Kulturgut Pflanze

Ein Gastbeitrag von Renée Herrnkind.

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Pflanzen sind die Basis der menschlichen Ernährung. Entweder direkt durch das tägliche Brot, die Vollkornnudel, den Salatkopf, den Apfel – oder indirekt durch Produkte von Tieren, die sich von Pflanzen ernähren. Die Basis gesunder Pflanzen ist nach biodynamischem Verständnis ein lebendiger Boden. Er stellt die Nährstoffe zur Verfügung, die sich die Pflanze regelrecht erarbeiten muss. Neben der seit Jahrhunderten bewährten Düngepraxis mit Mist und Kompost kommt bei Demeter der dynamische Aspekt durch die auf die Lebenskräfte zielenden Biodynamischen Präparate hinzu. Entscheidend ist natürlich auch, welches Saatgut in die fruchtbare Erde kommt. Im Samen konzentrieren sich Kräfte und Eigenschaften der Pflanze. Deshalb ist die biodynamische Züchtung eigener Sorten bei Gemüse und Getreide so wichtig. Im Einklang mit der Natur entstehen fruchtbare Pflanzen, die optimal an die Anforderungen des ökologischen Landbaus angepasst sind. Und höchste Ernährungsqualität garantieren. Auch auf den Geschmack selektieren die Züchter – und die Kunden bemerken den Unterschied und loben die Bekömmlichkeit der Produkte.

Die Saatgutfrage konfrontiert immer wieder aufs Neue mit grundsätzlichen Werten. Eine wesensgemäße Pflanzenzüchtung gehört zu den Prinzipien der biodynamischen Arbeit. Um sie zu stärken, ist Unterstützung nötig. Nur wer eigenständige Sorten für gesundes, wohlschmeckendes Gemüse und Getreide entwickelt und nutzt, wird unabhängig von der Agrarindustrie, die im Labor die Würde der Pflanzen negiert und vor gentechnischen Eingriffen nicht zurückschreckt. Fruchtbare Pflanzen garantieren Vielfalt, sind regional angepasst und bleiben als Kulturgut vermehrbar. Schon seit über 30 Jahren entwickeln biodynamische Gärtner Gemüsesorten im Einklang mit der Natur. Auch bei Getreide gibt es Züchtungen von neuen Sorten. Als erster Bio-Verband hat Demeter 2008 Richtlinien für Pflanzenzüchtung formuliert. Inzwischen werden biodynamisch gezüchtete Sorten zertifiziert. Für jede Sorte muss eine Werdegangbeschreibung veröffentlicht werden. Bei den jährlichen Kontrollen durch die unabhängigen, staatlich zugelassenen Bio-Kontrollstellen wird der Züchtungsprozess im Biodynamischen mit überprüft. Übrigens: Auch Hobbygärtner können sich für biodynamische Sorten entscheiden.

Damit Saatgut nicht immer mehr zum Wirtschaftsgut, zum Rohstoff der Biotechnologie und Börsen wird, muss die Züchtungsforschung gefördert werden. "Patente und Gentechnik widersprechen dem ganzheitlichen Ansatz des Ökolandbaus. Vielfalt, Geschmack, Ernährungsqualität und Fruchtbarkeit sind dagegen die wesentlichen Ziele einer zukunftsorientierten Züchtung", betont Oliver Willing von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft bei der GLS-Bank. Daher fördert ihr Saatgutfonds mit über 4.000 Spendern und Spenderinnen den Aufbau einer ökologischen Züchtungsforschung und sucht weitere Mitstreiter, denn Züchtung ist langwierig und teuer. Die Entwicklung einer Demeter-Getreidesorte kostet etwa 600.000 Euro und dauert zehn bis zwölf Jahre.

Was spricht für Demeter-Getreideprodukte? Biodynamische Getreidezüchtung mit Selektion nach Vitalität, Aroma und Bekömmlichkeit sowie zertifizierten Sorten, die hohe Reifequalität garantieren, der Ausschluss von Hybridsorten für den Getreideanbau, die Bewahrung alter (Hof-)Sorten inklusive Förderung regionaler Vielfalt und der charakteristische Geschmack.

Vielen Konsumenten wird der Faktor Regionalität immer wichtiger. Über 1.400 Demeter-Bauern und -Gärtner in allen Regionen Deutschlands arbeiten biodynamisch. Sie kultivieren mehr als 60.000 Hektar Fläche und erzeugen hochwertige, ­vitale Lebensmittel.

Regionalität

Was nah und vertraut ist, verbindet uns nicht zuletzt mit den Menschen, die vor unserer Haustür wirken. Wen wir persönlich kennenlernen können, dem vertrauen wir eher. Komplexe Wirtschaftskreisläufe, wie sie durch die Globalisierung weltweit greifen, verunsichern und verstärken den Trend zur Regionalisierung als Gegenpol. Demeter-Bauern laden jetzt im Sommer gern zu Hoffesten und öffnen Ställe und Scheunen – die beste Gelegenheit, Biodynamiker in der Nähe kennenzulernen (siehe Infos unten).

Was zeichnet regionale Produkte der Demeter-Erzeuger aus? Sie sind frisch und schmecken aromatisch, weil sie reif geerntet werden. Sie sind deshalb reich an wichtigen sekundären Pflanzenstoffen und Vitaminen. Sie erhöhen die Transparenz beim Einkauf. Die Lebensmittelproduktion lässt sich nachvollziehen. Sie schonen die Umwelt durch verringerten Transportaufwand, weniger Lärm, Schmutz und Abgase. Sie tragen zum Tierschutz bei und fördern Arbeitsplätze in der Region. Sie erhalten, gestalten und pflegen die Kulturlandschaft. Sie sind saisonal und verbinden uns mit dem Rhythmus der Jahreszeiten.

Renée Herrnkind

Renée Herrnkind, nach dem Abitur Volontariat bei einer Frankfurter Tageszeitung, danach sieben Jahre Redakteurin. Seit 1980 eigenes Journalistinbüro „Schwarz auf Weiß“ in Wetzlar mit dem Arbeitsschwerpunkt ökologische Themen.

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