Schwarzgrau ist das Hochzeitskleid

Von wegen Trauer - schwarzgrau ist das „Hochzeitskleid“ der Trauerseeschwalbe - diesem Prachtkleid verdankt der grazile Flieger aus der Familie der Seeschwalben auch seinen Namen.

Schwarz gefärbt sind Kopf und Brust, die Rückenfedern in gedecktem Grau verleihen dem Federkleid eine gewisse Eleganz. Wenn es nichts zu feiern gibt, sind Trauerseeschwalben ganz in Weiß unterwegs. Für Laien sind sie leicht mit Möwen zu verwechseln – auch wegen ihrer eher kreischenden "Kiek-Kiek"-Rufe. Doch die eleganten Flieger können Meer, Sand und Strandleben nichts abgewinnen: Sie brüten vorwiegend im Binnenland. Bevor die Langstreckenzieher im September wieder nach Westafrika durchstarten, wollen sie in Deutschland eine Familie gründen und ihre Küken aufziehen. Allerdings ist der Bau der Kinderstube mit großen Problemen verbunden, denn was den Brutplatz angeht, sind Trauerseeschwalben wählerisch.

Sie brauchen Feuchtbiotope wie überschwemmte Wiesen, Sölle, das sind runde Kleingewässer, und die Verlandungszonen größerer Seen und Weiher. Das Gewässer darf nicht zu tief sein, aber auch nicht zu flach. Wasserpflanzen und abgestorbene Pflanzenteile, die wie kleine Nester auf der Oberfläche treiben, sind perfekt für zwei bis drei dunkel gefleckte Eier, die die Trauerseeschwalben etwa drei Wochen lang bebrüten. Die Küken sind Nesthocker, die sich von den beiden Altvögeln gut vier Wochen lang füttern lassen, bevor sie flügge werden. Damit die Küken groß werden, müssen kleine Fische, Libellen und andere Insekten in Fülle vorhanden sein und herbeigeschafft werden. Doch idyllische Binnengewässer sind selten geworden. Der Mangel an geeigneten "Immobilien" ist sicher einer der Hauptgründe, warum es nur noch 600 bis 800 Brutpaare gibt. Etwa 200 davon leben in Mecklenburg-Vorpommern.

Küken ahoi!

Brut-Boote für den Nachwuchs 45 kleine, künstlich angelegte Brut-Inseln dümpelten in diesem Jahr auf dem Hinterwiesenweiher des Wildtierland Gut Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern. In vielen Nestern wurden sogar »Drillinge« erwachsen. Über 30 Trauerseeschwalben-Pärchen haben hier für Nachwuchs gesorgt. Die schwimmenden Brut-Inseln wurden sofort als Nisthilfe angenommen. Die Deutsche Wildtier Stiftung  hatte in den letzten Jahren die größte Trauerseeschwalben-Kolonie in Mecklenburg-Vorpommern aufgebaut und damit einen nie dagewesenen Bruterfolg. Angefangen hat im Wildtierland Gut Klepelshagen alles im Jahr 2002 mit nur zwei Brutpaaren. In den Folgejahren wuchs der Bestand kontinuierlich. 2004 brüteten 10 Paare, 4 Jahre später waren es schon 25. Den größten Bruterfolg hatte die Kolonie auf dem Hinterwiesenweiher im letzten Jahr mit 40 Brutpaaren. Es scheint sich unter den Trauerseeschwalben "herumzusprechen", dass es bei der Deutschen Wildtier Stiftung die perfekte Kinderstube für den Nachwuchs gibt. Mit dem Anstieg der Paare erhöhte sich natürlich auch die Reproduktionsrate: Im letzten Jahr wurden 103 Jungvögel flügge.

