Damit es auch morgen weiter summt

Ein Gastbeitrag von Greenpeace e. V.

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Die Biene ist neben Rind, Schwein und Huhn das wichtigste Nutztier für den Menschen: Bienenvölker produzieren nicht nur leckeren Honig, sondern bestäuben vor allem 80 Prozent unserer Nutzpflanzen. Etwa jeder dritte Bissen, den wir zu uns nehmen, ist von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Kein anderes Tier, auch keine Maschine kann diese Aufgabe übernehmen. Bienen besuchen die Blüten von Raps, Sojabohnen, Zwiebeln, Gurken, Brokkoli und Sonnenblumen, aber auch von Äpfeln, Orangen, Blaubeeren, Avocados, Tee- und Kaffeepflanzen. Ohne Bienen würden wir nicht sofort verhungern, aber was wäre ein Morgen ohne Kaffee oder ein Reibekuchen ohne Apfelmus?

Unsere Bienen sind in Gefahr: Weltweit beklagen die Imker einen unerklärlichen Rückgang des Honig- und Wildbienenbestandes. Nur mit großem Aufwand können in einigen Regionen der Erde Ernteausfälle verhindert werden. Allein in Europa starben in den letzten Jahren im Durchschnitt 20 Prozent der Bienenvölker, in Deutschland teilweise sogar 30 Prozent. Dafür gibt es verschiedene Ursachen:  Klimawandel, Parasiten wie die Varroa-Milbe, verschiedene Krankheiten und nicht zuletzt die industrialisierte Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz an chemisch-synthetischen Giften.

Das Paradoxe daran: Die moderne, industrialisierte Landwirtschaft, die ohne die Bienen auch nicht auskommt, ist maßgeblich am Rückgang  der unverzichtbaren Helfer beteiligt. Eine immer intensivere Agrarproduktion zerstört unsere natürlichen Lebensräume. Unkrautvernichtungsmittel machen aus ehemals fruchtbaren Äckern zusehends ökologische Wüsten, wo Beikräuter und Wildpflanzen verschwinden. Insekten finden so immer weniger Nahrung und Nistgelegenheiten. Für Bienen sind moderne Getreidefelder oder Maismonokulturen uninteressant. Noch dazu werden sie dort permanent einer hochgiftigen Chemiekeule ausgesetzt: Herbizide gegen Unkräuter, Insektizide gegen Schadinsekten, Fungizide gegen Pilzbefall. Wenn die Langzeitfolgen des Chemikalieneinsatzes auch größtenteils unbekannt sind – dass einige davon sehr schädlich für die Bienen sind, daran besteht kein Zweifel.

Greenpeace fordert Pestizidverbot - Plakat

Längst fällige Maßnahmen

Wie sich beim ökologischen Landbau zeigt, ist eine Landwirtschaft auch ohne chemisch-synthetische Pestizide möglich. Die für Bienen gefährlichsten Pestizide sofort zu verbieten, ist also ein notwendiger erster Schritt – und für Bestäubungsinsekten momentan der denkbar beste Schutz vor den Giften. Greenpeace hat sieben für Bienen gefährliche Pestizide identifiziert, die umgehend verboten werden sollten: Die Liste umfasst populäre Bayer-Produkte wie Imidacloprid und Clothianidin, Syngentas Thiamethoxam, Fipronil (BASF) sowie Chlorpyriphos, Cypermethrin und Deltamethrin.

Mittel- und langfristig braucht es allerdings grundlegendere Maßnahmen: Die gesamte auf Agrochemie basierende Landwirtschaft gehört auf den Prüfstand und sollte ökologisch neu ausgerichtet werden. Denn der heute übliche Pestizideinsatz kuriert lediglich Symptome eines sich immer weiter von der Natur entfernenden Systems. Nachhaltig kann Landwirtschaft nur sein, wenn sie die Bestäubungsinsekten schützt.

Was jeder sofort tun kann

Wenn Sie sich jetzt fragen, wie Sie selbst helfen können, lautet eine Antwort: Kaufen Sie Bio-Produkte! Damit fördern Sie eine ökologische und artenreichere Landwirtschaft ohne synthetische Gifte und Gentechnik. Das ist auch für die Bienen gut. Einige Lebensmittelproduzenten haben dies inzwischen erkannt und setzen auf eine "bienenfreundliche" Produktionsweise. Diese Produzenten verzichten auf Gentechnik und auf bestimmte bienengefährdende Spritzmittel. Darüber hinaus fördern sie das Blütenangebot für Bienen. Angeregt von diesem Projekt hat der Internationale Verband der Bienenzüchtervereinigungen Apimondia 2011 das Siegel "Certified Bee Friendly" vorgestellt. Es kann in Zukunft für Lebensmittel, Textilien und Energie verwendet werden. Oder gärtnern Sie selbst? Auch Hausgärtner können Lebensräume und Nahrungsangebote für Insekten schaffen. Säen Sie – ob im Garten oder auf dem Balkon – viele verschiedene einheimische und standortangepasste Blühpflanzen aus – möglichst mit Saatgut aus biologischem Anbau oder von Wildpflanzen. Indem Sie früh, mittel und spät blühende Sorten mischen, verlängern Sie das Blütenangebot für Bestäuber, denen es im Frühjahr und Spätsommer oft an Nahrungsquellen fehlt. Vor allem aber: Wenn Ihnen die Bienen am Herzen liegen, verzichten Sie beim Gärtnern bitte komplett auf chemische Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel. Viele der für Bienen gefährlichen Gifte können ohne Einschränkungen in Baumärkten und Gartencentern gekauft werden, was leider nicht heißt, dass sie ungefährlich sind.

››› Gastbeitrag Greenpeace e. V.

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