Auf den Spuren der Bio-Vielfalt

Italien-Reisetagebuch

Mit Alexander Stabel durch Bella Italia

Begleiten Sie den Alnatura Einkäufer, der für rund 600 italienische Artikel bei Alnatura verantwortlich ist, auf seiner Reise von Livorno über die Toskana bis nach Sizilien.  

Für Alnatura ist das Land zwischen Alpen und Mittelmeer nach Deutschland der zweitgrößte und -wichtigste Produzent von Bio-Lebensmitteln. Und die Nachfrage in den Alnatura Märkten steigt stetig. „Deshalb haben wir uns in den letzten Jahren noch intensiver auf die Suche nach neuen italienischen Produkten gemacht, von sogenannten Antipasti, den Vorspeisen im Glas, über Saucen, Olivenöl, Pasta und Wein bis hin zum Balsamico-Essig und vielem mehr. Der Erfolg bei den Kundinnen und Kunden gibt uns recht“, freut sich Alexander Stabel.

Lesen Sie hier, was Alexander und seine mitgereisten Kolleginnen und Kollegen von Alnatura beim Besuch einiger italienischer Produzenten begeistert hat und wo sie überall hinter die Kulissen schauen durften.

 
Livorno

Tag 1: Ankunft in Italien und Reise bis nach Livorno

Die Ankunft in Italien machte sofort gute Laune: Endlich Sonne! Nach dem nasskalten Wetter in Darmstadt bei 6 Grad bin ich bei italienischen 20 Grad fast die ganze Woche nur im T-Shirt unterwegs gewesen. Rosella Fumagalli, unser Produkt-Scout in Italien, holte uns in Mailand ab. Schon die Fahrt war ein einziges Erlebnis: Mailand, das Panorama mit dem schneebedeckten Monte Rosa, dem zweithöchsten Berg der Alpen.

Die Po-Ebene mit unendlichen Reisfeldern und riesigen historischen Landgütern. Dann der Apennin mit seinen dichten alten Wäldern und wilden Tälern; sie strecken sich fast bis an das Mittelmeer. Schließlich die Ankunft im heiteren und geschäftstüchtigen Livorno, einer traditionsreichen Handelsstadt am Mittelmeer, die wegen ihrer Kanäle auch liebevoll von den Einwohnerinnen und Einwohnern als „toskanisches Venedig“ bezeichnet wird. 


Alexander Stabel
Mit Riccardo Scarpellini (links im Bild), Geschäftsführer von FJT Italia, einem wichtigen Partner von Alnatura, besuchten wir frühmorgens die imposante historische Markthalle Livornos im Herzen der Altstadt. Frischer Meeresduft lag in der Luft, wahrscheinlich wegen der langen Stände mit reichlich Fisch und Meeresfrüchten aller Art. Der Höhepunkt war für mich das italienische Frühstück mitten in der Markthalle mit Espresso und den frischen, noch warmen Brioches, die den Croissants sehr ähneln. Sie sind gefüllt mit einer Creme, Marmelade, Nougat oder Schokolade, werden aber auch „senza niente“ („ohne nichts gefüllt“), also leer angeboten, und sogar vegan ohne Butter und Ei.

Es folgte noch ein kurzer Abstecher zu der Olivenöl-Bar in der Markthalle, wo man eine riesige Auswahl von feinsten Olivenölen verkosten kann. Darunter zum Beispiel die Olivenöle von Frantoi Cutrera und De Carlo, die Sie in den Regalen unserer Alnatura Märkte finden – beides Bio-Spitzenöle! Und da sind wir beim nächsten Thema: Olivenöl.