Die Brutinseln werden von den Mitarbeitern der Deutschen Wildtier Stiftung Ende April ausgebracht. Die Nisthilfen sind aus einem Holzrahmen gezimmert und mit Styrodur, einem wasser- und druckfesten Dämmstoff ausgekleidet. Das Gerüst wird dann mit Schlamm, Erde und Wasserpflanzen "wohnlich" gestaltet. Die Vögel nehmen diese Konstruktion sofort als Brutplatz an. Mittlerweile brüten fast 60 Prozent des Gesamtbestandes auf künstlichen Nisthilfen – doch eine Stabilisierung des Trauerseeschwalbenbestandes konnte trotz dieser Artenschutzmaßnahme nur in wenigen Gebieten erreicht werden. 

Selten und bedroht

Die extrem seltenen, vom Aussterben bedrohten Vögel haben auch auf dem Hinterwiesenweiher stürmische Zeiten hinter sich. Heftige Windböen brachten einzelne Nisthilfen zum Kentern, die umgehend von Mitarbeitern der Deutschen Wildtier Stiftung ersetzt wurden. Auch die artverwandte Konkurrenz schätzte die perfekten Brut-Boote auf dem Weiher: Zwei Flussseeschwalben versuchten hartnäckig einzelne Nisthilfen zu erobern. Doch gegen die gesamte Kolonie der Trauerseeschwalben hatten sie keine Chance. Der Hinterwiesenweiher in Klepelshagen ist eben nicht nur für Trauerseeschwalben attraktiv. Die schwimmenden Kinderstuben in Wildtierland Gut Klepelshagen sind vor dem Abdriften geschützt, damit den Küken in der Uferzone nichts passieren kann. Doch die grazilen Küken haben viele Feinde: Sie stehen bei Iltis, Mink und Waschbär auf der Speisekarte.

Natürliche Feinde sind jedoch nicht die einzige Bedrohung der seltenen Vögel. Trauerseeschwalben brauchen ungestörte Gewässer und ein ausreichendes Nahrungs- und Schwimmpflanzenangebot, um zu brüten. Ihr Nest bauen sie normalerweise auf der Krebsschere. Doch diese Wasserpflanze ist durch Stickstoff-Einträge aus der intensiven Landwirtschaft selten geworden. Die Trauerseeschwalbe findet immer weniger geeignete Brut-Gewässer, denn viele Weiher wurden in den letzten Jahren trockengelegt, andere sind durch intensive Fischerei- und Freizeitaktivitäten zu unruhig für die Aufzucht der Küken. Deshalb ist das durchdringende "Kiek-Kiek" der Trauerseeschwalben heute in Europa kaum noch zu hören.

Im September heißt es Abschied nehmen. Die Trauerseeschwalben verlassen den Hinterwiesenweiher. Die Jungvögel machen sich noch vor den Eltern auf den beschwerlichen Weg nach Afrika, wo sie bis zur Geschlechtsreife bleiben. Im Wildtierland Gut Klepelshagen hoffen die Mitarbeiter auf die Rückkehr der Trauerseeschwalben im nächsten Jahr. Die seltenen Vögel sind der brütende Beweis für den Erfolg der Stiftungsarbeit.

››› Gastbeitrag Deutsche Wildtier Stiftung

Die Deutsche Wildtier Stiftung

Ein Stimme für heimische Wildtiere! Wildtiere in Deutschland schützen und Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit der heimischen Wildtiere begeistern – das ist das Anliegen der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Wissen über die Natur darf nicht verloren gehen. Deshalb bietet die Stiftung gerade Kindern und Jugendlichen viele Angebote, durch die sie Wildtiere erleben und mehr über sie erfahren. Mit konkreten Projekten erhält die Stiftung Lebensräume von Wildtieren in Deutschland und setzt sich bei Politik und Wirtschaft für ihren Schutz ein. Im Naturerlebnisprojekt Wildtierland Gut Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern erleben Besucherinnen und Besucher auf über 2.000 Hektar Fläche heimische Wildtiere, die ohne Zäune und Gehege in Freiheit leben. Darunter sind auch zahlreiche seltene Arten. Die wildtierfreundliche Land- und Forstwirtschaft gibt den Tieren ihre Lebensräume zurück. Schirmherr der gemeinnützigen Deutschen Wildtier Stiftung ist Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog.

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