Woraus wird Mode gemacht?

Der Begriff »modebewusst« hat in Zeiten von Nachhaltigkeit eine neue Bedeutung erlangt, die nicht nur die Käuferinnen und Käufer von Mode beschäftigt, sondern auch deren Hersteller. Siegel zeigen die Anstrengungen der Modelabels und es wird viel mit neuen Materialien experimentiert. Doch eine Faser bildet nach wie vor das Rückgrat der weltweiten Modeproduktion: Baumwolle. Leider ist der Anteil an Bio-Baumwolle aber immer noch sehr gering.

Aus welchen Materialien wird Mode hergestellt?

Wie sehen die Arbeits- und Umweltbedingungen in den Produktionsländern aus? Wer kontrolliert die Umwelt- und Sozialstandards? Das sind die Themen, die viele Käuferinnen und Käufer von Mode immer mehr interessieren. Mittlerweile gibt es über hundert verschiedene Gütesiegel allein für die Textilbranche – theoretisch klingt das positiv und fortschrittlich. Darunter gibt es aber auch viele hauseigene Siegel, die im Endeffekt nicht viel Aussagekraft haben. Die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als seriös eingestuften Gütesiegel finden sich auf der Website siegelklarheit.de. Diese Website bewertet die Siegel in den Bereichen Glaubwürdigkeit, Umwelt und Soziales. Um unter die Bewertung »Sehr gute Wahl« zu fallen, müssen sie in jeweils zwei der oben genannten Bereiche besonders hohe Anforderungen erfüllen. Das schaffen zum Beispiel die Siegel »Naturtextil IVN zertifiziert Best« (IVN Best) und »Oeko-Tex Made in Green«, gefolgt von dem Blauen Engel für Textilien und dem Global Organic Textile Standard (GOTS).

Weitere Gütesiegel, die auf eine nachhaltige Produktionsart hinweisen, sind Bluesign Product, das EU-Ecolabel, die Fair Wear Foundation, Fairtrade, Naturland sowie der internationale Standard SA8000. Zu erwähnen ist jedoch, dass bei keinem der Siegel der gesamte Produktlebenszyklus widergespiegelt wird, da die Entsorgung der Textilien nicht dargestellt werden kann; die Rohstoffproduktion und die Textilherstellung werden allerdings immer kontrolliert. Die Bewertungskriterien beziehen sich aber weitestgehend auf etablierte Naturmaterialien, da hier Erfahrungen vorliegen. Anders sieht es bei den zahlreichen alternativen Rohstoffen aus, die in vielen Lebensbereichen Einzug halten.

Change. Fashion. Together.

Vom 18. bis 20. Januar 2022 konnte man sich in Frankfurt am Main auf der weltweit größten Messe für Sustainable Fashion, der Neonyt Trade Fair, unter dem Claim »Change. Fashion. Together.« überzeugen: Neue Materialien auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen ziehen auch in die Textilindustrie ein. Dazu zählen beispielsweise Viskose, Algen, Bambusfaser und das ebenfalls auf Holz basierende Lyocell. Allerdings müssen im Allgemeinen hohe (chemische) Anstrengungen unternommen werden, damit daraus tragbare Kleidung ent­stehen kann.

Da die Nachfrage nach veganen Produkten immer mehr zunimmt, wird auch für Leder nach nachhaltigen Alternativen gesucht. Es entstehen Schuhe und Taschen aus Materialien, die auf hochverarbeiteten Ananas­blättern, Trester, Kakteen, Kombucha, Papier, Algen und vielem mehr basieren. Es ist schwer zu beziffern, welche Aufwendungen getätigt werden müssen, damit diese natürlichen Ausgangsstoffe letztendlich Eigenschaften wie Leder aufweisen. Viel spielt sich nachvollziehbar im Experimentellen ab, zu Produktion und Entsorgung gibt es wenig Zuverlässiges zu sagen und es stellt sich die Frage, wie ökologisch die alternativen Verfahren tatsächlich sind. Im Einzelfall mögen sich Wege eröffnen, aber es dürfte zumindest aktuell noch zweifelhaft sein, ob dies Lösungen für den Konsumhunger einer derart großen Weltbevölkerung sind. Die ökologisch beste Lösung ist derzeit wohl, dass weniger, dafür bewusster und nachhaltiger produziert wird. Livia Firth, die Ehefrau des Oscar-Preisträgers Colin Firth, setzt sich mit ihrer Initiative Eco Age seit Jahren dafür ein, öko­logisches Bewusstsein und Fairness bei der Herstellung von Mode auf allen Ebenen, auch in der Haute Couture, zu verankern. Sie trägt ganz bewusst bei Empfängen ein Kleid mehrfach. Ihre Haltung: »Wenn Kleidung länger genutzt wird und Rohstoffe nachwachsen können, dürfte mehr gewonnen sein als mit neuen Materialien.« Wegwerfen war gestern.

