Kinder haften für ihre Eltern

Kindeswohl und Umweltschutz sind untrennbar, wenn es darum geht, eine gerechte und nachhaltige Zukunft für alle zu schaffen.

Fischsterben im Titicacasee, Öl im Golf von Mexiko, radioaktiv verseuchte Landstriche um Fukushima und Tschernobyl, versalzene Böden im Mekong-Delta und Erosion der Flussufer in Ostindien … Die Liste der Umweltschäden – Ergebnis unseres zerstörerischen Wirtschaftssystems – ist lang.

Kinder sind doppelt betroffen von dieser Wirtschaftsweise, die auf komplexe lebendige Öko-Systeme und die Interessen kommender Generationen keine Rücksicht nimmt: Ihre sich entwickelnden Organe und das Immunsystem sind besonders empfindlich gegen Schadstoffe. Und ihre Zukunft steht auf dem Spiel: Klimawandel, Raubbau an natürlichen Ressourcen und Verlust von Artenvielfalt bedrohen Leben und Gesundheit – wie wird es sein, wenn die heutigen Kinder als Erwachsene ihre Familien ernähren wollen? Besonders jenen Familien, die ohnehin am Existenzminimum leben, macht es zu schaffen, wenn Wasserquellen versiegen, Böden nichts mehr hergeben oder Kinder aufgrund von Umweltbelastungen krank werden. Denn einen Arzt oder sauberes Wasser aus Flaschen können sie sich nicht leisten.

Der Schutz der Umwelt, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO), wäre die wohl kostengünstigste Maßnahme für mehr Kindergesundheit – menschlicher, billiger und auch viel effektiver als die Behandlung bereits aufgetretener umweltbedingter Krankheiten.

Kindeswohl und Umweltschutz sind untrennbar, wenn es darum geht, eine gerechte und nachhaltige Zukunft für alle zu schaffen. terre des hommes hat deshalb die Kampagne für ökologische Kinderrechte ins Leben gerufen: Sauberes Trinkwasser, gesunde Ernährung, eine Umwelt, die der Gesundheit von Kindern zuträglich ist, und eine Erde, die kommenden Generationen eine Lebensgrundlage bietet – dies gilt es zu verwirklichen.

Wir machen den Anfang: Leben ohne Gift in Bolivien.

Aida Orellama fährt mit ihrer Hand vorsichtig über die Blätter der Radieschen, bevor sie sie herauszieht. Heute ist Erntetag in ihrem Schulgarten. Die Schülerin der Primarschule von Itapaya ist stolz auf das gute Ergebnis. Ihre Lehrerin kennt den Grund dafür: In dem selbst angelegten Gemüsegarten werden keine Pestizide, sondern nur natürlicher Dünger und natürliche Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Die Praxis in Bolivien sieht ganz anders aus: Im bolivianischen Tiefland des Chapare werden die Pflanzen in der Regel chemisch behandelt, immer mehr Schädlinge werden resistent, weshalb dann noch mehr Pestizide eingesetzt werden müssen. Männer mit Kanistern auf dem Rücken, die Spritzdüse vor sich hertragend, sind allgegenwärtig. Und wenn die Bananenplantagen zu groß sind, werden auch Flugzeuge zum Besprühen über die Monokulturen geschickt. Die Auswirkungen auf die Menschen sind gravierend: Sie atmen die Gifte ein und verzehren die Früchte, in die sich die Gifte eingelagert haben.

Wie gefährlich die Pestizide sind, scheint den Menschen kaum bewusst. Dabei sind die Folgen unübersehbar: Kopfschmerzen, Erbrechen, Herzprobleme und Hautkrankheiten sind die ersten Symptome. Über die langfristigen Folgen der Vergiftung durch Pestizide gibt es noch keine Untersuchungen im Land. Die Mehrheit der Kranken kommt aus Bauernfamilien, die weder die Gelegenheit noch das Geld haben, einen Arzt aufzusuchen.

Der terre des hommes-Projektpartner CEIISA

unterstützt Schulen beim Anlegen von Schulgärten, die frei von chemischen Giften sind. Hier lernen die Kinder das Kompostieren, die Pflege der Pflanzen und auch die Herstellung alternativer Pflanzenschutzmittel aus Asche, Peperoni und anderen natürlichen Stoffen.

CEIISA betreut fünf Schulen in verschiedenen Orten in Bolivien, gibt Beratung und praktische Hilfe. Die Kinder nehmen die neuen Ideen mit nach Hause, und ihre Eltern wenden sie auf ihren Feldern und in ihren Gärten an. Die Arbeit von CEIISA trägt bereits Früchte: Aida führt durch die Felder ihres Onkels. "Der arbeitet schon ohne Pestizide", erklärt sie, fügt aber sofort kritisch hinzu: "Aber er pflanzt die Kartoffeln immer noch in Monokultur an." Aida weiß, dass noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist, doch ein erster Schritt in eine unvergiftete Zukunft ist getan.

››› Gastbeitrag von terre des hommes

terre des hommes – Hilfe für Kinder in Not

Das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes fördert weltweit über 400 Projekte für notleidende Kinder. terre des hommes hilft Straßenkindern und arbeitenden Kindern, kümmert sich um die Opfer von Krieg und Gewalt und setzt sich für ökologische Kinderrechte ein. terre des hommes richtet seine Arbeit konsequent an den Kinderrechten aus und unterstützt mit Spenden einheimische Initiativen. Spendenkonto 700 800 700, Volksbank Osnabrück eG, BLZ 265 900 25