Wirkt Essen auf Körper, Seele und Geist?

Verlassen wir uns beim Essen auf unsere Sinne und merken selbst, was uns guttut für Körper, Seele und Geist?

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Als "aufgeklärte" Menschen des 21. Jahrhunderts wünschen viele sich wissenschaftliche Beweise zur Wirkung von Nahrung. In der Demeter-Gemeinschaft wird daran geforscht – oft mit ungewöhnlichen Methoden.

Der Demeter e. V. als Organisation der biodynamischen Erzeuger, Hersteller und Händler kooperiert eng mit dem Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise. Dessen Hauptaktivitätsfelder sind die Forschungsbereiche Boden und Düngung, Biodynamische Präparate und Lebensmittelqualität. Da konnte zum Beispiel nachgewiesen werden, dass Möhren aus biodynamischer Agrarkultur besonders gut zu lagern sind und Demeter-Rote-Bete ein günstiges Verhältnis zwischen erwünschten und weniger erwünschten Fettsäuren aufweist.

Dr. Uwe Geier vom Forschungsring hat einen psychologischen Test entwickelt, mit dem KonsumentInnen selbst sehr schnell unmittelbar feststellen können, wie welche Lebensmittel auf sie wirken. Zeigen Lebensmittel eine Wirkung auf Stimmung und  körperliches Befinden und, wenn ja, welche? Für die wissenschaftliche Erforschung dieser Frage gab es bisher keine entsprechende Methode. Uwe Geier hat da gemeinsam mit einem Sensorik-Labor Pionierarbeit geleistet. Die Experimente, die wie ein wissenschaftlicher Sensoriktest aufgebaut sind, finden in entspannter Atmosphäre statt.

VerbraucherInnen nehmen das Lebensmittel wie Dinkeltoast, Kartoffel, Möhre oder Milch zu sich und horchen in sich hinein, spüren ihren körperlichen Reaktionen nach. Die Rückmeldungen sind frappierend: "Schon mit dem ersten Bissen wurden Hände und Füße kühler." – "Am Ende hatte ich das Gefühl eines Energieschubs in der Brust." – "Meine Laune hebt sich, ich fühle mich voller Energie, erfrischt." Oder auch: "Ich habe einen verschlossenen Ausdruck." – "Um mich wird alles grau." – "Mein Körper sackt ein wenig in sich zusammen." Beeindruckend sind die spürbaren Unterschiede zwischen einer konventionell und einer biodynamisch gezüchteten Karotte, einer herkömmlichen Milch und einer Demeter-Milch. Fühle ich mich nach dem Verzehr des Lebensmittels eher leicht oder schwer? In Ruhe oder Unruhe? Wach oder müde? Wer beobachtet das schon an sich selbst, wenn er Schokolade nascht oder die Karotte knabbert?

Nonnen in einem Kloster merkten bei einer Vorstudie zur Qualitätsbeurteilung von Demeter-Essen, dass sich ihre körperliche und seelische Befindlichkeit deutlich verbesserte. Die Schwestern im Kloster Heiligenbronn im Schwarzwald hatten sich auf das Experiment eingelassen, ihre Nahrung für einige Wochen vollständig auf biologisch-dynamisch erzeugte Demeter-Produkte umzustellen und die Folgen der Umstellung medizinisch und psychologisch untersuchen zu lassen. Ergebnis dieser Vorstudie: Körperliche Beschwerden der Versuchspersonen nahmen ab, der Blutdruck normalisierte sich, der Immunstatus veränderte sich, die geistige Regsamkeit nahm zu, das allgemeine körperliche und seelische Wohlbefinden war besser.*

Einen ganz eigenen Ansatz, der sich auch in der Arbeit von Uwe Geier niederschlägt, verfolgt seit zehn Jahren die Gesellschaft für Bildekräfteforschung.** Aus der kleinen Gruppe um Initiator Dorian Schmidt ist inzwischen eine über 85 Mitglieder starke Organisation gewachsen, die mehr als 20 Arbeits­gruppen in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und in Großbritannien unterhält. Gemeinsames Ziel ist es, mit der Bildekräfteforschung Aussagen zur Wirkung von Lebensmitteln, Wasser und Technik zu treffen. Dabei wird auch an Demeter-Nahrung geforscht.

Unter Bildekräften versteht die biologisch-dynamische Landwirtschaft den gesamten Komplex feinstofflichen Wirkens, das zu allen Lebensprozessen in der Natur gehört. Bei diesem geisteswissenschaftlichen Zugang geht es darum, durch feine Wahrnehmung herauszufinden, ob zum Beispiel eine biodynamisch gezüchtete Möhrensorte eine lichtvolle und innerlich aufrichtende Wirkung im Menschen hat oder ob beispielsweise Unterschiede zwischen konventionell, ökologisch und biodynamisch erzeugtem Honig erkennbar sind. Die Antwort darauf: Ja, die spezifischen Maßnahmen der Demeter-Imkerei führen zu einem erkennbaren Qualitätsunterschied im Honig. Bildekräfteforscher Markus Buchmann aus der Schweiz kam zu dem Ergebnis: "Honigproben aus den unterschiedlichen Bienenhaltungssystemen einer Region ließen sich gut voneinander unterscheiden. Die fünf Proben aus Demeter-Bienenhaltung zeichneten sich durch einen hohen Grad an Komplexität in der Bildekräftegestaltung aus. Charakteristisch für sie war, dass eine seelische Ebene mitschwingt und geistige Bereiche angesprochen werden." Bei Untersuchungen von Babykost aus Möhren ließ sich analysieren, dass die Sterilisation der Gläschen im Autoklaven, der mit hohem Druck arbeitet, zu einem Verlust der möhreneigenen Bildekräfte führt. Für die Hersteller von Demeter-Babynahrung, denen es um ganzheitlich gute Qualität geht, die die Entwicklung des kleinen Menschen fördert, sind das wesentliche Hinweise.

Jenifer Wohlers hat an der Uni Kassel-Witzenhausen zur Milchqualität aus Sicht der Bildekräfteforschung  geforscht. Ihr Fazit: "Es ist auffällig, wie sensibel Milch auf Umwelteinflüsse wie etwa Verpackung reagiert. Auch die Umstände, unter denen die Kuh die Milch erzeugt, sind von Bedeutung." Hier warten viele sehr spannende Fragen auf ihre wissenschaftliche Bearbeitung.

* vgl. demeter.ch/de/pdf/ernaehrungsstudie.pdf
** gesellschaft-fuer-bildekraefteforschung.de 

Renée Herrnkind

Renée Herrnkind, nach dem Abitur Volontariat bei einer Frankfurter Tageszeitung, danach sieben Jahre Redakteurin. Seit 1980 eigenes Journalistinbüro „Schwarz auf Weiß“ in Wetzlar mit dem Arbeitsschwerpunkt ökologische Themen.