Kleidung aus zweiter Hand

Darin kann der effektivste Hebel zu mehr Ressourcenschonung liegen: Mode bewusst nach Bedarf zu kaufen und sich nicht von Spontan­käufen verleiten lassen. Allerdings wissen wir alle aus Erfahrung, dass der Kauf eines neuen Kleidungsstückes oder von Schuhen manchmal einfach guttut und uns neuen Schwung gibt. Aber unsere Vernunft weiß auch, dass wir eigentlich nach langlebigen Textilien Ausschau halten sollten, nach dem Motto: Qualität vor Quantität. Falls ein Kleidungsstück doch einmal ausgedient hat, kann es entweder verkauft, getauscht oder gespendet werden. Vinted (ehemals Kleiderkreisel) ist eines der populärsten Online-Portale für Secondhand-Mode. Es lohnt sich auch, die Augen nach Kleidertauschpartys offen zu halten, die ­vielerorts in Deutschland ehrenamtlich organisiert werden.

In dem Bekleidungsgeschäft Kleiderei hingegen können sich Kundinnen nach einem Aboabschluss bis zu vier Kleidungsstücke leihen, so oft tragen und gegen neue Sachen umtauschen, wie sie möchten. Stores gibt es aber bisher nur in Köln und Freiburg. In anderen Geschäften kann man mittlerweile Party- und Abendkleider mieten und Kleidungsstücke reparieren lassen. So unterhält beispielsweise der internationale Jeans-Hersteller Nudie Jeans in Berlin und München zwei Reparatur­shops: Dort können die Jeans repariert, als Secondhand-Ware erneut verkauft oder an das Jeans-Recycling-Programm gespendet werden.

Wiederverwendung liegt also im Trend und man ist häufig erstaunt, welche hohen Preise gebrauchte Kleidungsstücke (wieder) erlangen können. Auch Upcycling ist eine Option für mehr Nachhaltigkeit von Mode. Dabei werden gebrauchte und wo­möglich ausgediente Kleidungs­stücke neu gestaltet, sodass sie ein zweites Leben geschenkt bekommen. Es sind erst wenige Hersteller, die diese Rücknahmemöglichkeiten anbieten, aber es dürften in Zukunft immer mehr werden.

Naturtextilien aus Bio-Baumwolle

Auch wenn überall auf der Welt mit alternativen Materialien und Recyclingtechniken experimentiert wird: Laut WWF besteht etwa die Hälfte aller Textilien weltweit aus Baumwolle. Rund 26 Millionen Tonnen Baumwolle werden jedes Jahr geerntet. 100 bis 150 Millionen Menschen (das entspricht 1,5 bis 2 Prozent der Weltbevölkerung) arbeiten direkt oder indirekt in der Baumwollherstellung. Aber nur ein Prozent der weltweiten Baumwollproduktion ist bio-zertifiziert.

Die Bekleidungsmarke People Wear Organic im Alnatura Markt ist eine der führenden nachhaltigen Modemarken in Deutschland, die ausschließlich Baumwolle in Bio-Qualität verarbeitet. Gemeinsam mit ihren Partnern steht sie für eine transparente textile Lieferkette vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt. Die Herstellung der Textilien erfolgt mehrheitlich in Ländern, in denen der Rohstoff Bio-Baumwolle auch angebaut wird, um einen mög­lichst geringen CO2-Abdruck zu hinterlassen.

