Die Leber

Neben der Produktion von Zuckern, Fetten und lebenswichtigen Eiweißen ist es die Aufgabe der Leber, Endprodukte der Verdauung sowie Giftstoffe wieder abzubauen, damit sie dem Organismus nicht schaden können.

Anthroposophische Medizin

Still und leise erbringt die Leber tagein, tagaus Höchstleistungen. Dabei ist sie etwas ganz Besonderes – nämlich ein soziales Organ. Ihre größte Leistung besteht darin, dass sie ihren Stoffwechsel kontinuierlich auf die anderen Körperorgane ausrichtet, "hört" was die anderen Organe gerade benötigen und dieses zur Verfügung stellt.

Neben der Produktion von Zuckern, Fetten und lebenswichtigen Eiweißen, aus denen sich beispielsweise später Hormone und Blutkörperchen zusammensetzen, ist es die Aufgabe der Leber, Endprodukte der Verdauung sowie Giftstoffe wieder abzubauen, damit sie dem Organismus nicht schaden können. Die soziale Ausrichtung der Leber geht sogar noch weiter: Leberzellen verfügen über die erstaunliche Fähigkeit, im Notfall sich selbst zu zerstören, wenn sie bemerken, dass sich ein Virus eingenistet hat. Damit wird verhindert, dass das Virus die Leber nutzt, um sich weiter im Körper zu vervielfältigen und andere Organe zu schädigen. Darüber hinaus produziert die Leber mit ihrem eigenen Gewicht von 2,5 Prozent des Gesamtkörpergewichts die Gallenflüssigkeit und wird deshalb auch als die größte Drüse des menschlichen Organismus bezeichnet.

Unermüdlich ist die Leber mit dem Aufbau und der Synthese von Stoffen und mit der eigenen Regeneration sowie mit der des Gesamtorganismus beschäftigt. In der Perspektive der Anthroposophischen Medizin hat die Leber aber noch weitere wichtige Aufgaben: Eine gesunde Lebertätigkeit ist für den Menschen die Voraussetzung dafür, Pläne und Vorstellungen auch couragiert in die Tat umsetzen zu können.

Jede Menge Aufgaben für die Leber also – und gleichzeitig können Viren, Schadstoffe sowie eine ungesunde Lebensweise in der Leber Funktionsstörungen bis hin zu schwerwiegenden Krankheitsbildern (wie zum Beispiel die chronische Hepatitis C) hervorrufen. Leider ist es nicht ganz leicht, die schleichenden Krankheitsprozesse der Leber mit den herkömmlichen Diagnoseverfahren aufzuspüren. Und wenn sich die Leber wirklich bemerkbar macht, sind meist schon sehr viele Leberzellen beschädigt beziehungsweise vernichtet. Umso wichtiger ist es, Belastungen der Leber möglichst zu vermeiden. Denn Ursachen von Störungen und Krankheiten der Leber sind meist vor allem zu starker Alkoholkonsum, eine unausgewogene Ernährung, Bewe gungsmangel und langzeitige Medikamenteneinnahme. Auch andauernder Stress im Alltag hält die Leber von ihrer eigentlichen Aufgabe, der Entgiftung, ab. Dadurch werden die Erholungszeiten, in denen die Leber ihre Abbauphasen einleitet, im mer kürzer. Der Stoffwechsel hat dann weniger Zeit, um seinen Aufgaben für den Organismus nachzukommen. Wer seine Leber – sowie seinen gesamten Organismus – un terstützen will, dem seien Entspannungstechniken sowie meh rere kleinere, über den Tag verteilte und fettarme Mahlzeiten empfohlen. Übermäßiger Alkoholgenuss ist mit Abstand die häufigste Ursache von Leberschäden. Weniger ist mehr: Im Interesse der Leber sollten Frauen nicht mehr als 25 Gramm und Männer nicht mehr als 30 Gramm Alkohol pro Tag konsumieren und dies auch nur maximal ein- bis zweimal pro Woche.

››› Dr. med. Harald Matthes, Facharzt für Innere Medizin, Ärztlicher Leiter des anthroposophischen Gemeinschaftskranken hauses Havelhöhe in Berlin

"Anthroposophie" heißt wörtlich "Mensch" (anthropos) und "Weisheit" (sophia). Dieser Ansatz geht auf Rudolf Steiner (1861 – 1925) zurück, der die Anthroposophische Medizin zusammen mit Dr. Ita Wegman (1876 – 1943) entwickelte. Das umfassende Menschenbild, das der Anthroposophischen Medizin zugrunde liegt, ermöglicht es dem Arzt, die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele besser zu verstehen. Dabei unterscheidet die Anthroposophische Medizin zwischen Körper (physischer Leib), Lebensorganisation (Ätherleib), Seelenorganisation (Astralleib) und Ich-Organisation (geistige Individualität). Wichtig ist, dass sich die Anthroposophische Medizin nicht als Alternative, sondern als Ergänzung und Erweiterung zur konventionellen Medizin versteht. Sie wird heute sowohl ambulant als auch stationär praktiziert und forschend weiterentwickelt. Seit 1976 ist die Anthroposophische Medizin in Deutschland gesetzlich verankert und anerkannt.