Spurensuche im Golf von Mexiko

"Es geht nicht nur um ein Ende der Tiefseebohrungen – wir müssen so schnell wie möglich unsere Abhängigkeit vom Öl beenden!" Jörg Feddern, Meeresbiologe und Ölexperte von Greenpeace Deutschland.

Was ist aus der bisher grössten Ölkatastrophe der USA geworden? Geschätzte 780 Millionen Liter giftiges Rohöl flossen vor rund einem Jahr aus der havarierten Ölplattform Deepwater Horizon. Jörg Feddern von Greenpeace hat sich am Golf von Mexiko auf Spurensuche begeben – das Öl kann nicht einfach verschwunden sein.

"Ich wollte mir vor Ort selbst ein Bild davon machen, wie es ein Jahr nach dem Untergang der Deepwater Horizon aussieht", erklärt Feddern. Der Ölexperte hat bei einer zweiwöchigen Recherchereise in vier Bundesstaaten Ölproben gesammelt: Von Louisiana über Mississippi, Alabama bis Florida führte ihn seine Suche nach Öl aus dem BP-Unfall. Das Ergebnis: Sieben von neun Proben weisen Verunreinigungen auf, die nachweislich auf die Ölkatastrophe im April 2010 zurückzuführen sind.

Auf seiner Reise ist Feddern zahlreichen Betroffenen begegnet. "Die Menschen dort möchten wissen, was los ist. Die Informationspolitik von BP ist nach wie vor miserabel", folgert Feddern aus seinen Gesprächen mit Fischern, Hafenmeistern und anderen Betroffenen. Ein amerikanischer Kollege stellte ihm den Kontakt zu einem ehemaligen BP-Mitarbeiter her. Dieser hat 2010 die Aufräumarbeiten beaufsichtigt. Er zeigte Feddern Stellen an der Küste im Norden Floridas, wo Öl in dicken Klumpen auf und in dem Boden zu finden ist. Sie stammen nach Auskunft des Informanten von großen Ölmatten, die auf dem Meeresgrund vor der Küste liegen.

"Man hat dem Mann deutlich angemerkt, wie sehr ihn die Verschmutzungen betroffen machen", erzählt Feddern. Der Kontaktmann hat seinen damaligen Arbeitgeber BP mehrfach auf die Ölmatten hingewiesen, die sich in 30 Meter Tiefe nahe der Küste befinden. Der Konzern habe darauf nicht reagiert. Erst jetzt scheint BP die Existenz dieser Ölmatten zuzugeben und kündigt an, sich darum zu kümmern. "Eine teure und aufwendige Arbeit – und eigentlich zu spät. Man kann sich das wie eine Teerdecke vorstellen, die alles Leben auf dem Meeresboden erstickt: Schnecken, Muscheln, Würmer", erklärt der Greenpeace-Experte.

Anfang des Jahres sind vermehrt tote Delfine angeschwemmt worden, vor allem neugeborene. Wegen des Öls? "Das ist noch offen. Die Behörden und BP verzögern die Untersuchung. BP müsste zuvor ein Institut anerkennen, das im Auftrag der offiziellen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) die Todesursache prüft", erklärt Feddern. Er ist über den Umgang mit unabhängigen Wissenschaftlern verärgert: "Von Anfang an hat BP genau kontrolliert, welche Forscher die Auswirkungen des Unglücks untersuchen dürfen. Ich habe während einer Bootstour im Mississippi-Delta Ölarbeiter angesprochen. Schnell kam per Telefon die Ansage: keine Fragen, keine Fotos mehr. Ich musste von Bord."

Immer wieder stößt Feddern auf seiner Reise auf die Aufräumarbeiten. Ein gigantischer Aufwand, den BP im Golf betreibt – ob der Konzern aus seinen Fehlern gelernt hat? "Nein, denn dann würden sie ihre Tiefseebohrungen einstellen und, gemäß ihrem Motto "BP – Beyond Petroleum", in erneuerbare Energien investieren", betont Feddern. "Man darf nicht vergessen, dass BP das größte Ölunternehmen im Golf von Mexiko ist – die USA sind auf dieses Öl angewiesen", so Feddern. Dass BP die Tiefen des Golfs eines Tages wieder unsicher machen wird, ist also absehbar. Der nächste große Ölunfall auch.

››› Gastbeitrag von Greenpeace e.V.

Folgen Sie Jörg Feddern auf seiner Suche nach dem Öl: Entweder mit der Greenpeace-Fotodokumentation "Auf Spurensuche – ein Jahr nach Deepwater Horizon"
oder im Internet unter http://gpurl.de/Auf_Spurensuche

So können Sie im Alltag Öl sparen

  • Nutzen Sie Fahrgemeinschaften, Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel.
  • Bevorzugen Sie regionale Produkte – das spart unnötige Transporte.
  • Vermeiden Sie Plastiktüten oder in Plastik verpackte Lebensmittel. Verpackungsmaterial bitte immer ordnungsgemäß entsorgen oder wiederverwenden.
  • Auf Ihren "Coffee to Go" müssen Sie nicht verzichten, aber gerne auf den Plastikdeckel – pures Erdöl.
  • Kaufen Sie Bio-Obst und Bio-Gemüse, denn Düngemittel und Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft basieren häufig auf Ölprodukten.
  • Verwenden Sie Pflegeprodukte wie Shampoo, Seife oder Make-up auf natürlicher Basis.
  • Tragen Sie Kleidung aus organischer Baumwolle.
  • Versuchen Sie, möglichst selten zu fliegen.