Die Arktis erhalten, den Klimawandel bremsen

Die Arktis ist eines der letzten nahezu intakten grossen Ökosysteme dieser Erde. Oder korrekter: sie war es. Denn die Arktis ist durch den Klimawandel massiv bedroht.

Das Eis droht zu schmelzen, Permafrostböden tauen auf. Zudem weckt das zurückgehende Eis Begehrlichkeiten. Um Rohstoffe und Fischereigründe wird bereits gestritten. Seit 1977 ist Greenpeace im nördlichsten Ökosystem unserer Erde aktiv, um diese sensible Region zu retten. Die Umweltschützer arbeiten zu brisanten Themen wie Ölförderung, Klimawandel, Walfang und Fischerei.

Expedition in die Arktis

Es klingt wie ein Abenteuer, und das ist es auch, aber eines mit wissenschaftlichem Ziel. Im Juli 2009 bricht das Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise" zusammen mit Klimawissenschaftlern zu einer Forschungsreise in die Arktis auf. Untersucht werden die Auswirkungen des Klimawandels in der nördlichen Polarregion. Denn die Arktis erwärmt sich derzeit schneller als der Rest der Erde. Eine der gravierendsten Folgen ist der rapide Rückgang der grönländischen Gletscher und des arktischen Meereises. Das Eis schwindet in seiner Ausdehnung und wird dünner. Dies hat fatale Folgen für Mensch und Tier in der Region. Aber auch an Orten weit entfernt von der Arktis sind die Auswirkungen zu spüren: Jeder Eisberg, der in Grönland ins Wasser fällt, trägt direkt zum Meeresspiegelanstieg bei und bedroht so beispielsweise die pazifischen Inselstaaten. Mit an Bord der "Arctic Sunrise" sind Klimaforscher aus den USA und Großbritannien.

Sie untersuchen den Einfluss von warmen, subtropischen Unterwasserströmungen auf die Gletscherschmelze und den Rückgang des arktischen Meereises. Denn die bisherigen Voraussagen des Weltklimarates zum Anstieg des Meeresspiegels und zur arktischen Eisschmelze sind längst von der Realität überholt. Deswegen brauchen wir akkuratere Prognosen. Und die Ergebnisse der Forschungsfahrt verdeutlichen, wie gefährdet das Polareis tatsächlich ist. Sie machen klar, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf diese Region nicht mehr verhindert werden können. Der Schaden lässt sich jedoch begrenzen, indem wir den Klimawandel bremsen. Und dazu kann jeder einzelne seinen Beitrag leisten (siehe Info-Kasten).

Öl-, Gas- und Fischvorkommen wecken Begehrlichkeiten

Im Boden des arktischen Ozeans werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet – und diese wecken nicht nur die Gier der Anrainerstaaten, sondern auch anderer Nationen. Das zurückgehende Eis könnte eine Ausbeutung schon bald möglich machen und einen Teufelskreis in Gang setzen: Werden die fossilen Rohstoffe gefördert und verbrannt, heizen sie das Klima weiter an und treiben damit die negativen Auswirkungen auf das sensible Ökosystem voran.

Auch die reichen Fischvorkommen in der Arktis locken: Die hoch industrialisierten Fangflotten werden in Zukunft wohl immer tiefer in die arktischen Gewässer vordringen. Denn die Fischbestände in vielen anderen Regionen der Weltmeere haben sie bereits nahezu ausgebeutet. Wenn die Nord-West- sowie Nord-Ost-Passage eisfrei für Frachtrouten werden, ist gleichzeitig ein Anstieg des Schiffverkehrs zu erwarten. Nicht auszudenken, was ein Tankerunglück in diesem hochsensiblen Ökosystem anrichten würde.

Die Chancen nutzen

Es geht um eine Region, die bisher natürlicherweise von Eis geschützt wird. Wenn das Arktis-Eis jedoch geschmolzen ist, wird es sehr schwierig, das Vordringen der Menschen in diese Gegend zu stoppen. Bisher gibt es nur ein Flickwerk ver schiedener, rechtlich meist unverbindlicher Regularien. Doch ohne Verträge gibt es keinen Schutz: Ein übergeordnetes Abkommen ist dringend erforderlich. Nur so können der Schutz und die Nutzung der Ressourcen gesteuert und die Tür für nicht-nachhaltige Ausbeutung und Illegalität verschlossen werden.

Es liegt also in den Händen der heutigen Generation, ein einzigartiges Ökosystem zu bewahren und zu zeigen, wie sich nachhaltige Nutzung und Schutz vereinbaren lassen. Um den Ausstoß an Treibhausgasen und damit den Temperaturanstieg deutlich zu verringern, sind sofort wirksame weltweite Maßnahmen nötig. Als ersten Schritt müssten die Regierungen aller Länder ein Sofortverbot für alle industriellen Aktivitäten im Bereich des arktischen Ozeans aussprechen, bis ein Schutzabkommen verabschiedet ist. Dazu ist ein offener, transparenter und fairer Prozess unabdingbar. Auf der UN-Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen kam es allerdings nicht zu einem derartigen Beschluss.

››› Gastbeitrag von Greenpeace e.V.

Greenpeace fordert

Greenpeace fordert ein Moratorium auf alle industriellen Aktivitäten im Bereich des arktischen Ozeans, der bisher natürlicherweise von Eis geschützt wird. Die Subsistenzwirtschaft indigener Völker bleibt davon unberührt. Das Moratorium ist ein notwendiger Zwischenschritt, um weiteren Schaden von der Arktis abzuwenden. Es sollte bestehen bleiben, bis ein übergeordnetes, rechtsverbindliches Abkommen für die Arktis verabschiedet ist.

So können Sie helfen, das Klima zu schützen

Wechseln
Unterstützen Sie den Ausbau erneuerbarer Energien, indem Sie zu einem Ökostromanbieter wechseln, z. B. Greenpeace energy oder zu den Elektrizitätswerken Schönau (EWS).

Sparen
Moderne Haushaltsgeräte und Energiesparlampen sparen Strom. Schalten Sie den Fernseher, PC und andere elektronische Geräte völlig aus, denn auch der Standby-Modus frisst Watt.

Essen
Bio-Produkte sind umweltfreundlich, denn sie werden ressourcenschonend produziert. Wenn Sie außerdem regionale und saisonale Produkte kaufen, ersparen Sie der Umwelt noch dazu den Transport.

Fahren
Zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen Sie am klimafreundlichsten an Ihr Ziel. Sollte die Strecke etwas weiter sein, sind öffentliche Verkehrsmittel zu bevorzugen. Flugreisen verursachen besonders viel CO2, reisen Sie deswegen – wenn möglich – mit dem Zug. Einen CO2-Rechner finden Sie unter www.greenpeace.klima-aktiv.com oder unter www.ews-schoenau.de

Greenpeace-Klimaratgeber bestellen: www.greenpeace-magazin.de/warenhaus