Das schmutzige Geschäft mit dem weißen Gold

Der konventionelle Anbau von Baumwolle zieht schlimme Folgen für Mensch und Umwelt nach sich. Bio-Baumwolle ist eine umwelt- und menschenfreundlichere Alternative.

Baumwolle ist die wichtigste Naturfaser in der Textilindustrie. Schon vor über 7.000 Jahren haben die Menschen in Südasien und Mittelamerika Baumwolle angebaut, um daraus Kleidung herzustellen. Heute wird die beliebte Faser überwiegend in China, Indien, USA, Pakistan und zahlreichen afrikanischen Ländern produziert. Die jährliche Baumwoll­ernte von etwa 25 Millionen Tonnen macht ein Drittel der weltweiten Textilfaserproduktion aus.

Umweltschäden

Die Tropenpflanze Baumwolle wird heute hauptsächlich in Trockengebieten angebaut. Über die Hälfte der weltweiten Anbauflächen der Baumwolle muss deshalb künstlich bewässert werden. Damit gehen etwa sechs Prozent des globalen Süßwasserverbrauchs auf das Konto der Baumwolle. Baumwollpflanzen sind sehr anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Zu ihrer Bekämpfung wird die Baumwolle pro Sai­son bis zu 25 Mal mit einem Pestizid-Cocktail besprüht. Bei keinem anderen landwirtschaftlichen Anbauprodukt werden so viele Pflanzengifte eingesetzt. Ihr massiver Einsatz vernichtet nicht nur Schädlinge, sondern auch zahlreiche Nützlinge und wichtige Bodenlebewesen. Außerdem kontaminieren die Giftstoffe vielerorts Flüsse, Seen und Grundwasser.

Genmanipulierte Baumwolle

Rund 75 Prozent der weltweit erzeugten Baumwolle stammen von genmanipulierten Pflanzen. Da die Baumwolle während der Verarbeitung vermischt wird, enthalten nahezu alle konventionellen Baumwoll­textilien genmanipulierte Bestandteile.

Mit groß angelegten Werbekampagnen, die Ertragssteigerung und Minimierung des Pestizideinsatzes versprechen, drücken Gentechnik-Konzerne wie Monsanto ihre Produkte auf den Markt. Mit gestiegenen Kosten für Saatgut, Pestizide und Dünger entpuppt sich die Gen-Baumwolle für die Kleinbauern aber schnell als lebensbedrohliche Schuldenfalle. Vor allem in Indien hat der Einsatz der Gen-Baumwolle dramatische Auswirkungen. Immer mehr verschuldete Bauern flüchten sich aus Verzweiflung in den Selbstmord und vergiften sich mit den Pes­tiziden, denen sie ihre ausweglose Situation verdanken. Auch die UN zeigt sich besorgt über die seit Einführung der Gen-Baumwolle steigende Selbstmordrate unter Bauern.

Soziale Bedingungen

Knochenharte Arbeit, Unterdrückung und Hungerlöhne – die katastrophalen Bedingungen für Näherinnen in asiatischen Textilfabriken sind weithin bekannt. Doch auch der Baumwollanbau ist ein schmutziges Geschäft. 99 Prozent der Baumwollbauern leben in Entwicklungs­ländern. Die meisten von ihnen sind Kleinbauern oder Tagelöhner, die auf den Feldern eines Grundbesitzers schuften. Auch Kinderarbeit ist keine Seltenheit. Laut UNICEF arbeiten etwa 90 Millionen Kinder in der Baumwollindustrie. Geerntet wird die Baumwolle meist von Hand. Der direkte Kontakt mit gefährlichen Pestiziden ist mangels Aufklärung und Ausrüstung die Regel, gesundheitliche Beschwerden die Folge. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass beim Baumwollanbau jedes Jahr 20.000 Menschen an den Folgen einer Pestizidvergiftung sterben.

Bio-Baumwolle

Immer mehr Menschen suchen beim Kleiderkauf umwelt- und menschenfreundlichere Alternativen. Die Textilindustrie hat diesen Trend erkannt. Mittlerweile bieten sogar Kaufhausketten Kleidung aus Bio-Baumwolle an. Diese Auszeichnung bedeutet, dass beim Anbau weder chemische Düngemittel und Pestizide noch Gentechnik eingesetzt wurden.

Wer auch sichergehen möchte, dass bei der Verarbeitung der Baumwolle keine Chemie zum Einsatz kommt, sollte nach weitreichenderen Textil-Siegeln Ausschau halten. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist eines der wenigen unabhängigen Siegel, das strenge ökologische und auch soziale Richt­linien vom Baumwollanbau bis hin zum fertigen Kleidungsstück garantiert.

Wer sich nachhaltig anziehen möchte, kann aber noch viel mehr tun, als auf Siegel zu achten: zum Beispiel nicht jedem Trend nachjagen, sondern auf Klasse statt Masse setzen, Second­handkleidung kaufen und Kleider tauschen. Denn je länger ein Kleidungsstück getragen wird, desto besser für die Umwelt.

››› Gastbeitrag von Verena Schmitt, Referentin für Ökolandbau beim Umweltinstitut München e.V.

Ein schmutziges Geschäft

25.000.000 Tonnen Baumwolle werden jährlich geerntet. Zu welchem Preis …

… für Menschen?

90.000.000 Kinder arbeiten in der Baumwollindustrie (Schätzung UNICEF)
20.000 Menschen pro Jahr ­sterben beim Baumwollanbau an den Folgen einer Pestizid­vergiftung (Schätzung WHO)
99 % der Baumwollbauern leben in Entwicklungs­ländern

… für die Umwelt?

bis 25 Mal wird die Baumwolle pro Sai­son mit Pestiziden besprüht
75 % der weltweit erzeugten Baumwolle stammen von genmanipulierten Pflanzen
6 % des glo­balen Süßwasserverbrauchs gehen auf das Konto der Baumwolle

DER GLOBAL ORGANIC TEXTILE STANDARD (GOTS)


... ist ein unabhängiges Siegel
das strenge ökologische und soziale Richtlinien
für Baumwollanbau und -verarbeitung garantiert.