Öldispersionsbad

Wer kennt es nicht, dieses wunderbare Gefühl, innerlich vollkommen durchwärmt und gleichzeitig entspannt zu sein? Das ist seelisches Wohlbefinden!

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Auf der anderen Seite kennen wir natürlich auch das Gefühl zu frösteln. Hände und Füße sind kalt. Wir ziehen uns in uns selbst zurück. Dabei verkrampfen wir oft, alles wird eng. Allerdings empfindet jeder Mensch Wärme und Kälte anders, jeder hat seinen individuellen Wärmeorganismus. Die Körperwärme wird über das Blut reguliert und beeinflusst ganz verschiedene Stoffwechselprozesse. Auch unsere körpereigene Abwehr ist eng mit der Körperwärme verknüpft. Unsere Vitalfunktionen, wie Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel, arbeiten optimal bei einer Körpertemperatur von 37 Grad Celsius, die jedoch über den Tag rhythmisch schwingt. Wenn diese Rhythmik gestört ist, geraten wir aus dem Gleichgewicht und drohen zu erkranken.

Heilsame Wasser-Öl-Mischung

Hier setzen die sogenannten Öldispersionsbäder (oder Jungebäder) an. Diese spezielle Badetherapie, die im Rahmen der Anthroposophischen Medizin eingesetzt wird, gilt (noch) als Geheimtipp. Die Bäder wirken unmittelbar auf den Wärmeorganismus und regen die Eigenwärme des Menschen heilend an. Dazu gehen Wasser und Öl eine ganz besondere Verbindung ein. Ermöglicht wird dieser Prozess durch ein spezielles, von Werner Junge erfundenes Glasgerät, das – an einen Wasserschlauch angeschlossen – das Öl im Badewasser ohne Zusatz von Emulgatoren verteilt. Das zuströmende Wasser löst sich durch die Apparatur in winzige Tröpfchen auf und bekommt dadurch eine bis zu 2 500-mal größere Oberfläche. Das durch den Wasserwirbel eingesaugte Öl legt sich nun wie ein Mantel um jedes winzige Wassertröpfchen und kann so die natürliche Schutzbarriere der Haut passieren. Es gelangt in die tieferen Hautschichten und ins Blut, wo es dann seine heilende Wirkung entfaltet. Als Basis wird oft Olivenöl eingesetzt, angereichert mit ätherischen oder Auszugsölen. Aber auch andere Basisöle wie Schwarzkümmelöl, Leinöl oder Torföl werden verwendet. Metalle wie Kupfer oder Gold können ebenfalls zugesetzt werden. Basisöl und Zusätze variieren je nach Krankheitsbild und individueller Konstitution des Patienten.

Eintauchen in die Wärme

In der Wanne umfängt das warme Wasser den Badenden. Ein zarter Ölfilm legt sich weich um die Haut. Das Öl wird nun förmlich eingeatmet. In dieser Atmosphäre verliert sich Anspannung und löst sich seelische Last. Der Badende kann innehalten und zu sich selbst kommen. Nach einer Ruhezeit von zehn Minuten beginnt die Therapeutin, den Patienten von den Füßen bis zu den Schultern in einer fließenden und rhythmischen Bewegung zu bürsten. Die sogenannte Bürstung verstärkt in erster Linie die Durchblutung der Haut, weckt die Sinne und regt die Lebenskräfte an. Danach folgen eine kurze Ruhephase und anschließend die Nachruhe, für die der Patient in körpergroße warme Flanelltücher vollständig eingewickelt wird, auch der Kopf wird bedeckt. Das Gesicht bleibt frei. In diesem Kokon entwickelt der Patient nun seine eigene Wärme. Viele entspannen dabei so sehr, dass sie einschlummern. Danach ist man wieder wunderbar bei Kräften!

Öldispersionsbäder sind vielfältig einsetzbar

Sie lindern Beschwerden bei Hautkrankheiten, Erkrankungen des Bewegungsapparates, bei Schmerzzuständen und Erschöpfung, Nervosität und Schlafproblemen, psychosomatischen Erkrankungen, Entwicklungsstörungen, Krebserkrankungen, Herz- und Kreislauferkrankungen und Stoffwechselstörungen. Ein Beispiel: Eine Patientin, Mitte dreißig, kam wegen ihrer Neurodermitis und weil sie vor allem nachts immer stark fror auf Empfehlung ihrer Ärztin zur Ölbadbehandlung. Schon nach dem ersten Bad in Rosenöl und Schachtelhalm empfand sie unmittelbar eine »nährende, hüllende Kraft«. Nach weiteren Terminen fühlte sie sich neu erwärmt, auch noch Tage nach dem Bad. Auch ihre Hände und Füße fühlten sich wärmer an. Schließlich besserte sich auch das nächtliche Frieren. Die Patientin berichtete im Laufe der Therapie davon, dass sie den Eindruck habe, wieder besser für sich sorgen und klarere Grenzen ziehen zu können. Trockenheit, Juckreiz und Brennen der Haut besserten sich ebenfalls deutlich. Lebensfreude und Vitalität kehrten zurück. Der Patientin wurde endlich wieder warm – auch innerlich.

››› Gastbeitrag Beate Motte

Beate Motte

Beate Motte ist Pharmazeutin und Badetherapeutin. Sie ist als Therapeutin für Öldispersionsbadetherapie in ihrer eigenen Praxis in Berlin-Mitte tätig: beatemotte.de

Mehr Interesse?

  • oelundwasser.de
    Internationaler Verein für Öldispersionsbadetherapie nach Werner Junge e.V.
  • Joop van Dam, Pauli van Engelen:
    "Heilpflanzen für die Äußeren Anwendungen. Ein Arbeitsbuch", 12 Euro, erhältlich über den Internationalen Verein für Öldispersionsbadetherapie: sekretariat@oelundwasser.de
  • Kostenübernahme?
    Bei ärztlicher Verordnung und im Rahmen der "Integrierten Versorgung" erstattet die Krankenkasse BKK VBU (als erste Krankenkasse bundesweit) jährlich bis zu sechs Termine Öldispersionsbadetherapie.