Deutschland braucht die Energiewende

Wie kann die Umstellung der Energiegewinnung auf 100 Prozent erneuerbare Energien aussehen?

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Fukushima wird seit dem 11. März 2011 wohl ewig für die Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk stehen. Nach Tschernobyl 25 Jahre zuvor bedurfte es leider eines weiteren Super-GAUs, damit über die fatalen Risiken nicht nur gesprochen, sondern auch entsprechend gehandelt wird. Dann ging es – zumindest in Deutschland – aber schnell: Angela Merkels einstige Überzeugung, Atomkraft sei eine billige und sichere Stromquelle, war im Nu dahin. Am 6. Juni 2011 beschloss die schwarz-­gelbe Regierung das Aus für Deutschlands sieben älteste Atomkraftwerke und den Pannenmeiler Krümmel, den anderen wurden klare Abschaltdaten zugeordnet. Demzufolge wird es ab dem 31. Dezember 2022 in Deutschland kein laufendes Atomkraftwerk mehr geben.

Energiewende meint den Umstieg der Energieversorgung aus bisher größtenteils Atomkraft, Kohle und Erdöl hin zu ­einer Vollversorgung durch erneuerbare Energien. Denn selbst wenn das letzte Öl, Gas und das letzte Brikett verheizt sind, werden Sonne, Wind- und Wasserkraft immer noch zur ­Verfügung stehen.

Wie schnell können wir auf Atom- und Kohlekraft verzichten? Dass es bis zur Mitte des Jahrhunderts möglich ist, kann Greenpeace schon lange mit Berechnungen, Potenzialanalysen und Wirtschaftssimulationen belegen. Deutschland hat genug erneuerbare Energien, um den Bedarf seiner Bevölkerung ab 2050 zu 100 Prozent zu decken. Die notwendige Technik und wirtschaftliche Kapazität, bis dahin genug Anlagen zu errichten, existieren. Auch die Zeit reicht, die Stromnetze den neuen Bedingungen anzupassen, Stromspeichermedien zu entwickeln und die Energiewende mit den betroffenen Anwohnern von Windparks, Solaranlagen und Biogasanlagen zu diskutieren.

Dass eine Industrienation wie Deutschland die Energiewende so schnell wie möglich schafft, ist nicht nur angesichts des drohenden Klimawandels und damit einhergehender Naturkatastrophen wie dem verheerenden Taifun auf den Philippinen eine moralische Pflicht. Für die deutsche Wirtschaft ist es eine Riesenchance: Erneuerbare Energien sind oft dezentral und bieten vielen Menschen Arbeitsplätze. 2012 waren deutschlandweit 166.000 Menschen direkt in der Erneuerbaren-Energien-Branche beschäftigt. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung kam 2013 in einer Studie für Greenpeace zu dem Ergebnis, dass erneuerbare Energien 2012 in Deutschland direkt und indirekt zu einer Wertschöpfung von 25 Milliarden Euro geführt haben. Die Energiewende hat viele Gewinner und nur ein paar Verlierer: die großen Energiekonzerne. Ihnen schwinden die Milliardeneinnahmen ihrer Großkraftwerke, weil sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Der Ausbau der erneuerbaren Energien geht inzwischen so schnell voran, dass bereits heute nicht nur über die Abschaltung der Atomkraftwerke, sondern auch der alten Kohlekraftwerke nachgedacht werden kann.

Wie kann die Umstellung der Energiegewinnung auf 100 Prozent erneuerbare Energien bis ins Jahr 2050 aussehen?

Grob gesagt geht das in mehreren Etappen: Im ersten Schritt muss der Ausbau der erneuerbaren Energien die Ausfälle der abzuschaltenden Atomkraftwerke ausgleichen. Das ließe sich sogar bis 2015 bewerkstelligen, rechnet Greenpeace vor. Jedes weitere Jahr Atomkraft ist ein unnötiges Risiko. In einem zweiten Schritt wird der Kohlestrom durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt. Bis 2030 werden nach und nach alle Braunkohlekraftwerke und die großen Steinkohlekraftwerke abgeschaltet. Bis 2040 könnte Deutschland komplett aus der Kohleverstromung aussteigen und parallel dazu die großen Gaskraftwerke abschalten. Im letzten Jahrzehnt von 2040 bis 2050 bliebe der Ausstieg aus der Gas-Kraft-Wärme-Kopplung zu bewerkstelligen. Dann wäre Deutschland zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien versorgt.

2013 gab es mehrere Versuche, die Energiewende zu torpedieren: Umweltminister Altmaiers Strompreisbremse, die Angriffe aufs Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die Vereinbarungen der großen Koalition. Die Energiewende hat immer noch mächtige Feinde. Aber auch Freunde wie Greenpeace sowie hunderte Energiegenossenschaften und hunderttausende Menschen, die begonnen haben, in eine umweltfreundliche Energiezukunft zu investieren. Machen Sie mit bei der Energiewende! Denn sie ist gut für Deutschland. Sie ist gut für uns alle.

››› Gastbeitrag Greenpeace e.V.

Greenpeace

Wussten Sie, dass Greenpeace seit 2007 nicht nur für Deutschland, sondern auch für alle anderen ­Regionen dieser Welt durchrechnen lässt, wie eine Energiewende aus 100 Prozent erneuerbaren Energien aussehen kann?
Egal ob für Südostasien, für Europa oder für Sibirien, im mehrfach aktualisierten Report "energy (r)evolution" finden sich Potenzialanalysen, Ausbauraten und detaillierte Zeitpläne – denn die Energiewende ist weltweit möglich! Und angesichts der drohenden Klimakatastrophe auch weltweit notwendig!

Wie geht das genau, dass Deutschland bis 2050 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgt wird, ohne dass bei uns die Lichter ausgehen?
Lesen Sie nach in der Greenpeace-Broschüre "Der Plan – Deutschland ist erneuerbar!" – kostenlos zu bestellen ­unter 040 30618-120 (solange der Vorrat reicht).