten nebeneinander möglich ist. In der Realität bieten Wohngebiete aktuell leider nur ansatzweise Anlass zu Optimismus, aber einige aufgeschlossene Städte und Gemeinden realisieren positive Lösungen, manchmal bei der Bauleitplanung von Baubiologen unterstützt. Die Wohngebiete sollen möglichst naturverbunden, menschenwürdig und familiengerecht sein.

Von Beginn an folgten die baubiologischen Grundregeln der Maxime, keine sozialen Folgelasten zu verursachen. Städte wie München erlegen sich sinnvolle Regeln auf, um beispielsweise umweltschädliches PVC vom Bau zu verbannen oder global unverträgliches Tropenholz zu vermeiden.

Eine weitere baubiologische Grundforderung betrifft die Baustoffe. Sie sollen möglichst natürlich und unverfälscht sein. Die Natur bietet in ihrem reichhaltigen Schatz an nachwachsenden Rohstoffen alles, was am Bau benötigt wird. Kraftvolles und gleichzeitig leichtes Baumaterial, effektive Dämmstoffe für sommerliche und winterliche Wärmeschutzaufgaben, Wandbekleidungen und vielfältige Bodenbeläge wie Holzparkett, Linoleum oder Pflanzenfaserteppiche. Für all diese Aufgabenstellungen sind keine Kunststoffbeschichtungen oder Ähnliches nötig, um die Alltagstauglichkeit der Produkte sicherzustellen. Für die Wohnphase stehen Pflege- und Reinigungsprodukte aus pflanzlichen Rohstoffen zur Verfügung.

Darüber hinaus sollen Baustoffe eine natürliche Regulierung der Raumluftfeuchte ermöglichen. Nicht nur beim Neubau, wo auf eine schnell abklingende Neubaufeuchte geachtet werden sollte, sondern auch bei Sanierungen stehen hochwertige Naturmaterialien zur Verfügung, die das Raumklima positiv beeinflussen. In Verbindung mit einer naturisolierten Gebäudehülle ergeben sich optimale Oberflächen- und Raumlufttemperaturen. Diese erhöhen die Behaglich­keit und senken gleichzeitig die Gefahr von Schimmelpilzen.

Eine weitere baubiologische Grundregel beschäftigt sich mit der Lichtqualität. Im Zuge des Glühlampenverbots haben sich in den letzten Jahren Leuchtmittel wie zum Beispiel Energiesparlampen etabliert, die nicht nur bei Herstellung und Entsorgung große Probleme bereiten, unter anderem wegen des zum Betrieb notwendigen Quecksilbers. Sogar unter ganz normalen Nutzungsbedingungen werden giftige Substanzen wie etwa aromatische Kohlenwasserstoffe abgegeben und die Raum­luft der Bewohner belastet. Zum Glück kommt mit den LED-Leuchtmitteln eine Alternative auf den Markt. Von ihnen sind seit Kurzem auch echt flimmerfreie Produkte mit hoher Farbwiedergabequalität verfügbar. Ein sehr gutes Beispiel, bei dessen Entwicklung der Ökohaus-Pionier Baufritz maßgeblich beteiligt war, ist die Pure-Z-LED. Dieses Spezialprodukt weist auch im Kilohertzbereich kein Flimmern auf und wirkt somit nicht als unsichtbares Stroboskop auf die Netzhaut des Menschen.

Ökologisches Bauen Stadtvilla

Baubiologen möchten möglichst natürliche Verhältnisse am Schlafplatz, das heißt keine Verzerrungen des Erdmagnetfeldes, keine radioaktiv auffälligen Baustoffe wie Granit, Schlacken oder Ähnliches. Sie möchten das natürliche Strahlungsumfeld, in dem sich der Mensch seit Jahrmillionen entwickelt hat, möglichst unverändert belassen. Im Laufe der letzten 20 Jahre hat mit den drahtlosen Übertragungssystemen für den Mobilfunk sowie dem Datenfunk eine Entwicklung eingesetzt, die bei kritischen Medizinern und Forschern von Anfang an Anlass zur Sorge bot. Hochfrequenz, meist gepulst, so wie sie heute millionenfach für GSM, DECT, W-LAN, UMTS, LTE, WiMAX, TETRA, DVB-T, DAB, RFID, Radar und so weiter eingesetzt wird, stuft einer der weltgrößten Rückversicherer, die Swiss Re, seit Ende November 2013 in die höchste Risikostufe ein. Unter dem Titel "­Unvorhersehbare Folgen elektromagnetischer Felder" warnt Swiss Re ihre Kunden vor dem Risiko, das ihnen die Sparte Produkthaftpflicht bei Mobiltelefonen und Sendeanlagen bringen könnte. Hintergrund ist die Befürchtung von Schadensersatzansprüchen bei nachgewiesenen Gesundheitsbeschwerden. Für den Neubau und auch bei Gebäudesanierungen sind Kunden daher gut beraten, in der Gebäudehülle einen Hochfrequenzschutz zu integrieren. Bei der Vielfalt an Schirmprodukten am Markt ist eine Begleitung der Arbeiten durch versierte Baubiologen empfehlenswert, um eine fachgerechte Ausführung sicherzustellen.

Selbstverständlich wird bei einer baubiologischen Bauausführung auf eine exzellente Trinkwasserqualität geachtet, wird der Energieverbrauch für die Herstellung und den Betrieb des Gebäudes optimiert, möglichst unter weitgehender Nutzung regenerativer Energien. Auch muss der Raubbau an knappen oder risikoreichen Rohstoffen, allgemein der Einsatz von Risikotechnologien wie zum Beispiel der Nanotechnologie, vermieden werden, um keine Gesundheitsschäden und Altlasten zu erzeugen.

Baubiologisches Bauen erfordert schon immer eine ganzheitliche Betrachtung des Prozesses und der beteiligten Produkte. Im Wettbewerb wird der Begriff Nachhaltigkeit häufig aus Marketinggründen auf einige Einzelaspekte beschränkt und somit entwertet. Dies erschwert die Entscheidung über zukunftsfähige Wohnlösungen.

››› Gastbeitrag Karlheinz Müller, Ingenieurbüro Baubiologie Müller

Ökologisches Bauen Karlheinz Müller

Karlheinz Müller betreibt seit vielen Jahren eine vom Institut für Baubiologie und Ökologie Neubeuern (IBN) zertifizierte Beratungsstelle im Allgäu. Er berät und misst mit seinem Ingenieurbüro für Städte, Gemeinden, Bildungseinrichtungen, Privatpersonen und Firmen wie den Ökohaus-Pionier Baufritz seit mehr als 20 Jahren. Baufritz plant und realisiert individuelle Architektenhäuser nach dem Vorbild der Natur. Der Ökohaus-Pionier vereint strengste Anforderungen an Baubiologie und Nachhaltigkeit mit individueller Planung, modernem Design und einzigartiger Architektur.