Das Immunsystem

Alle Teile des über den ganzen Körper ausgebreiteten Immunsystems sind miteinander vernetzt und stimmen sich auf komplexe Weise miteinander ab. Dabei wird ein gemeinsames Ziel verfolgt: uns intakt und gesund zu erhalten.

Anthroposophische Medizin

Jeder Mensch ist auf seine ganz persönliche Weise einzigartig und unverwechselbar. Das gilt nicht nur für die geistige Individualität, sondern auch für den Körper. Über dessen Unversehrtheit wacht ein spezielles, hochkomplexes Organsystem: das Immunsystem. Es wehrt Fremdstoffe (Antigene) und Fremdzellen (z. B. Viren, Bakterien, Pilze) ab und zerstört teils auch fremdgewordene Zellen wie Krebszellen. Vor Eindringlingen von außen schirmt uns das Immunsystem mit drei Barrieren ab. Den ersten Schutzschild bilden Haut und Schleimhäute, in deren Geweben sich spezielle Abwehrzellen befinden. Diese nehmen Fremdstoffe und –zellen auf, zerkleinern sie und bieten sie wieder anderen Immunzellen zur Zerstörung an. Die zweite Barriere sind die Lymphknoten, in denen Fremdelemente aus der Lymphflüssigkeit herausgefiltert und von Immunzellen vernichtet werden. Die dritte Barriere schließlich stellt das Blut mit den dort in großer Zahl zirkulierenden hoch spezialisierten Abwehrzellen dar. Das sind zum Beispiel die unermüdlich durch unseren Körper patrouillierenden Lymphozyten, die als "lernende" Zellen auch neuartige Krankheitserreger identifizieren und vernichten können. Schließlich strömt das Blut durch die Milz, die – ähnlich wie die Lymphknoten – ein Abwehr- und Filterorgan darstellt.

Wärme, Salz und Öl Alle Teile des über den ganzen Körper ausgebreiteten Immunsystems sind miteinander vernetzt und stimmen sich auf komplexe Weise miteinander ab. Dabei wird ein gemeinsames Ziel verfolgt: uns intakt und gesund zu erhalten. Die Anthroposophische Medizin kennt viele Maßnahmen, die das Immunsystem ganzheitlich, d. h. auf allen drei Ebenen unterstützen. Dabei kommen neben Anthroposophischen Arzneimitteln wie Meteoreisen, Sonnenhut (Echinacea) oder Extrakten aus der Mistel auch einfache äußere Anwendungen zum Einsatz. So wirken warme Bäder mit aktivierendem Rosmarinöl und Salz aus dem Toten Meer anregend auf den Hautstoffwechsel und stärken damit die erste Barriere der Immunabwehr. Zugleich fördert der durchwärmende Rosmarin die Durchblutung von Bindegeweben, Muskulatur und inneren Organen, wodurch die dritte Barriere unterstützt wird. Schließlich kann man ein solches Bad noch durch Trockenbürsten und Einmassieren mit Körperölen, zum Beispiel Sanddorn- oder Arnika-Öl ergänzen, um gezielt den Lymphfluss anzuregen und somit die zweite Barriere des Immunsystems zu stärken. Regelmäßige Anwendungen sind die beste Voraussetzung, um gesund und ohne langwierige Infekte durch den Winter zu kommen.

Ernährung und Meditation Eine vollwertige Ernährung wirkt sich ebenfalls positiv auf das Immunsystem aus. Eine "immun-gesunde" Ernährung sollte bereits ab der Geburt erfolgen – in Form von Muttermilch, die gleichermaßen vor Infektionen und Allergien schützen kann. Ganz wesentlich können wir das Immunsystem, das mit Gehirn und Nervensystem eng vernetzt ist, auch durch Meditation und Besinnung stärken. Eine einfache Übung besteht darin, sich hinzulegen, die Augen zu schließen und das Bewusstsein nacheinander auf den linken Fuß, den rechten Fuß, die linke Hand und die rechte Hand zu richten. Anschließend lenkt man die Aufmerksamkeit auf die Herzregion und spürt, wie belebende und erwärmende Ströme von dort aus in alle Richtungen des Körpers gehen. Auch eine solche an sich unspektakuläre Übung kann das Immunsystem sinnvoll unterstützen, wenn sie regelmäßig durchgeführt wird.

>> Dr. med. Frank Meyer (Nürnberg), Anthroposophischer Hausarzt und Experte für Ganzheitsmedizin, Autor von "Besser leben durch Selbstregulation – Ein heilsamer Begleiter durch Gesundheit und Krankheit"

"Anthroposophie" heißt wörtlich "Mensch" (anthropos) und "Weisheit" (sophia). Dieser Ansatz geht auf Rudolf Steiner (1861 – 1925) zurück, der die Anthroposophische Medizin zusammen mit Dr. Ita Wegman (1876 – 1943) entwickelte. Das umfassende Menschenbild, das der Anthroposophischen Medizin zugrunde liegt, ermöglicht es dem Arzt, die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele besser zu verstehen. Dabei unterscheidet die Anthroposophische Medizin zwischen Körper (physischer Leib), Lebensorganisation (Ätherleib), Seelenorganisation (Astralleib) und Ich-Organisation (geistige Individualität). Wichtig ist, dass sich die Anthroposophische Medizin nicht als Alternative, sondern als Ergänzung und Erweiterung zur konventionellen Medizin versteht. Sie wird heute sowohl ambulant als auch stationär praktiziert und forschend weiterentwickelt. Seit 1976 ist die Anthroposophische Medizin in Deutschland gesetzlich verankert und anerkannt.