Naturerbe von Weltrang

Wälder sind die grüne Lunge der Erde, vor allem alte Laubwälder speichern viel Kohlendioxid. Doch die sind stark bedroht durch intensive industrielle Nutzung.

Hänsel und Gretel wanderten die Nacht und den Tag, um nach Hause zu kommen. Sie verirrten sich in der endlosen Wildnis des Waldes und fanden nicht heraus … So war es, bevor die Zivilisation in Europa Einzug hielt: Urwälder bedeckten 90 Prozent der gesamten Landesfläche. Die alten Volksmärchen beschreiben sie als undurchdringlich und voller Geheimnisse, bewohnt von Göttern und Geistern, Feen und wilden Tieren. Im Zuge von Rodung und intensiver Nutzung sind die Wälder stark zurückgedrängt worden. Dies hat dazu geführt, dass die heimischen Rotbuchenwälder nur noch weniger als fünf Prozent der Landesfläche bedecken. Heute muten unsere Wälder wie aufgeräumt an: leer und bar jeglicher Geheimnisse. Denn die Forstwirtschaft des 19. Jahrhunderts setzte vorwiegend auf Fichtenmonokulturen, die wertvollen und heimischen Laubwälder gerieten aus dem Blick. Doch es gibt ihn vereinzelt auch bei uns noch: den verwunschenen Märchenwald, in dem Bäume stehen, die weit über 300 Jahre alt sind.

Deutschland ist das Land der Buchen.

Ohne menschliche Einflüsse wären zwei Drittel des Landes von diesem Ökosystem bedeckt – die Buche ist charakteristisch für hiesige Wälder. Diese Laubwälder strotzen vor Leben und sind die Heimat unzähliger Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. In natürlichen Wäldern ist die Artenvielfalt besonders groß. In den deutschen Buchenwäldern etwa sind 6.000 Tierarten heimisch. Dazu zählt der scheue Schwarzstorch genauso wie die in Baumhöhlen lebende Bechsteinfledermaus.

Die vielfältigen Leistungen der Wälder nehmen wir oft wie selbstverständlich hin. Dabei könnten wir ohne die Wälder nicht leben: Bäume schützen das Klima, indem sie das klimaschädliche Kohlendioxid aufnehmen und umwandeln; sie speichern so fast die Hälfte des an Land gebundenen Kohlenstoffs. Die grünen Lungen produzieren Sauerstoff, reinigen Luft und Wasser und verhindern Bodenerosion. Menschen nutzen Wälder zum Durchatmen und zur Erholung. Wie würde eine Welt ohne Bäume aussehen?

Den Wert unserer Buchenwälder hat auch die UNESCO erkannt – und fünf deutsche Buchenwaldgebiete 2011 als Weltnaturerbe ausgezeichnet. Auch die Bundesregierung hat bereits 2007 beschlossen, mehr für den Waldschutz zu tun. Die Strategie sieht vor, zehn Prozent der öffentlichen Wälder unter Schutz zu stellen und wieder ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Doch um dieses Ziel zu erreichen, gibt es bis heute weder konkrete Maßnahmen noch ein Gesamtkonzept für den Buchenwaldschutz.

Dabei ist dies dringend nötig: Ökologisch besonders wertvolle, alte Laubwälder sind selten und ökologisch viel bedeutsamer als etwa Fichtenmonokulturen. Nur rund ein Prozent Wald steht in Deutschland derzeit unter verbindlichem Schutz vor der Säge.

Maßvoller Konsum lässt die Bäume im Wald.

Daher kämpft Greenpeace für den Erhalt der alten Buchenwälder und fordert den sofortigen Einschlagstopp für alte Laubwälder in öffentlichem Besitz. Dieser Einschlagstopp soll so lange gelten, bis das Ziel der Bundesregierung umgesetzt ist, zehn Prozent der öffentlichen Wälder rechtlich verbindlich zu schützen. In diesen Ökosystemen darf die Natur wieder nur Natur sein, und die Wälder können sich zu Urwäldern von morgen entwickeln. In 90 Prozent der deutschen Wälder soll weiterhin die umweltfreundliche Ressource Holz genutzt werden – und zwar durch ökologische Bewirtschaftung.

Eine solche ökologische und nachhaltige Nutzung ist nur durch einen maßvollen Konsum möglich. Wälder werden immer intensiver genutzt und ausgebeutet – auch in Deutschland. Buchenholz wird als Brennholz, zum Beispiel in Kraftwerken, verfeuert oder zum Spottpreis nach Fernost exportiert, wo der Hunger nach Rohstoffen und Energie wächst. Wir müssen unseren Lebensstil so anpassen, dass die Wälder intakt bleiben.

Greenpeace verstärkt daher sein Engagement für den Erhalt der alten, natürlichen Buchenwälder in Deutschland. Erster Schauplatz der Kampagne: die öffentlichen Wälder Bayerns. Denn Bayern hat den größten Anteil am deutschen Buchenwaldareal. Gleichzeitig verheimlicht der Vorstand der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) wichtige Daten zu diesen Wäldern. Die BaySF bewirtschaften seit 2005 große Teile des Spessarts. Greenpeace will wissen, wie es um den Schutz der bayerischen Buchenwälder bestellt ist.

Von Anfang Februar bis Mitte März haben Greenpeace-Aktivisten ein Camp im bayerischen Spessart bezogen, um alte Buchen und Eichen zu vermessen. Mit GPS-Geräten wurden ihre Standorte bestimmt. So lässt sich bei jedem Baum nachvollziehen, wo er steht und ob er gefällt worden ist. Das ermutigende Ergebnis: Einzigartige alte Buchenwälder mit 300- bis 400-jährigen Eichen bestimmen das Landschaftsbild im bayerischen Spessart und machen die Region zu einem der wertvollsten Waldgebiete Europas.

Doch die Wälder sind durch die Aktivitäten des Vorstands der BaySF bedroht: Der wirtschaftliche Profit steht im Vordergrund, Gemeinwohl und Naturschutz werden als nachrangig angesehen. Die Umweltschützer warnen vor der Umwandlung der letzten alten Laubwälder in Industrieforste. Solange kein Konzept für den Schutz von zehn Prozent der öffentlichen Wälder umgesetzt ist, fordert Greenpeace einen Einschlagstopp für alle Laubwälder, die älter als 140 Jahre sind.

››› Gastbeitrag Greenpeace e.V.

Mehr Informationen zu Greenpeace und zur Kampagne "Stoppt die Sägen, schützt unsere alten Buchenwälder" unter www.greenpeace.de/buchenwaelder

Das können Sie tun

Helfen Sie, die Wälder zu schützen, indem Sie Papier sparen! Verwenden Sie zum Beispiel Thermos- statt Wegwerfbecher. Achten Sie auch auf Recyclingpapier, etwa bei Toiletten- und Schreibpapier.