Dürer im Frankfurter Städel

Dürers Kunstwerke schmücken die wichtigsten Museen der Welt und sind auch 500 Jahre nach ihrer Entstehung weltberühmt. Eine große Frankfurter Ausstellung zeigt nun das Schaffen des deutschen Meisters in der ganzen Breite und Vielfalt seiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten – zu erleben ist einer der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Künstler überhaupt.

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1471 in Nürnberg geboren, lebte und wirkte Dürer als Maler, Grafiker, Zeichner und Kunsttheoretiker in einer Zeit entscheidender Umbrüche: Das Mittelalter war vorbei, die Neuzeit begann. Der Mensch konzentrierte sich auf das eigene Leben im Diesseits und rückte damit – nicht nur in der Kunst – stärker in das Zentrum des Interesses. Ein neues Welt- und Menschenbild entstand. So war Dürer der erste Künstler nördlich der Alpen, der sich, mit einem für Maler dieser Zeit ganz untypischen Selbstbewusstsein, vielfach selbst porträtierte. Aber nicht nur auf diesem Gebiet war Dürer ein Pionier. Neben zahlreichen mathematischen Forschungen legte Dürer auch den Grundstein für das, was wir heute unter Urheberrecht verstehen, indem er seine Werke mit einem Monogramm, seine Bücher mit einem Impressum versah. Er war außerdem findiger Geschäftsmann, der seine Grafiken über ein ausgeklügeltes Vertriebsnetz und mithilfe seiner Mutter und seiner Frau in ganz Europa verbreitete. Dadurch konnte er seine Werke günstig vervielfältigen sowie verkaufen und erlangte schon zu Lebzeiten große Bekanntheit.

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Die Faszination um den deutschen Meister ist bis heute ungebrochen. Seine Werke begegnen uns immer wieder, in Museen weltweit, aber auch im Alltag: Ob es das Porträt der Patrizierin Elsbeth Tucher ist, das mehr als 30 Jahre lang den Zwanzig-Mark-Schein zierte, oder Dürers Zeichnung der betenden Hände, die zu einem der am häufigsten reproduzierten Kunstwerke überhaupt zählt.

So wie Dürer damals und heute andere Künstler beeinflusste, hatte auch er Vorbilder, auf die er sich berief, von denen er sich inspirieren ließ. Genau das zeigt jetzt eine große Altmeisterausstellung im Frankfurter Städel Museum. Vom 23. Oktober 2013 bis 2. Februar 2014 sind im Museum am Frankfurter Mainufer etwa 190 Werke Albrecht Dürers zu sehen, die weiteren 70 Arbeiten von Zeitgenossen oder Vorbildern wie Martin Schongauer, Hans Baldung Grien oder Lucas van Leyden gegenübergestellt werden. Auf diese Weise veranschaulicht die Ausstellung Dürers enorme Gestaltungskraft und die künstlerische Qualität seines Werks. Mit seiner Arbeit leistete Dürer einen entscheidenden Beitrag für die Entwicklung der nordeuropäischen Renaissance-Kunst. Insgesamt zeigt das Städel im Rahmen der Dürer-Ausstellung mehr als 250 Werke. Zu sehen sind Tafel- und Leinwandbilder, Handzeichnungen und viele weitere Blätter in unterschiedlichen druckgrafischen Techniken. Aber auch von Albrecht Dürer selbst verfasste und illustrierte Bücher kann der Besucher entdecken.

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Zentrale Leihgaben sind beispielsweise der büßende Heilige Hieronymus (um 1496) aus der National Gallery London, das Bildnis eines unbekannten Mannes (1521) aus dem Prado in Madrid oder das berühmte Porträt eines Geistlichen (1516) aus der National Gallery of Art in Washington. Einen Höhepunkt der Ausstellung bildet die Wiedervereinigung der Tafeln des "Heller-Altars", den Dürer gemeinsam mit Mathis Gothart Nithart, besser bekannt als Grünewald, in den Jahren 1507 bis 1509 für den wohlhabenden Frankfurter Bürger Jakob Heller geschaffen hat. Die Tafeln waren ursprünglich für die Kirche des Dominikanerklosters in Frankfurt bestimmt und sind heute zwischen dem Historischen Museum Frankfurt, der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und dem Städel Museum aufgeteilt. Nun können Kunstliebhaber die Tafeln in ihrer vollen Pracht und wiedervereint bewundern.

Zur Ausstellung bietet das Städel eine App, die unter anderem eine von Heino Ferch gesprochene Audiotour enthält. Zudem erscheint ein umfassender Katalog. Das Städel Museum ist eines der ältesten Kunstmuseen in Deutschland. Der Frankfurter Kaufmann und Bankier Johann Friedrich Städel legte 1815 mit seinem Testament den Grundstein dafür. Die Sammlung präsentiert heute mit ihrem reichen Bestand von rund 3.000 Gemälden, 600 Skulpturen, 4. 000 Fotografien und über 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken einen Überblick über 700 Jahre europäische Kunstgeschichte  – vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

››› Vanessa Tron, Städel Museum Frankfurt