Klimafreundlich essen

Etwa ein Fünftel aller Treibhausgas-Emissionen wird in Deutschland durch die Ernährung verursacht: Dazu gehören vor allem die Bereiche Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel (inklusive Transporte) und Konsum.

Von diesen ernährungsbedingten Emissionen stammt rund die Hälfte aus der Landwirtschaft – der größte Teil aus der Tierhaltung. Fast ein Drittel verursachen wir direkt als Verbraucher/ -innen durch Heizen, Kühlen, Essengehen, Einkaufen, Kochen und Spülen.

Mehr pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel
Die Erzeugung tierischer Produkte verursacht viel mehr Treibhausgase als die von pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Getreideprodukten, Kartoffeln und Hülsenfrüchten. Die Haltung von Rindern, Schafen und Ziegen bietet allerdings eine gute Möglichkeit, Grünlandflächen zur Produktion tierischer Lebensmittel wie Milch oder Fleisch zu nutzen. Die Kuh steht wegen ihres Methan-Ausstoßes zu Unrecht in der Kritik, weil das Grasland, auf dem sie weidet, kontinuierlich große Mengen CO2 aus der Atmosphäre in Wurzeln und Böden rückbindet. Ferner dienen die Weiden auch der Landschaftspflege.

Bio-Lebensmittel als Beitrag zum Klimaschutz
Der ökologische Pflanzenbau benötigt weniger Energie als der konventi onelle, vor allem weil keine energieaufwendig hergestellten mineralischen Stickstoffdünger verwendet werden. Kleegras und Leguminosen als Zwischenfrucht und Gründüngung erhöhen den Humusgehalt im Boden, wodurch neben Stickstoff auch CO2 aus der Atmosphäre im Boden gespeichert wird. Obwohl der ökologische Landbau gegenüber der Intensiv-Landwirtschaft in Industrieländern geringere Erträge erzielt, verursachen Bio-Betriebe im Durchschnitt weniger Treibhausgase pro erzeugte Menge als konventionelle.

Der Energieeinsatz ist bei ökologischer Tierhaltung geringer, da sie deutlich weniger energieaufwendig produzierte Futter mittel verwendet. Das Treibhauspotenzial hängt von Futterqua lität, Nutzungsdauer beziehungsweise Lebenserwartung der Milchkühe und von der Düngerbehandlung der Weiden ab. Wenn die ökologische Tierhaltung alle Optimierungspotenziale nutzt, kann sie klimaschonender sein als die konventionelle Tierhaltung.

Regionale Erzeugnisse – keine Flugtransporte
Die Umweltbelastung bei Transporten von Lebensmitteln hängt von der Entfernung, die bei der Lieferung zurückgelegt werden muss, sowie von der Energieeffizienz des verwendeten Transportmittels ab. Die Bahn ist besser als der Lkw. Der Transport kleiner Gütermengen mit kleinen Lieferwagen oder Pkw ist wenig effizient. Regional erzeugte Lebensmittel haben durch kürzere Transportwege das Potenzial, Energie und damit Emissionen einzusparen. Echte Negativ-Beispiele sind Flugtransporte, da sie nicht energieeffizient und daher extrem klimaschädlich sind.

Saisonales Gemüse und Obst aus dem Freiland
Der Freiland-Anbau von Gemüse und Obst in der jeweiligen Saison ist weitaus weniger klimabelastend als eine Erzeugung außerhalb der warmen Jahreszeit in beheizten Treibhäusern oder Folientunneln, da zum Heizen häufig fossile Energie verwendet wird. Die klimaschädlichen Emissionen sind bis zu 30-mal so hoch. Bei der Auswahl saisonaler Gemüse- und Obstarten helfen sogenannte Saisonkalender (zum Beispiel unter Saisonkalender, Anm. d. Red.).

Frische, gering verarbeitete Lebensmittel
Auch bei der Verarbeitung von Lebensmitteln entstehen energiebedingte Emissionen: besonders bei (Tief-) Kühlung und Erhitzung. Tiefgekühlte Pommes frites verursachen beispielsweise 31-mal mehr Treibhausgase als frische Kartoffeln. Frische, gering verarbeitete Lebensmittel sind insgesamt weniger klimabelastend als stark verarbeitete.

Öko-Strom nutzen – energieeffiziente Haushaltsgeräte
Für das Klima sehr entlastend ist die Umstellung auf Öko-Strom, also die Nutzung von erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind, Wasser und Erdwärme. Am besten Haushaltsgroßgeräte wählen, die eine gute Energieeffizienzklasse aufweisen: A++ als günstigste, danach A+ bis G als ungünstigste.

Fazit
Mit einem klimafreundlichen Ernährungsstil kann man den durch die Ernährung verursachten Treibhausgas-Ausstoß leicht um mehr als die Hälfte vermindern. Bei konsequenter Umsetzung aller Empfehlungen – und Nutzung von Öko-Strom auch bei Erzeugung, Verarbeitung und Handel von Lebensmitteln – lässt sich die Klimabelastung sogar schätzungsweise um bis zu 80 Prozent vermindern. Eine solche Lebensmittelauswahl ist weitgehend deckungsgleich mit dem Ziel von mehr Nachhaltigkeit im Ernährungsbereich, insbesondere bezogen auf die sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen – sie ist ferner auch sehr genussvoll.

››› Gastbeitrag Dr. oec. troph. Karl von Koerber

Beitrag der Ernährung zum Treibhauseffekt in Deutschland

(in % des Gesamtausstoßes des Ernährungsbereichs)

6% - Verarbeitung (Industrie, Handwerk)
8% - Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel
13% - Handel, Verteilung (einschließlich Transporte)
29% - Verbraucheraktivitäten (Küchen- und Essraumheizung, Kühlen, Essengehen, Einkaufen, Kochen, Spülen)
44% - Erzeugung tierischer Lebensmittel

Der Autor

In der "Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung" am Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaues der Technischen Universität München beschäftigt sich Karl von Koerber mit der Frage, wie wir uns genussvoll ernähren und dabei die Umwelt schützen und zur Sicherung der Welternährung beitragen können.
Buch-Tipp: Koerber, K. v. / Männle, T. / Leitzmann, C.: "Vollwert-Ernährung – Konzeption einer zeitgemäßen und nachhaltigen Ernährung", Haug Verlag, Stuttgart 2004.
www.wzw.tum.de/ne