Humus – Nährboden für nachhaltige Lebensmittel

Wir müssen den Boden nachhaltig bewirtschaften und schützen, um seine Fruchtbarkeit und unsere Ernährung sicherzustellen. Das Beratungsunternehmen Soil & More International setzt sich mit der Save-our-Soils-Kampagne dafür ein.

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Täglich nehmen wir Lebensmittel zu uns und achten dabei auf Qualität, Marken, Erzeuger, Preis. Immer mehr Menschen legen besonderen Wert auf regional erzeugte Lebensmittel und hinterfragen auch, wo und wie intensiv die Lebensmittel verarbeitet werden. Gerade die Erntedankzeit ist ein guter Moment, um darüber nachzudenken, was wir ernten und konsumieren und was zur Herstellung dieser Lebensmittel nötig war. Ein besonderes Merkmal spielt hierbei nicht nur die geographische Herkunft, sondern auch das ökologische Umfeld, in dem die Pflanzen wachsen und gedeihen: Luft, Wasser, Sonne und Boden.

Das Jahr 2015 wurde von den Vereinten Nationen zum internationalen Jahr des Bodens ausgerufen, und das zu Recht. Jährlich gehen über 20 Milliarden Tonnen fruchtbarer Oberboden durch nicht nachhaltige Landwirtschaft verloren. Das sind über drei Kubikmeter pro Mensch und Jahr. Was sind die Ursachen? Monokulturen, die den Boden auslaugen; Bracheperioden, die den Boden der Erosion aussetzen; zu tiefes und häufiges Pflügen, das die Bodenstruktur stört, sowie intensives Düngen, was zum Abbau organischer Substanz im Boden führt. Der Verlust an Oberboden ist eines der größten Probleme weltweit, nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Mit dem Oberboden verlieren die Landwirte im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen und sie müssen sich nach neuen Einkommensquellen umschauen. So werden auch weniger Lebensmittel produziert – eines der Probleme für die Gesellschaft. Durch die Medien kennen wir diesen Trend hauptsächlich aus anderen Regionen, aber selbst in Deutschland können je nach Region und Anbauweise 20 und mehr Tonnen Oberboden je Hektar und Jahr durch Erosion verloren gehen. Die Landwirtschaftsabteilung der Vereinten Nationen, die Food and Agriculture Organization (FAO), hat im Rahmen einer kürzlich erschienenen umfangreichen Studie die gesellschaftlichen Kosten berechnet, die unter anderem durch den Verlust von Oberboden entstehen. Dies sind durchschnittlich 20 bis 25 Euro pro Tonne Oberboden. Hochgerechnet auf einen Hundert-Hektar-Betrieb bedeuten 20 Tonnen Oberbodenverlust also 40 000 Euro und mehr pro Jahr an Kosten für die Gesellschaft. Diese und andere reale Kosten sind heute noch nicht bei der Kostenkalkulation berücksichtigt, das heißt, günstig erscheinende Produkte können in Realität eigentlich viel teurer sein.

Aufbau und Pflege des Bodens sind nicht nur eines der Hauptanliegen des biologischen und biodynamischen Landbaus, sondern finden sich mittler­weile auf den Agenden vieler anderer landwirtschaftlicher Betriebe und Organisationen wieder. Dabei geht es schlichtweg um den Erhalt der Ressource Boden, ohne die keine Landwirtschaft möglich ist. Wohlbekannte und oft als traditionell abgetane Praktiken wie Fruchtfolge, bodendeckende Kulturen und Kompostierung erfreuen sich einer Renaissance.

Weite Fruchtfolgen, tiefwurzelnde, stickstoffbindende Zwischenfrüchte, schonende Bodenbearbeitung und die Verwertung von Ernteresten durch Mulchen oder Kompostieren sind Kernpunkte einer wirklichen und immer beliebteren nachhaltigen Landwirtschaft. Was wir zum Verzehr als Lebensmittel ernten, ist ja nur ein kleiner Teil von dem, was die Pflanzen erzeugen. Gerade zu Erntedank sollten wir so auch ein Bewusstsein für all die anderen Nebenprodukte der Pflanze entwickeln, beziehungsweise durch die Wahl der Lebensmittel darauf achten, dass eine Landwirtschaft unterstützt wird, die nicht nur erntet, sondern Natur und besonders Boden etwas zurückgibt. Führen wir dies wieder konsequenter durch, erhalten wir nicht nur die Böden – wir können auch aktiv Klima- und Wasserschutz betreiben: Gesunde, lebendige Böden binden viel CO2 und sparen Wasser.

Besinnen wir uns so wieder mehr auf eine sinnvolle Landwirtschaft, eine Agrikultur, die neben kurzfristig hohen Erträgen auch langfristig eine angemessene Bodenfruchtbarkeit und damit Ernährungssicherheit gewährleistet, können wir statt gesellschaftliche Kosten zu verursachen kulturellen Nutzen schaffen – ökologisch und ökonomisch.

Um praktische Lösungen zum Bodenaufbau und -schutz aufzuarbeiten und diese Landwirten zugänglich zu machen, hat die gemeinnützige Stiftung der Beratungsfirma Soil & More gemeinsam mit anderen Organisationen den Save-our-Soils-Fund gegründet. Mehr Informationen zum Fund und wie Sie dessen Arbeit unterstützen können, finden Sie unter saveoursoilsfund.org

››› Gastbeitrag Tobias Bandel, Soil & More International

Kurz gefasst

Soil & More International ist ein Beratungsunternehmen, das sich auf Beratung zu Bodenfruchtbarkeit sowie Analyse und Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien in der Landwirtschafts- und Lebensmittelbranche spezialisiert hat. Verwurzelt in der biologischen und biodynamischen Landwirtschaft arbeitet Soil & More weltweit sowohl mit Bio- als auch konventionellen Landwirten zusammen, um Themen wie Kompostierung, Gründüngung und andere Nachhaltigkeitsaspekte pragmatisch anzugehen und umzusetzen.