Tasting

Italien ist Nummer eins in Sortenvielfalt

Riccardo Scarpellini führte uns in die Welt des Olivenöls ein, von der Geschichte, über die verschiedenen Olivenöl-Qualitäten bis hin zu den italienischen Spitzenölen, die Sie auch bei Alnatura finden – natürlich alle in Bio-Qualität. Interessant fand ich die Parallelen zum Wein: Jedes qualitativ sehr gute Öl hat seinen speziellen Charakter, es kann nach frisch gemähtem Gras und Artischocken, aber auch nach Waldbeeren, frischen Kräutern, grünen Tomaten oder grünen Bananen duften sowie sehr scharf und bitter oder fast lieblich schmecken. Die Palette an Aromen ist riesig. Es war faszinierend, wie unterschiedlich bitter und scharf die einzelnen Öle schmecken und wie sich langsam viele interessante Aromen beim Verkosten entfalten. So ein Schnupperkurs lohnt sich!

Italien ist, was die Sortenvielfalt betrifft, weltweit die Nummer eins mit allein 715 verschiedenen Olivensorten, das sind 42 Prozent aller auf der Erde existierenden Sorten. So verschieden wie die Olivenöle sind auch ihre Einsatzmöglichkeiten. Sie können Gerichten mit Fleisch, Fisch, einem einfachen Eintopf oder Salat eine ganz besondere Geschmacksnote geben. Zu Hause verwende ich schon seit längerem das sizilianische Bio-Spitzenöl von Frantoi Cutrera. Und mit den Bio-Ölen von Viola, De Carlo und Franci stehen bei uns weitere allerfeinste Sorten im Regal. Darauf bin ich als Einkäufer stolz. 

Olivenhaine

2. Tag: Besuch einer Ölmühle in der Toskana

Die zweistündige Fahrt zu Giorgio Franci in Montenero d‘Orcia kam einem wie ein Werbespot für die Toskana vor: Zypressenalleen, die zu mondänen alten Villen oder Gütern führen, vorbei an Hügeln und Tälern mit kleinen verträumten Städtchen und Orten. Giorgio Franci ging mit uns als erstes auf seine Terrasse, die über der Ölmühle liegt. Der Blick schweifte über die Olivenhaine und das malerische Val d‘Orcia. „Eines der am meisten fotografierten Täler der Welt“, bemerkte Giorgio Franci stolz. Seine Familie ist mit diesem Landstrich tief verbunden. 
Alexander Stabel
Für Giorgio Franci ist qualitativ hohes Olivenöl eine Zutat, bei der es kaum andere exotische Gewürze brauche, um ein Gericht aufzuwerten. Um uns das zu demonstrieren, hatte er ein kleines Menü mit verschiedenen Ölen zusammengestellt, frisch zubereitet von seinem langjährigen Freund und Spitzenkoch Matìa Barciulli (im Bild links neben mir). Matìa garnierte die Speisenfolge mit Geschichten und Anekdoten rund um das Olivenöl – als begeisterter Hobbykoch durfte ich ihm dabei sogar etwas unterstützen. Mein persönliches Highlight waren definitiv die Spaghetti aglio e olio – ein so einfaches Rezept und dabei so lecker! Aber auch das Olivenölsorbet war super.
Franci Pressung

Eine ganze Familie für Oliven

Obwohl es der erste Tag der Ernte war, nahm sich Giorgio die Zeit, uns die Produktion und den Olivenhain zu zeigen. Eine große Trockenheit hatte im letzten Jahr für viele Verluste gesorgt. Oliven so klein wie Kichererbsen rollten über das Band und wurden aussortiert. Ein Drittel der Ernte ging verloren. Zum ersten Mal half auch sein Sohn mit, die nun dritte Generation in der Mühle. Als Giorgio den Familienbetrieb von seinem Vater und seinem Onkel übernahm, sah er dessen Überlebenschance darin, den Fokus auf Qualität statt auf Masse zu setzen. Heute gehört Frantoio Franci international und in Italien konstant zu den besten Produzenten.
Alexander Stabel

Alexander Stabel, Abteilungsverantwortlicher im Einkauf Trocken

„Jedes qualitativ sehr gute Öl hat seinen speziellen Charakter, es kann nach frisch gemähtem Gras und Artischocken, aber auch nach Waldbeeren, frischen Kräutern, grünen Tomaten oder grünen Bananen duften, sehr scharf und bitter oder fast lieblich schmecken.“
Weingut Hof

