Biodynamisches Netzwerk für Qualität im Handel

Anspruchsvolle Produkte benötigen Identifikationsmöglichkeiten, Hintergrundwissen, Service und Beratungskompetenz. 

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Pfingsten 1924 gab Rudolf Steiner mit seinem "Landwirtschaftlichen Kurs" den Impuls für die Biodynamische Wirtschaftsweise. Schon vier Jahre später wurde das dazugehörige Warenzeichen eingeführt, das sich mit dem Namen "Demeter" auf die griechische Göttin der Fruchtbarkeit und der Erde bezieht. Seine Vergabe basierte bereits vor 86 Jahren auf klaren Qualitätsvorgaben für die zu erzeugenden Güter. Sie werden seither kontinuierlich weiterentwickelt und sind für alle Konsumenten nachlesbar.

Das Markenzeichen Demeter für Produkte aus Biodynamischer Wirtschaftsweise dürfen ausschließlich die regelmäßig kontrollierten Vertragspartner nutzen – in Deutschland sind das rund 330 Verarbeiter und fast 1.500 Landwirte. Sie erzeugen und verarbeiten nicht nur Rohstoffe, sondern agieren als unternehmerisches Netzwerk mit klaren Zielen: Förderung der Biodynamischen Wirtschaftsweise, Sicherung der Lebensgrundlagen auf dem Planeten Erde, Stärkung des Menschen in seinem positiven Wirken dank passender Lebensmittel. In dieser Kooperation tragen Erzeuger, Verarbeiter, Händler und Verbraucher unabhängig von der jeweiligen individuellen Ausrichtung partnerschaftlich zur Marktgestaltung bei.

Steiners kritischer Blick auf eine Wirtschaftsordnung, die das Geld selbst zur Ware macht und eine Trennung von Arbeit und Produkt herbeiführt, inspiriert die Demeter-Markengemeinschaft zu eigenen Ansätzen für ein geschwisterliches Wirtschaften. Demeter-Mitglieder erproben Elemente des assoziativen Wirtschaftens. Der Anspruch lautet: Transparenz auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette verwandelt diese in eine Wertschätzungskette. Kriterien fairer Zusammenarbeit sollen Bestandteil der Betriebsentwicklungsgespräche bei Erzeugern, Herstellern und Händlern sein. Der Bio-Verband Demeter ermöglicht auch die Mitarbeit der Verbraucherinnen und Verbraucher. In der Delegiertenversammlung sind neben Erzeugern, Verarbeitern und Händlern auch Konsumenten vertreten. Verbraucher, die Fördermitglied werden, können im "Fachbeirat Verbraucher" mitreden.

Der Wirtschaftsforscher Claus Otto Scharmer, aufgewachsen auf einem Demeter-Hof in Norddeutschland und heute am MIT in Boston lehrend und forschend tätig, ermutigt dazu, die biodynamischen Höfe zum Keimort für eine neue Art von sozialem Miteinander in Gemeinschaften, Kooperationen, solidarischen Formen der Landwirtschaft und ungewöhnlichen Modellen zu entwickeln. Viele gute Beispiele gehen bereits in diese Richtung: Zehn Prozent der deutschen Demeter-Betriebe sind in gemeinnütziger Trägerschaft organisiert, auf zahlreichen Höfen werden Menschen mit Handicaps in sinnvolle Arbeit integriert, pädagogische und kulturelle Angebote bereichern die Regionen. Das Handeln aus einem gemeinsamen Bewusstsein heraus übt einen starken Reiz aus. So entstehen Bauernhöfe, die mit Kunden eine solidarische Landwirtschaft in Wirtschaftsgemeinschaften oder CSA-Modellen praktizieren. CSA (Community-Supported Agriculture) ist ein in den Vereinigten Staaten entstandenes Konzept, inspiriert von den Ideen Rudolf Steiners.

Im Einzelhandel werden die Produkte aus der Biodynamischen Wirtschaftsweise in Einkaufsstätten angeboten, die ebenfalls an Qualität orientiert sind. Anspruchsvolle Produkte benötigen Identifikationsmöglichkeiten, Hintergrundwissen, Service und Beratungskompetenz. Gemeinsam mit seinen Partnern bemüht sich Demeter, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Das trägt Früchte: Bei Kundenbefragungen wird der Marke Demeter höchste Sympathie, Glaubwürdigkeit und Bekanntheit attestiert.

Renée Herrnkind

Renée Herrnkind, nach dem Abitur Volontariat bei einer Frankfurter Tageszeitung, danach sieben Jahre Redakteurin. Seit 1980 eigenes Journalistinbüro „Schwarz auf Weiß“ in Wetzlar mit dem Arbeitsschwerpunkt ökologische Themen.

Mehr Interesse?

Biodynamische Landwirtschaft heute. 90 Jahre Landwirtschaftlicher Kurs Koberwitz, Ueli Hurter (Hg.), Verlag am Goetheanum, Dornach 2014. Die weltweite biodynamische Bewegung, entstanden aus dem Impuls von 1924, wird in diesem Buch von kompetenten Autoren mit vielfältigen Beiträgen dargestellt. Die Dokumentation gibt einen Überblick über die Kerngedanken der Biodynamischen Wirtschaftsweise und darüber, wie sie sich in den 90 Jahren seit Koberwitz in der weltweiten biodynamischen Bewegung ausgestaltet haben.

Evolutive Agrarkultur. Landwirtschaft nach dem Bildeprinzip des Menschen. Eine Skizze. Nikolai Fuchs, Verlag Lebendige Erde Demeter e. V., Darmstadt 2014.

Leading from the Emerging Future: From Ego-system to Ecosystem Economies. Claus Otto Scharmer und Kathrin Käufer, Berrett-Koehler 2013.