In Trippelschritten zu chemiefreier Kleidung

Wie sich eine deutsche Sportmarke dagegen wehrte, auf Chemikalien in ihrer Bekleidung zu verzichten - und schließlich doch nachgab.

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Neongelb waren sie oder neonrosa, quietschgrün, an jedem Fuß anders oder überhaupt ganz bunt – die Fußballschuhe bei der diesjährigen WM fielen auf. Nicht nur die der WM-Profis, nein, natürlich auch die Schuhe für jedermann im Laden leuchten seitdem in allen Farben.  Aber sie enthalten leider schädliche Chemie, das deckte Greenpeace auf.

Es passte Adidas gar nicht in den Kram: Anfang Mai, kurz vor der WM – der Verkauf von Fußball-Fanartikeln kam gerade in Schwung –, veröffentlichte Greenpeace den Report "Rote Karte für Sportmarken". Darin waren 33 WM-Sportartikel auf verschiedene gefährliche Chemikalien getestet worden. Das Ergebnis: Unabhängige Labore hatten in Proben von Adidas, Nike und Puma Schadstoffe wie per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) gefunden.

17 von 21 getesteten Fußballschuhen enthielten diese leider extrem langlebigen Substanzen. Einige der gefundenen Stoffe stören das Hormonsystem, schädigen die Fruchtbarkeit oder können sogar Tumorwachstum fördern. Vor allem Adidas-Schuhe und -Handschuhe schnitten schlecht ab – der PFC-Wert des Schuhmodells "Predator" lag zum Beispiel 14-fach über dem firmeneigenen Grenzwert. Zwar ist diese Konzentration für die menschliche Gesundheit relativ unbedenklich – aber die Stoffe sind sehr umweltschädlich. Sie bauen sich in der Umwelt nicht ab, sondern reichern sich im Wasser und in der Nahrungskette an.

"Was gehen mich Fußballschuhe an?", werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Mehr als Sie denken! Natürlich sind WM-Fanartikel nur ein Puzzleteil im großen Markt der Textilbranche und doch sind sie ein Milliardengeschäft. Hauptplayer sind dabei die Sportmarken Adidas und Nike. Beides Firmen, die sich eigentlich bereits 2011 Greenpeace gegenüber verpflichtet hatten, ihre Produkte bis 2020 auf giftfrei umzustellen. Die aber, das ergaben Tests 2013 und 2014, noch kaum nennenswerte Schritte hin zu sauberer Kleidung unternommen hatten.

Nachdem der Report "Rote Karte für Sportmarken" im Mai veröffentlicht wurde, gingen weltweit Greenpeace-Aktivisten auf die Straße und forderten Adidas auf, einem konkreten Ausstiegsplan für die umweltgefährlichen Chemikalien zuzustimmen. Dazu gehörten konkrete Ausstiegsdaten für die jeweiligen Substanzen ebenso wie mehr Transparenz in der Lieferkette. Denn aus den Produktionsstätten – vor allem in Ländern wie China, Indonesien, Taiwan oder Vietnam – gelangen die Gifte über die Firmenabwässer in Flüsse und Seen und belasten das Trinkwasser der dortigen Bevölkerung. In China beispielsweise gelten mittlerweile fast die Hälfte aller Flüsse und Seen als verschmutzt.

Banneraktion: Protest auf der Adidas-Jahreshauptversammlung in Fürth, Mai 2014

Lange hielt Adidas dem Druck nicht stand, schnell reagierte die Sportfirma mit den drei Streifen auf die Kritik. Nach Gesprächen mit Greenpeace veröffentlichte Adidas schließlich einen konkreten und ambitionierten Ausstiegsplan für PFC: Bis Ende 2017 sind 99 Prozent aller Adidas-Produkte frei davon. Über die Adidas-Website bekommt der Verbraucher Informationen über das verbleibende eine Prozent und kann dann selbst entscheiden, ob er die Produkte mit den umweltschädlichen PFC kaufen möchte.  Auch der Forderung nach mehr Transparenz kam das Unternehmen nach.

Dass es dabei um mehr als ein paar Umweltgifte in Fußballartikeln geht, mag noch ein anderer Aspekt verdeutlichen: Adidas verkauft nach eigenen Angaben annähernd so viele Outdoor- und Sportartikel wie die große Outdoormarke Jack Wolfskin. Wenn Adidas – und hoffentlich auch bald Puma – vormachen, wie Funktionskleidung ohne umweltschädliche Fluorchemie umgesetzt werden kann, sollte das die gesamte Outdoorbranche umkrempeln.

Seit 2011 setzt sich Greenpeace in seiner weltweiten Detox-Kampagne (Detox: Entgifte) dafür ein, dass elf besonders giftige und umweltschädliche Chemikalien-Gruppen bis 2020 aus der Produktionskette der Bekleidungs­industrie verbannt werden. Mal liegt der Aktionsschwerpunkt auf Funktionswäsche, dann auf Kinderkleidung oder Fast Fashion. Luxusmarken werden ebenso unter die Lupe genommen wie Billigklamotten vom Discounter. Denn meist sind umweltfreundliche Produktionsmethoden längst machbar. Leider braucht die Modebranche immer wieder den Druck von Umweltaktivisten und Kunden, bevor sie sich zu vielleicht teureren, dafür aber umweltfreundlicheren Produktionsmethoden durchringt. Aber zum Glück – das zeigt auch der Fall Adidas mal wieder – hören die meisten Modelabels auf die Kritik ihrer Käufer!

››› Gastbeitrag von Greenpeace e. V

Das können Sie tun! Tipps für giftfreie Kleidung

  • Kaufen Sie nur, was Sie wirklich brauchen. Jeder Deutsche hat im Schnitt 20 Kleidungsstücke im Schrank hängen, die er nie getragen hat.
  • Bevorzugen Sie Qualität. Ökologisch ist, was lange getragen wird.
  • Wählen Sie Teile, die nicht nach einer Saison schon wieder out sind.
  • Achten Sie auf Textil-Label. Welche Label vertrauenswürdig sind, finden Sie im Greenpeace-Einkaufsratgeber "Textil-Label unter der Detox-Lupe".