3. Tag: Zu Besuch auf dem Weingut Dievole

Nun ging es weiter zum Weingut Dievole in Castelnuovo Berardenga in der Nähe von Siena. Es gehört zur Gruppe der Alejandro Bulgheroni Family Vinyards Italia, einem Netzwerk von Weingütern so berühmter Weingebiete wie Chianti (den Chianti Classico von Dievole finden Sie in unseren Regalen), Montalcino und Bolgheri. Für alle Weinliebhaber und -Kenner sind die weltberühmten Gebiete in der Toskana echte Pilgerorte und zum Glück hat es nicht lange gedauert, bis wir vor traumhafter Kulisse ausgewählte Weine verkosten durften:
Dievole Rotwein
Auf dem Weg zum Weingut machten wir "per pranzo" (zum Mittagessen) halt in der Enoteca Tognoni in Bolgheri, einem malerischen historischem Dorf mit ein paar Hundert Einwohnerinnen und Einwohner. Ein Besuch in diesem pittoresken Örtchen lohnt sich! Ola Lopez-Corona, die Exportmanagerin von Dievole, ließ uns beim Essen schon zwei Weine verkosten und erzählte uns von der langen Geschichte des Weingutes, die bis zum Beginn des 11. Jahrhundert zurückreicht.  
Dievole Weinberge

„Dio vuole“ – Gott will! 

Das ist übrigens der Ursprung für den Namen Dievole und die Landschaft hat tatsächlich etwas Wunderbares. Von den Weinbergen aus sahen wir das Meer und konnten bis zu den Inseln Korsika und Elba schauen. Dank des nahe gelegenen Meeres mildern beständige Brisen die sommerliche Hitze ab und auch im Winter ist die Sonneneinstrahlung noch sehr hoch. Der Tonsand- bis Tonschluffboden des Weingebietes Bolgheri verleihen den Reben Persönlichkeit und Charakter. 

Gedeckter Tisch

4. Tag: Auf nach Sizilien zu den Tausendjährigen

Am vierten Tag waren wir zu Besuch bei der Familie Cutrera in Chiaramonte Gulfi, einem kleinen Örtchen im Südosten Siziliens. Bei gutem Wetter ist der Vulkan Ätna in der Ferne zu sehen. Seit über hundert Jahren stellt Salvatore Cutreras Familie Olivenöl her. In ihren Hainen stehen sogar einige tausendjährige Olivenriesen. Wir schauten uns den Neubau seiner Produktionshallen an, ernteten im Olivenhain selbst einige Oliven mit der Handharke, verkosteten das frisch gepresste Öl und probierten Cutreras Antipasti im Glas – typische Vorspeisen wie eingelegte Tomaten, Artischocken und Bruschetta. Die Produkte waren unglaublich gut.

Ein Höhepunkt für mich war „il pane della nonna“, das frischgebackene Brot von Großmutter, dass sie uns von ihrem Enkel vorbeibringen ließ. Da es sehr lange gebacken wird, hat es eine äußerst knusprige Kruste und schmeckt zum Olivenöl einfach fantastisch. 
Olivenöl

Wenn ich nun auf meine Italienreise zurückblicke, dann denke ich an die unglaubliche Gastfreundschaft und daran, wie tief die Menschen mit ihrem Land und seiner Erde verwurzelt sind. Beeindruckt hat mich, wie sie ständig und leidenschaftlich um immer bessere Qualitäten ringen und wie sie dabei tatsächlich Tradition und Hightech in ihrem Tun einzigartig verbinden. Und das alles in makelloser Bio-Qualität, wie ich mich persönlich vor Ort überzeugen konnte.

Ihr Alexander Stabel, Abteilungsverantwortlicher im Einkauf Trocken

Fotos: Sergio Ferri und Weingut Dievole