Gesunder Boden

Hätten Sie‘s gedacht? In 0,3 Kubikmeter gesundem Boden leben 1,6 Billionen Lebewesen. Im Vergleich dazu: Auf der ganzen Erde leben derzeit "nur" 7,1 Milliarden Menschen. Wir trafen Miriam Bogatzki von Soil & More International zum Gespräch.

Nachhaltigkeit – dieser Begriff begegnet uns in vielen Dimensionen, in sozialen wie in ökologischen. Heute wollen wir den Blick senken und uns darauf konzentrieren, was uns trägt und nährt: der Boden. Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir: Er lebt. Er bietet den Lebensraum für unzählige Organismen und Halt für die Wurzeln der Pflanzen. Der Boden bildet die elementare Grundlage der Nahrungserzeugung für den Menschen. Nur wenn wir seine Fruchtbarkeit erhalten, Erosion vermeiden und eine gute Wasserhaltefähigkeit ermöglichen, kann die Bodenfläche der Erde in Zukunft genug Nahrung für alle Menschen hervorbringen.

Wir haben uns mit Miriam Bogatzki, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit und Projektmanagerin bei Soil & More International, zum Thema Boden unterhalten. Das Unternehmen will durch Wiederherstellung und Erhaltung gesunder Böden einen Beitrag zu langfristiger Bodenfruchtbarkeit und kosteneffektiver Lebensmittelproduktion leisten. Auch die Stiftung Soil & More setzt sich engagiert für Bodenschutz und nachhaltige Entwicklung in der Agrar- und Nahrungsmittelbranche ein.

Wie kam es zu der Gründung der Firma Soil & More? Bodenerosion, bedingt durch Klimawandel und intensive Landwirtschaft, ist eines der ökologischen und sozio-ökonomischen Hauptprobleme unserer Zeit. Genau wie Wasser ist Boden mittlerweile ein knappes Gut.

Viele Landwirte erleben im Moment schmerzhaft, dass nicht nur Ertragssteigerung, sondern auch Bodenpflege essenziell wichtig für die landwirtschaftliche Produktion ist.

Gleichzeitig werden nach wie vor große Mengen an Biomasse wie Ernterückstände, Grünschnitt etc. als "Müll" entsorgt, obwohl dieser in kompostierter Form der Erosion entgegenwirken könnte.

Deshalb hat sich Soil & More mit dem Ziel gegründet, die landwirtschaftliche Biomasse durch Kompostierung wieder dem Boden zuzuführen, um die Qualität der Böden zu verbessern und deren Fruchtbarkeit wiederherzustellen. Außerdem arbeiten wir mit Landwirten, Verarbeitern und Händlern an der praktischen Bewusstseinsentwicklung für landwirtschaftliche Zusammenhänge.

Sie setzen sich für den Bodenschutz ein – warum ist der Boden für die Umwelt so wichtig?

Sie Da gäbe es viel zu sagen. Wichtigster Punkt ist wohl, dass der Boden Grundlage aller landwirtschaftlichen Produktion ist. Die Frage, ob wir in Zukunft genug Nahrungsmittel produzieren können, hängt also unmittelbar mit der Verfügbarkeit und Fruchtbarkeit unserer Böden zusammen. Der Boden ist damit aber auch Voraussetzung für den Lebensunterhalt von mehr als 50 Prozent aller Menschen weltweit. Außerdem spielt der Boden mit seiner Kohlenstoff- und Wasserhaltekapazität eine zentrale Rolle beim Klima- und Ressourcenschutz insgesamt.

Welche Bedeutung hat das Saatgut für den Schutz des Bodens?

Boden, Wasser und Saatgut sind wohl die wichtigsten "Zutaten" der Landwirtschaft. Jegliche landwirtschaftliche Tätigkeit ist in großem Maße von den natürlichen Umweltbedingungen abhängig, und nur ein ausbalanciertes Agrarökosystem kann langfristig und nachhaltig bestehen. Die Auswahl des Saatgutes ist von großer Bedeutung: Nicht heimische Sorten haben unter Umständen spezielle Nährstoffanforderungen, die der lokale Boden langfristig nicht bedienen kann. Die Folge: Mangelerscheinungen bei Pflanze und Boden.

Was tun Sie ganz konkret für den Schutz des Bodens?

Wir bieten Workshops und Schulungen in aller Welt an. Dabei geht es sowohl um Bewusstseinsbildung als auch um konkretes "learning by doing": Wir zeigen den Landwirten, wie sie selbst Kompost herstellen und die Qualität ihrer Böden verbessern können. Gemeinsam mit unseren Partnern, zum Beispiel mit der biodynamisch arbeitenden SEKEM-Farm in Ägypten, erschließen wir vor Ort mit eigens produziertem Kompost neues Ackerland, so auch in der ägyptischen Wüste. Um unseren Ansatz weiter zu entwickeln und zu erforschen, wurde 2011 die Stiftung Soil & More gegründet. Neben den Themen Bodenschutz und Qualität, hat sie es sich zum Ziel gesetzt, ganzheitliche Lösungsansätze für die Verbesserung nachhaltiger Lebensmittelproduktion zu finden.

Woran erkennt man einen guten Boden?

An seinem frischen, waldbodenartigen Humusgeruch. An seiner dunklen Farbe. Und ganz wichtig: an seiner feuchten, losen und krümeligen Struktur. Man kann den Boden mit einem äußerst lebendigen Haus mit vielen Räumen und Gängen vergleichen. Die Hohlräume, Bodenporen genannt, haben ganz unterschiedliche Größen und Formen. In den großen Poren zirkulieren Luft und Wasser, die kleinen Poren dienen als Wasserspeicher für lange Zeit. Die Räume des ganzen Hauses sind belebt wie in einer Großfamilie. Mikroorganismen, Bakterien und Insekten treffen aufeinander. Und natürlich Regenwürmer. Die bringen Nahrung unter die Erde, die dort in Nährstoffe und andere Substanzen umgewandelt oder auch nur einfach eingelagert wird. Außerdem sorgen Regenwürmer für das Durchmischen der Bodenelemente, und sie graben Kamine, die Luft und Wasser führen. Pflanzenwurzeln wachsen durch das Bodenhaus hindurch und nehmen Nährstoffe auf. Ein ständig lebendiger Organismus, der gesunde Lebensmittel wachsen lässt.

Was kann jeder Einzelne für den Schutz des Bodens tun?

Interessante Frage. Man kann in jedem Fall darauf achten, nachhaltig produzierte Produkte zu kaufen. Und natürlich Einrichtungen unterstützen, die sich für den Erhalt der Böden einsetzen. Besonders wichtig ist es auch, der Gesellschaft die Bedeutung der Böden nahezubringen. Und wer selbst Biomassereste kompostiert, gibt dem Boden viel zurück!