Die Zähne

Die Zähne haben zwei primäre Aufgaben: Zum einen dient das Kauen der Nahrungsverarbeitung, zum anderen setzt der Mensch Kiefer und Zähne zur sprachlichen Auseinandersetzung und zum sozialen Dialog ein.

Anthroposophische Medizin

Schon Homer wusste: »Hüte das Gehege deiner Zähne«.

Denn unsere Zähne sind viel mehr als reine Beißwerkzeuge. Sie sind ganz besonderer Ausdruck unserer kommunikativen Individualität – und damit Organe zum Ausdruck menschlichen Denkens. Mit unserem individuellen Antlitz, zu dem auch Zähne und Gebiss gehören, stehen wir als erkennbares Individuum (Ich) der Welt und anderen Individuen (Du) gegenüber.

Die Zähne haben zwei primäre Aufgaben: Zum einen dient das Kauen der Nahrungsverarbeitung, zum anderen setzt der Mensch Kiefer und Zähne zur sprachlichen Auseinandersetzung und zum sozialen Dialog ein. Im Laufe der menschlichen Biografie wandelt sich das Gebiss. Die Milchzähne werden von den bleibenden Zähnen abgelöst, schließlich markieren die Weisheitszähne den Abschluss der Gebissentwicklung. Diese Zähne könn(t)en problemlos bis zum Lebensende halten, in der Realität führen allerdings Karies, Parodontitis (Zahnfleischentzündung) oder Stellungsanomalien (Zähne oder Kiefer wachsen schief) oft zu frühzeitigem Zahnverlust.

Vorsorge ist alles
Dem Zahnverlust kann erfolgreich entgegengewirkt werden – zum Beispiel durch eine gesunde, vollwertige Ernährung. Zucker fördert Karies und Parodontitis. Da auch nachgewiesen ist, dass Stress und Überforderung Karies begünstigen, ist eine ausgeglichene Lebensweise auch für die Zahngesundheit empfehlenswert.

Selbstverständlich kommt es zudem auf eine entsprechende Mundhygiene an – am besten beim Zahnarzt erlernt. Obwohl die häufigste Ursache für die Entzündung des Zahnfleisches Ablagerungen (Zahnstein) oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrandes sind, kann auch das Zahnfleisch eines sauberen Zahnes erkranken. In einem solchen Fall setzt die Anthroposophische Medizin darauf, die Nervensinnestätigkeit und den Stoffwechsel mit spezifischen Arzneimitteln neu zu balancieren.

Kinderzähne stärken
Bei Kindern und Heranwachsenden ist die Prophylaxe besonders wichtig. Schon im Milchzahnalter ist eine ausgewogene, zuckerarme Ernährung entscheidend. Geht ein Milchzahn vorzeitig verloren, fehlt dem bleibenden Zahn der Platz: Zahn- und Kieferanomalien können die Folge sein.

Das ganzheitliche Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sieht auch in der Zahnheilkunde viele Wechselwirkungen zwischen Körper, Geist und Seele. So kann die kindliche Zahnentwicklung zum Beispiel gestärkt werden, indem die Geschicklichkeit von Händen und Füßen geübt wird – im Spiel, beim Lernen, in der Bewegung oder auch beim Musizieren. Ergänzend kann der anthroposophische Arzt beispielsweise Auszüge aus der Rosskastanien-Rinde (Aesculus Cortex) oder Blattgrün (Chlorophyll) einsetzen.

Aus der Anthroposophie ist außerdem der enge Zusammenhang von aufrechtem Gehen, Sprechen und Denken bekannt. Deshalb ist es eine wichtige Form der Prophylaxe, dass das Kind den durchaus mühevollen Prozess der Aufrichtung mit allen seinen Stadien (z. B. Kopf heben, Rollen, Krabbeln, Stehen, Gehen) in Ruhe erüben und erlernen kann. Damit wird eine wichtige Voraussetzung für den Spracherwerb und somit für das spätere Denken geschaffen. Wird dieser Prozess gestört, können Schluckstörungen, Sprachfehler und Fehlstellungen der Zähne die Folge sein. Heilsam und harmonisierend können sich in einem solchen Fall die anthroposophischen Therapieformen, wie beispielsweise Heileurythmie oder therapeutische Sprachgestaltung, auswirken.

››› Dr. med. dent. Wolfgang Güldenstern (Rastede-Wahnbek), anthroposophischer Zahnarzt

"Anthroposophie" heißt wörtlich "Mensch" (anthropos) und "Weisheit" (sophia). Dieser Ansatz geht auf Rudolf Steiner (1861 – 1925) zurück, der die Anthroposophische Medizin zusammen mit Dr. Ita Wegman (1876 – 1943) entwickelte. Das umfassende Menschenbild, das der Anthroposophischen Medizin zugrunde liegt, ermöglicht es dem Arzt, die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele besser zu verstehen. Dabei unterscheidet die Anthroposophische Medizin zwischen Körper (physischer Leib), Lebensorganisation (Ätherleib), Seelenorganisation (Astralleib) und Ich-Organisation (geistige Individualität). Wichtig ist, dass sich die Anthroposophische Medizin nicht als Alternative, sondern als Ergänzung und Erweiterung zur konventionellen Medizin versteht. Sie wird heute sowohl ambulant als auch stationär praktiziert und forschend weiterentwickelt. Seit 1976 ist die Anthroposophische Medizin in Deutschland gesetzlich verankert und anerkannt.