»Wir arbeiten mit einem kleinen Kreis sorgfältig ausgewählter und geprüfter Hersteller zusammen«, sagt Nicole Pälicke von People Wear Organic in unserem Gespräch auf dem Alnatura Campus in Darmstadt. »Der regelmäßige Austausch sowie die jährlichen Kontrollen externer Prüferinnen und Prüfer ermöglichen uns höchstmögliche Transparenz entlang der gesamten Produk­tionskette.« Alle Textilien der Marke People Wear Organic sind nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert und mit dem Grünen Knopf ausgezeichnet.

Die verwendete Bio-Baumwolle kommt fast ausschließlich aus Indien und Ägypten und wird dort von Hand geerntet. Die kuscheligen Modelle der ganzjährig im Alnatura Markt erhältlichen Baby-Basic-Kollektion werden aus der Bio-Baumwolle der Kulturinitiative Sekem in Ägypten hergestellt. Sekem begleitet People Wear Organic von Beginn an als Partner in der Textilherstellung. »In Ägypten haben wir mit der Kulturinitiative einen absoluten Experten auf dem Gebiet des nachhaltigen Anbaus von Bio-Baumwolle an unserer Seite«, sagt Nicole Pälicke.

»Bis heute schult Sekem Bäuerinnen und Bauern bei der Umstellung auf den Bio-Landbau.« Seit 2020 wird zudem die komplette Kinderwäsche von People Wear Organic aus Bio-Baumwolle der indischen Kooperative Chetna Organic Farmers Association hergestellt. Diese wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, ökologisch verantwortungsvolle Anbaumethoden im Baumwollsektor zu erreichen und gleichzeitig die Arbeits- und Lebens­bedingungen von kleinen und mittleren Baumwollproduzentinnen und -produzenten durch Beratung und Unterstützung zu verbessern. People Wear Organic schätzt das Engagement der Farmerinnen und Farmer und intensiviert kontinuierlich die Zusammenarbeit. Auch die Stricktextilien und Webwarenartikel aus Musselin für die neue saisonale Baby-, Kinder- und Damen-Kollektion werden aus Bio-Baumwolle der indischen Baumwollkooperative hergestellt.

Schon gewusst?

Die Zahl der Menschen, die sich Gedanken über die sozialen und ökologischen Konsequenzen ihrer Kauf- und Alltagsentscheidungen machen, steigt. Laut einer 2020 veröffentlichten Studie der Online-Plattform utopia hat die Bedeutung von Nachhaltigkeit in fast allen Konsumbereichen zugenommen, insbesondere bei jungen Leuten zwischen 18 und 34 Jahren. Vor allem bei Lebensmitteln, aber auch bei Körperpflege und Kosmetik, Haushaltsartikeln, Energie, Mobilität sowie Kleidung und Mode spielen Umwelt, Ethik und Soziales eine immer größere Rolle.

Tipp: siegelklarheit.de

Die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) betreute Website siegelklarheit.de bewertet umfassend alle gängigen Öko- und Sozialsiegel und dient Verbraucherinnen und Verbrauchern als Orientierung beim nachhaltigen Einkauf. Die Website erfasst dabei unter anderem Produkte aus den Bereichen Textilien, Lebensmittel, Papier, Wasch- und Reinigungsmittel, Leder, Kommunikationstechnologien und Natursteine.

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) erfüllt laut siegelklarheit besonders hohe Anforderungen in den Bereichen Glaubwürdigkeit, Umwelt und Soziales. Auch der Blaue Engel bei Textilien, das EU-Ecolabel und das Fairtrade-Siegel für Baumwolle kennzeichnet siegelklarheit.de mit »Sehr gute Wahl«.

Nachhaltige Mode bei Alnatura

Eine umfangreiche Auswahl an Naturtextilien für die ganze Familie finden Sie in Ihrem Alnatura Super Natur Markt von People Wear Organic. Hier erfahren Sie mehr über die nachhaltige Modemarke.

Fotos: Stocksy/Kristen Curette & Daemaine Hines; Global Organic Textile Standard; iStock/BulentCamci; Global Organic Textile Standard; Global Organic Textile Standard