Nachhaltiges Papierleben

Das "Buch der schönsten Bücher" lädt uns auf eine herrliche Reise durch die interessantesten Stationen der Buchkunst ein.

Vermutlich wurde selten so viel und auch so besorgt über das Medium Buch gesprochen wie in jüngster Zeit. Und vielleicht wurde über die Zukunft der gedruckten Bücher tatsächlich seit ihrer Erfindung im 15. Jahrhundert nicht so intensiv nachgedacht wie heute.

Was wird aus diesem vielseitigen Medium auf Papier, was wird aus unserem traditionellen Wissensvermittler zwischen zwei Buchdeckeln? Wohin mag sich die Geschichte des Buches überhaupt wenden, wohin die Geschicke der sogenannten "schwarzen Kunst" – des Buchdrucks? So spekulativ oder hoffnungsfroh, so pessimistisch, kulturfreundlich oder -feindlich die Antworten hierzu ausfallen mögen: Das Buch der schönsten Bücher lädt uns auf eine herrliche Reise durch die interessantesten Stationen der Buchkunst ein.

In zeitlicher Folge begegnen wir bibliophilen Schätzen aus fünf Jahrhunderten. Diese hochkarätige Auswahl der schönsten Bücher beginnt mit einem Lateinlehrbuch von 1471 aus Venedig und endet mit einem Künstlerbuch der international bekannten Designerin Irma Boom aus Amsterdam.

Bei den rund 100 ausgewählten Büchern handelt es sich vor allem um Bildbände, die besonders gelungene Typografie (Schriftkunst) mit ungewöhnlich schönen Abbildungen verbinden. Hier finden sich jene Bücher, die große Projekte der Bildung oder Wissensvermittlung veröffentlichten – wie etwa eine mehrsprachige Bibelausgabe Biblia polyglotta –, oder die mit ungewöhnlichen Themen völlig neue Formen von Buchgestaltung erfanden, wie etwa Elzeviers riesengroßes Handbuch der Fechtkunst von 1623.

Das Buch ist (oder war) das Informationsmedium schlechthin:

Sprachenkenntnis, praktische und theoretische Bildung (vom Kochen bis zum Gärtnern, von der Geometrie zur Philosophie), Schönheit und Träume werden seit Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg über Bücher vermittelt und geteilt. Jedes Buch, das wir aufschlagen, bildet einen Raum – und zwar einen gedanklichen wie einen tatsächlichen. Denn die geöffneten Buchdeckel sind dreidimensional, die Abbildungen auf dem Papier übersetzen zumeist eine räumliche Idee auf die Fläche des Papiers. Indem wir sie anschauen, gewinnen diese Bilder wieder ihren Raum. Wir riechen das Papier, vielleicht die Druckerschwärze, wir sind geborgen zwischen den geöffneten Seiten, vielleicht erinnern wir uns an die Kindheit, wenn ein zugewandter Mensch uns vorlas und die Stimme sich mit dem Buch verbunden hat.

Dieser prächtig illustrierte Bildband versammelt die schönsten Bücher aller Zeiten: von Bibeldrucken über Atlanten, von Gartenbüchern über Kochbücher, Breviers bis hin zu Kinderbüchern und ausgewählten Künstlerbüchern des 20. Jahrhunderts. Die kunstvollen Bände werden mit ihren besonderen Illustrationen oder Fotografien und wegweisender Schriftkunst jeweils mit zahlreichen Abbildungen und einem einführenden Text vorgestellt.

Die Lektüre wird gleichsam zu einem unterhaltsamen und lehrreichen Spaziergang durch eine verwunschene Bibliothek. Zugleich erlebt jeder Leser hier eine sehr interessante Mediengeschichte, denn die Texte beschreiben auch die verschiedenen Rollen und die Erfolge – und Misserfolge – die diese großen Buchprojekte in ihrer eigenen Zeit für die Autoren, die Drucker und die Verleger jeweils bedeuteten.  Dieser einzigartige Einblick in die technische und künstlerische Entwicklung des Buchdrucks seit seiner Erfindung zeigt auch, wie sehr sich nicht nur unser Blick auf die Welt, sondern auch deren Wiedergabe – das Bild der Welt – im Medium Buch durch die Jahrhunderte wandelt: Was für seltsame Länder finden sich in den frühen Atlanten oder welchen wahrhaft fantastischen Geschöpfen begegnen wir in den einzigartigen Tierbüchern des 16. Jahrhunderts. Mit der Erfindung der Fotografie verändern sich die Bücher in Fotobände und je näher wir der Gegenwart kommen, umso spannender wird die Frage, wohin sich das gute alte Buch wohl entwickeln wird.

"Das Buch der schönsten Bücher"

Mathieu Lommen und Cees W. de Jong (Hg.),
464 Seiten (mit ca. 610 farbigen Abbildungen),
Hardcover, DuMont Buchverlag, Köln 2012,
ISBN 978-3-8321-9378-2, 49,95 Euro.

DuMont Buchverlag

Im "Buch der Bücher" findet sich die von allen Bücherfreunden so gerne zitierte Zeile: "… die Welt würde die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären" (Joh. 21, 25). Während scheinbar alle vom E-Book reden, erlebt das "schöne Buch" dieser Tage eine erfreuliche Renaissance. Denn in einer Zeit der immer schnelleren und flüchtigen Informationen verkörpert ein sorgfältig herausgegebenes Buch vieles von dem, was uns Menschen glücklich macht: Beständigkeit, Ruhe und Zuverlässigkeit. Kurzum, gute Bücher eröffnen einen ganz eigenen Wahrnehmungsraum in der schnellen, unruhigen Welt um uns herum.

Und so verbindet den DuMont Buchverlag mit Alnatura – neben vielem anderen – vor allem der heute so bedeutsame Begriff der Nachhaltigkeit: Wie viele Lebensmittel werden inzwischen auch Bücher häufig nur noch auf die möglichst rationellste und preisgünstigste Weise produziert – ob dies aber immer die für uns Menschen bekömmlichste Lösung ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Deshalb setzt DuMont mehr denn je auf Sorgfalt und Umsicht beim Verlegen von Büchern, die nicht nur die Leser von heute, sondern auch deren Kinder und Enkel erfreuen sollen. Im Strom der unbegrenzten Informationsflut ist ein Buch wie ein Anker, der uns Halt gibt – und damit tatsächlich zu unserem Glück beitragen kann!