Universell einsetzbar, aber gefährlich!

Plastik vermüllt unsere Meere

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Auf Prospekten schillern sie in mannigfachen Grün- und Blautönen. Doch der schöne Schein trügt! Von unberührter Natur kann bei unseren Meeren über weite Strecken leider keine Rede mehr sein: Sie werden überfischt. Wir holen Öl, Sand und andere Bodenschätze aus ihnen. Unsere Meere gleichen teilweise eher Offshore-Industriegebieten als Naturparadiesen. Auch unseren Müll kippen wir in ihre vermeintlichen Untiefen, in der Hoffnung, er möge darin auf immer verschwinden. Resultat: Gigantische Mengen an Zivilisationsüberresten treiben in den Ozeanen. Besonders gefährlich: das
langlebige Plastik. Egal ob groß oder winzig klein ist es der Nahrung oft so ähnlich, dass viele Meerestiere es fressen und daran mit vollem Magen verenden. Vögel bauen ihre Nester aus Fischereiabfall wie Fäden, Seilen und Netzresten. Allzu oft stranguliert sich die unerfahrene Brut damit.

Plastikschalen

Verpackungsirrsinn im Alltag

Wie gerät jedoch all dieses Plastik in unsere Meere? Fangen wir noch einmal an – bei uns! Sie kennen das bestimmt auch: mal eben schnell zwei Tomaten holen, die man noch für den Salat braucht, oder einen Apfel für den Hunger zwischendurch. Doch auch beim Großeinkauf ist es nicht besser – der Verpackung aus Plastik kann heutzutage kaum einer entgehen. Ein Schritt in den Supermarkt, und schon glänzt einem Obst und Gemüse durch die praktische Frischhaltefolie entgegen, genauso wie Kekse, Brot und Fleisch, alles wohlportioniert.

Es wird verpackt, verschweißt, manches gleich mehrfach. Das hatte zu Anfang einer sich inzwischen selbst überbietenden Entwicklung vielleicht hygienische Gründe. Längst ist das aber nicht mehr entscheidend. Jede Verpackungsschicht eines Produkts wird nämlich gezielt genutzt für Bildchen, Slogans, muntere Farben. Und: Es soll Lust machen auf mehr, soll verführen und verlocken! Marketing an geeigneter Stelle.

Zweites Beispiel: to go – schon längst gibt es nicht mehr nur den Kaffee zum Mitnehmen. Sushi, Salate, Suppen, Säfte, Desserts – alles bekommt man mittlerweile auf die Hand. Typische To-go-Verpackungen wie Styropor-Schalen oder Einwegflaschen werden übertrumpft von irrsinnigen Kreationen wie Plastik-Teebeuteln oder dem "Göffel", einer Kombination aus Imbissgabel und -löffel. Mit unserer Bequemlichkeit steigt der Berg an Plastikmüll.

Beispiel drei: Peeling, Shampoo, Lotion oder Lippenstift, unsere Badezimmer sind voller Plastik. Nicht nur die Verpackung – die kommt noch dazu. Viele Pflegeprodukte und Kosmetika enthalten tatsächlich winzige Plastikperlen oder Granulate. Sie dienen als Schleif-, Binde- oder Füllmittel. Plastik wird auch in flüssiger Form eingesetzt, zum Beispiel in Make-up.

Mikroplastik

Winzlinge mit giftiger Fracht

Plastik ist langlebig, billig und universell einsetzbar. Seit den 1950er-Jahren ist es das Wundermittel unseres Alltags und längst ein globales Umweltproblem. Egal, ob an der Ostsee oder in den Alpen: Plastikmüll gelangt oft auch über Flüsse ins Meer. An den Stränden von Nord- und Ostsee macht Plastik mittlerweile weit über die Hälfte aller Abfälle aus!

Einmal ins Meer gelangt, zermürben Wellen und UV-Strahlung den Plastikmüll an der Wasseroberfläche. Das Ergebnis: massenweise winzige Splitter, Fasern und Fetzen – sogenanntes Mikroplastik. Diese mikroskopisch kleinen Teilchen sind nicht nur Fremdkörper mit giftigen Zusatzstoffen – sie ziehen auch Umweltschadstoffe aus dem Wasser an. In Plankton, Muscheln, Garnelen und Fischen wurde Mikroplastik längst nachgewiesen.

Sauberland Deutschland?

Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangen jedes Jahr weltweit allein von Land aus ins Meer. "Dort verrottet es nur sehr langsam und belastet damit für mehrere hundert, wenn nicht tausend Jahre die Ökosysteme", sagt Sandra Schöttner, Meeresbiologin und Greenpeace-Expertin für Ozeane. Selbst an entlegensten Orten wie in Tiefseegräben oder der Arktis ist mittlerweile Plastikmüll zu finden. Seine Herkunft zu bestimmen, ist so gut wie unmöglich. Laut Statistik ist Deutschland fein raus: 57 Prozent des Plastikmülls werden verbrannt, 42 Prozent recycelt und nur ein Prozent deponiert.

Doch Vorsicht! In keinem anderen EU-Land wird so viel Plastik verbraucht wie hier. Von effizientem Recycling und echter Kreislaufwirtschaft kann keine Rede sein. Zwischen unserem Plastikverbrauch und -abfall klafft eine Lücke von rund vier Millionen Tonnen pro Jahr. Wo landet eigentlich dieser Plastikmüll, wenn er nicht verbrannt oder recycelt wird?

Deswegen heißt es: Die Ausbeutung der Meere muss gestoppt werden. Unsere Meere brauchen Schutzgebiete – dringend! Seit Bestehen der Organisation setzt sich Greenpeace dafür ein: Kaum ein Ort der Welt, an dem wir nicht für die Meere tätig werden. Werden auch Sie Teil dieser Welle, werden Sie Meeresschützer!

››› Gastbeitrag Greenpeace e.V.

Hand aufs Herz – wo könnten Sie leicht auf Plastik verzichten?

  • Müll sorgfältig trennen: Dann kann Plastik wiederverwertet werden
  • Verantwortung tragen: Korb oder Stoffbeutel statt Plastiktüte
  • Die Macht als Verbraucher: möglichst unverpackte Lebensmittel kaufen 
  • Flasche in der Tasche: wiederverwendbare Trinkflasche statt Plastikflasche
  • Plastik abschminken: Kosmetika auf Inhaltsstoffe ­checken und Produkte mit Mikroplastik vermeiden
  • Es geht auch ohne gut: Coffee to go muss nicht sein und wenn, dann Plastikdeckel weglassen
  • Zusammen anpacken: bei Aufräumaktionen an Ufern, damit der Plastikmüll nicht im Meer landet
  • Jede Stimme zählt: Werden Sie Meeresschützer unter greenpeace.de/wellemachen