Kein Hamsterbett im Kornfeld!

Warum Hamster dicke Backen machen und weshalb sie mehrfach gefährdet sind.

Hamster

Über eine Fallröhre lässt sich der Feldhamster bei Gefahr in seinen Bau plumpsen, doch er hat auch flache Eingänge. Im Oktober beginnt er seinen Winterschlaf und kommt erst im nächsten Frühjahr wieder aus seinem Bau hervorgekrochen. Unter dem Acker hat der Feldhamster es sich gemütlich gemacht. Für den Hamsterbau bevorzugt er eine offene Ackerlandschaft auf Löß- und Lehmböden. Er lebt vorzugsweise auf Getreide- und Rübenfeldern. Der Hamster ist ein talentierter Inneneinrichter, denn in seinem Bau gibt es einen Wohnraum, eine "Toilette" und einen Vorratsraum.

Wenn Hamster dicke Backen machen

Geht es um seinen Wintervorrat, überlässt ein Hamster nichts dem Zufall. Die Speisekammer muss für den Winter prall gefüllt sein, denn die Nahrung muss für sieben Monate reichen. Sämereien werden gereinigt und sortiert. Es wurden schon 17 Kilogramm Getreide in den Speisekammern von Feldhamstern gefunden. Was faulen kann, wird vorher entfernt. In vielen Feldhamster-Bauten gibt es sogar eine Art Tiefkühltruhe fürs "Frischfleisch" wie Käfer, Fliegenlarven, Spinnen und andere Insekten. Sie werden als Lebendfutter eingelagert, befinden sich in einer Winterstarre und sind bewegungsunfähig. All die überlebenswichtigen Köstlichkeiten hat der kleine Kerl in seinen Backentaschen in den Bau geschleppt. Wie Einkaufstüten liegen die beiden Hautsäcke rechts und links des Kopfes. Sind die gefüllt, macht der Hamster wirklich dicke Backen, denn sein Kopf ist dann gleich doppelt so groß. Mit den Pfoten lassen sich die Taschen leicht wieder leeren. Der Hamster streicht einfach von hinten nach vorn darüber und befördert so den Inhalt heraus. Bei Gefahr transportieren Feldhamster übrigens sogar ihren Nachwuchs in den Backentaschen.

Feldhamster wiegen zwischen 200 und 500 Gramm, sind bis zu 30 Zentimeter lang und haben einen beinah haarlosen Schwanz. Sie sind einem Meerschweinchen nicht unähnlich und werden oft mit ihm verwechselt. Der Feldhamster hat eine gelbbraun-rötliche Oberseite und einen dunklen Bauch. Am Tage haben Feldhamster nicht alle Sinne beisammen: Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv. Von ihrem Gegenüber machen sie sich ein "Duftbild". Sie erkennen Artgenossen und Feinde am Geruch. Mit Duftmarken verständigen sie sich auch untereinander. Die Ohren sind sehr hoch entwickelt. Hamster können Frequenzen im Ultraschallbereich wahrnehmen.

Fauchen, Zischen, Quieken und Zähneklappern

Sie fauchen und zischen, wenn Gefahr droht. Aggressive Feldhamster klappern mit den Zähnen, um Gegner einzuschüchtern. Gequiekt wird nur bei kleineren Streitigkeiten. Doch Hamster haben auch eine ausgeprägte Körpersprache. Sie werfen sich vor Feinden auf den Rücken und blasen die Backentaschen auf. Dabei fauchen sie gefährlich, um den Gegner zu verschrecken. Intensives Putzen gehört zur täglichen Körperpflege. Dabei macht der Hamster allerlei komische Verrenkungen. Ist er aufgeregt, wäscht er oft unvermittelt sein Gesicht. Biologen sprechen dabei von Übersprunghandlungen.

Feldhamster sind gleich mehrfach gefährdet.

Sie sind mittlerweile so selten, dass sie in ganz Deutschland vom Aussterben bedroht sind, auf der Roten Liste stehen und somit streng geschützt sind. Der Nachwuchs wird im Sommer geboren und auf dem Acker in knapp zwei Meter Tiefe gesäugt. In den Ackerbauregionen Deutschlands spielt sich Jahr für Jahr ein Drama ab: Moderne Erntemaschinen arbeiten so gründlich, dass der Nager im Winter vom Hungertod bedroht ist. Volle Getreidefelder verwandeln sich innerhalb kürzester Zeit in öde Acker-Wüsten, und der Feldhamster kann nicht genügend Wintervorräte an Ähren- und Körnerresten hamstern. Stoppelfelder werden heute meist sofort nach der Ernte umgepflügt. Danach findet er auf der Acker-Wüste keine Deckung vor Feinden wie Füchsen, Wieseln und Greifvögeln. Bleiben die Hamsterbacken leer, ist der Hungertod vorprogrammiert. Deshalb arbeitet die Deutsche Wildtier Stiftung mit Landwirten zusammen, um das Tier vor dem Aussterben zu bewahren. Landwirte können ihre Felder "hamstergerecht" bewirtschaften, indem sie Klee und Luzerne anbauen, die dem Tier ganzjährig Nahrung und Deckung bieten. Beim Anbau von Getreide hilft es dem Feldhamster schon, wenn ein fünf Meter breiter Erntestreifen pro Hektar stehen bleibt und die Stoppeln erst nach dem 15. Oktober umgepflügt werden. Denn dann kann er noch ausreichend Vorräte für den Winter sammeln.

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung