Monet im Frankfurter Städel

Monet und die Geburt des Impressionismus – diese Ausstellung zählt zu den Höhepunkten des 200-jährigen Jubiläums des Städel Museums. Hundert Meisterwerke aus internationalen Sammlungen nehmen in der Schau die Anfänge des Impressionismus in den Blick.

CLAUDE MONET, Hôtel des Roches noires à Trouville (Detail), 1870, Paris, Musée d’Orsay. Foto: bpk / RMN

Impressionistische Motive erfreuen sich heute größter Beliebtheit. Sie zieren die Wände von Wohnungen, Wartezimmern und Büros. Ausstellungen über Künstler des Impressionismus locken weltweit Menschen in die großen Museen. Das Frankfurter Städel zeigt nun die Geburtsstunde dieser Bewegung und widmet ihren Protagonisten, allen voran Claude Monet, eine umfassende Ausstellung. Ausgehend von Monets Gemälde Das Mittagessen (1868/69) und dem Städel’schen Sammlungsbestand früher Arbeiten weiterer impressionistischer Künstler wird veranschaulicht, wie die Impressionisten zur Auflösung und Entmaterialisierung ihrer Bildmotive gelangten und erklärt, unter welchen Voraussetzungen die Bewegung entstand. Ein Faktor war hierbei unter anderem der sich im 19. Jahrhundert vollziehende, durch die Industrialisierung voran­getriebene Wandel im Verhältnis von Mensch und Natur, von Arbeit und Freizeit. Prägend waren außerdem der technische Fortschritt, der zu einer allgemeinen Beschleunigung des Lebens führte, oder die Verbreitung neuer Medien wie der Fotografie.

Die Schau versammelt weltberühmte Leihgaben wie Monets Der Boulevard des Capucines (1873) aus dem Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City, sein Werk La Grenouillère (1869) aus dem Metropolitan Museum of Art, New York, oder Auguste Renoirs Frau mit Sonnenschirm in einem Garten (1875) aus dem Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid. Neben rund 50 Gemälden von Claude Monet werden unter anderem Werke von Auguste Renoir, Edgar Degas, Berthe Morisot, Camille Pissarro oder Alfred Sisley gezeigt.

Monet als Namensgeber des Impressio­n­is­mus Protagonist der Schau ist Claude Monet (1840–1926). Er nahm unter den Künstlern seiner Zeit eine Vorreiterrolle in der Verbreitung der Freilichtmalerei ein. Monet ging 1860 an die Académie Suisse in Paris. 1862 schrieb er sich im Atelier von Charles Gleyre ein, wo er bis 1864 studierte und unter anderem Frédéric Bazille, Camille Pissarro, Auguste ­Renoir und Alfred Sisley kennenlernte. Waldlandschaft und Küste lieferten ihm in den folgenden Jahren die entscheidenden Motive. Sein Interesse galt bald auch Szenen des modernen Lebens. In diesem Zusammenhang entdeckte er Paris als Motiv. Im Sommer 1869 mietete Monet ein Haus in Bougival nahe Paris. Mit Renoir fertigte er Studien an der Grenouillère an, einem beliebten Badeplatz an der Seine. In diesen Bildern sind die modisch gekleideten Ausflügler nicht mehr das Hauptmotiv, sondern werden der Landschaft untergeordnet, kennzeichnen sie als Schauplatz des modernen Lebens. Landschaftsbilder mit modernen Staffagefiguren wurden in den 1870er-Jahren zu Monets Markenzeichen. Als Monet sein Werk Das Mittagessen (1868/69) im Pariser Salon einreichte – einer regelmäßig stattfindenden Kunstausstellung, die den Mittelpunkt des französischen Kunstbetriebes bildete –, wurde es abgelehnt. Aus diesem Grund brach Monet mit dem Salon. Wegen des Deutsch-Französischen Krieges flüchtete er 1870 nach London und machte dort Bekanntschaft mit Paul Durand-Ruel. Der Kunsthändler, der in den folgenden Jahren das System der modernen Privatgalerie in Paris etablierte, vertrat von nun an den Künstler und dessen Kollegen auf dem Kunstmarkt. Ab 1874 gingen diese dazu über, eigene Ausstellungen zu organisieren. Die freie Handschrift von Monets Bildstudien wurde zum Markenzeichen der Bewegung und brachte der Gruppe ihren Namen ein: Ausgehend von Monets Studie Impression, Sonnenaufgang (1873) bezeichnete man die Malerei von Monet und seinen Künstlerfreunden fortan als Impressionismus.

Die gelungene Vorbereitung für den Ausstellungsbesuch Das eigens für die Ausstellung entwickelte, kostenlose "Digitorial« bietet unter monet.staedelmuseum.de wissenswerte Hintergründe zum Thema, kunst- und kulturhistorische Kontexte sowie wesentliche Ausstellungsinhalte. Mit Bildern der Schau, Film- und Audiosequenzen dient das Digitorial als ideale Vorbereitung auf den Ausstellungsbesuch.

››› Gastbeitrag Karoline Leibfried, Pressereferentin des Städel Museums

200 Jahre Städel

Mit der Niederschrift seines Testaments legte Johann Friedrich Städel 1815 den Grundstein für Deutschlands älteste bürgerliche Museumsstiftung: das Städel Museum. Unter dem Motto "Das Frankfurter Bürgermuseum: Ein Geschenk für alle" präsentiert sich das Städel zum Jubiläum mit einer Vielzahl hochkarätiger Sonderausstellungen, einem massiven Ausbau seines digitalen Vermittlungsprogramms ­sowie maßgeblichen Sammlungserweiterungen und Sonderveranstaltungen.

Monet und die Geburt des Impressionismus
Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main

Ausstellungsdauer: 11. März – 21. Juni 2015
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10–19 h, Do und Fr 10–21 h