Vorsicht giftig? Greenpeace untersucht Kleidung

Bei der Herstellung von Kleidung wird massenhaft Chemie eingesetzt. Vor allem in China oder Mexiko führt das zu enormer Verschmutzung der Flüsse und Seen. Seit 2011 kämpft Greenpeace deshalb für saubere Alternativen.

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Es gibt Socken mit Antipilzmitteln und Sportbekleidung, die Schweißgeruch verhindert. Bügelfreie Hemden und elastische Farbaufdrucke – ohne massenhaften Chemieeinsatz wäre das nicht möglich. Viele tausend Chemikalien werden in der Textilproduktion verwendet: beim Waschen, Färben, Verarbeiten und beim Veredeln. Als Weichmacher, Flammschutzmittel, Lösungsmittel oder um das Kleidungsstück schmutzabweisend zu machen.

"Das kann nicht gut sein", denken Sie? Ist es auch nicht. Elf Stoffgruppen sind dabei besonders gefährlich. Sie sind ­gesundheitsschädigend, hormonell wirksam oder krebsauslösend. Und das Schlimmste: Viele von ihnen bauen sich nicht ab. So reichern sie sich im Wasser der Flüsse, im Schlamm und in der Nahrungskette an. Selbst bei Eisbären oder Pinguinen werden manche der Stoffe mittlerweile gefunden. Sie müssen verboten werden, und zwar in der ganzen Herstellungskette.

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Verschärft wird das Problem dadurch, dass der Mensch heute durchschnittlich elfmal mehr Kleidung kauft als in den 1980er-Jahren. Fast sechs Milliarden Kleidungsstücke gehen allein in Deutschland über die Ladentheke, weltweit sind es 80 Milliarden. Oder pro Kopf ausgedrückt: Jeder Mensch kauft 28 Kilogramm Kleidung. Jedes Jahr.

"Fast Fashion" nennt sich das neue Kaufverhalten: dauernd neue Trends, immer perfekt aussehen – mit neu gekauften ­Sachen. Doch auch langlebige Produkte enthalten Unmengen Chemie, zum Beispiel die Outdoor-Kleidung: UV-Filter hier, atmungsaktiv da, Gore-Tex-Membran dazu – ein Eldorado vor allem für von der EU als "besonders bedenklich" eingestufte Fluorverbindungen.

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Vor allem in den Herstellungsländern wie China, Indien oder Bangladesch stellt der massenhafte Chemieeinsatz ein großes Umweltproblem dar, denn das Zeug landet im Abwasser. In China, dem größten Kleiderexporteur weltweit, gelten 40 Prozent der Seen und Flüsse als verschmutzt. "Die Modefarbe erkennst du an den Flüssen", heißt es dort. Aber auch in anderen Billiglohnländern wie Indien, Bangladesch oder Mexiko sind die Umweltauflagen mangelhaft und die Auswirkungen für die Natur verheerend. Greenpeace-Wassertests haben das bestätigt.

Doch selbst deutsche Flüsse und Seen bekommen noch ihren Teil der giftigen Fracht ab. Denn obwohl die meiste Chemie bei der Herstellung der Kleidung noch vor Ort in den Produktionsländern ausgewaschen wird, ist die Kleidung, die im Laden auf der Stange hängt, immer noch mit Resten der schädlichen Chemie belastet. 2012 hat Greenpeace zwei große Kleidungstests durchgeführt, die das belegen. Ein Test untersuchte 141 normale Kleidungsstücke ganz verschiedener Modemarken wie Benetton, C&A, Levi’s und Esprit; der zweite Test konzentrierte sich nur auf Outdoor-Kleidung und untersuchte 14 Regenjacken und Regenhosen auf perfluorierte Schadstoffe.

Die Ergebnisse: Fast kein Kleidungsstück ist gänzlich ­unbelastet. Obwohl die Werte für die einzelnen Chemikalien meist innerhalb der zugelassenen Grenzwerte liegen, ist der Giftcocktail in unserer Kleidung erschreckend. Das mag aus Sicht des Verbraucherschutzes immerhin bedenklich sein – für die Umwelt ist es eine Katastrophe. Denn 95 Prozent dieser Gifte werden mit den ersten zwei Wäschen ausgewaschen – und gelangen in unseren Wasserkreislauf. Keine Kläranlage dieser Welt kann die Stoffe wieder komplett herausfiltern. Bei der Masse an neuer Kleidung sind auch unsere heimischen Gewässer durchaus belastet.

Dabei gibt es weniger schädliche Alternativen. Seit 2011 kämpft Greenpeace dafür, die elf gefährlichsten Stoffgruppen aus der gesamten Produktionskette der Kleiderherstellung zu verbannen und durch umweltfreundlichere Alternativen zu ersetzen. Mit der weltweiten Kampagne "Detox" (Entgifte!) wird Druck auf die globale Textilbranche ausgeübt – und das mit großem Erfolg. 18 Konzerne haben sich mittlerweile bereit erklärt, mit Greenpeace zusammen strenge Auflagen zu formulieren, wie die giftigen Chemikalien auch wirklich aus allen Teilen der Herstellungskette verbannt werden können. Dazu bedarf es zum Beispiel Regelungen dafür, wie die Zuliefer­betriebe kontrolliert werden können und wie das Abwasser jeder einzelnen Fabrik in der Herstellungskette geprüft werden kann. Denn Mode darf zwar knallig sein. Aber eben nicht giftig!

››› Gastbeitrag von Greenpeace e.V.