Ode an den Schrebergarten

Die historische Kleingartenanlage "Dr. Schreber" steht heute unter Denkmalschutz und beherbergt seit 1996 das
Deutsche Kleingärtnermuseum in Leipzig. Die Schreberbewegung feiert dieses Jahr ihr 150-jähriges Jubiläum.

Platzhalter

Das Wort Schrebergarten verbindet man – dies geben wir gleich an dieser Stelle zu – nicht unbedingt mit Attributen wie Freiheit, Gelassenheit oder Ähnlichem. Wohl eher ist das Gegenteil der Fall. Daher verschluckt so mancher Schrebergarten-Besitzer, wenn er stolz von seiner Laube und den Erfolgen im Gemüsebeet berichtet, das Wort Schreber und belässt es bei Garten. Und ein gewisses Strebertum (oh, wie verflucht man dieses Wort­spiel!) ist nicht zu leugnen, schließlich sind die Rechte und Pflichten gesetzlich verankert – im Bundeskleingartengesetz und der jeweiligen Vereinssatzung beziehungsweise -ordnung.

Schrebergarten im 19. Jahrhundert

Verstehen kann man dies vermutlich besser, wenn man die Geschichte des Kleingartenvereins kennt: Die sogenannten Armengärten des 19. Jahrhunderts gelten als Vorläufer. Wohlgesinnte Landesherren, allen voran Carl von Hessen, übergaben solche Gärten der hungernden Bevölkerung. Die Idee: Die Not leidenden Stadtmenschen sollten wieder in der Lage sein, ihre Lebens- und Nahrungsgrundlage selbst anzubauen.

Und wie es nun zum Namen Schrebergarten kam? Um 1865 legte der Schuldirektor Dr. E. I. Hauschild in Leipzig eine sogenannte Spielwiese für Fabrikkinder an, dort durften sie turnen und unter Aufsicht spielen. Er benannte diesen Platz nach ­seinem bereits verstorbenen Mitstreiter, dem Arzt Dr. M. Schreber. Am Rand der Spielwiese wurden Beete angelegt – zunächst für die Kinder gedacht, nutzte schnell die ganze Familie diese Fläche. Bald teilte man die Beete in Parzellen auf und versah sie mit Zäunen – der klassische Schrebergarten war ge­gründet, später auch als eingetragener Verein. Zu Kriegs- und Notzeiten waren diese Gärten für viele Menschen überlebenswichtig. Vielleicht sieht man nun die so häufig belächelte oder kritisierte Regel, dass in einem Kleingarten zu einem ­bestimmten Prozentsatz Gemüse oder Beeren angebaut werden müssen und Obstbäume statt Koniferen zu halten sind, mit anderen Augen.

Und ganz ehrlich: Was spricht denn dagegen, dass sich ein Stadtmensch auch einmal im Anbau von Obst und Gemüse probiert? Mit allen Höhen und Tiefen, versteht sich. Eine Konsequenz ist sicher: Die Achtung vor einer reifen, nicht an Braunfäule erkrankten Tomate oder einem Salatkopf ohne allzu großen Schneckenfraß steigt enorm!

Und wenn man etwas ändern möchte – Mitgestalten ist möglich. Wie jeder klassische Verein hat auch der Kleingarten einen ehrenamtlichen Vorstand und eine Mitgliederversammlung als höchstes Entscheidungsorgan. So verkehrt sind sie nicht, diese Laubenpieper.