Der Wespenstaat ist eine Monarchie

Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, wird weit überschätzt. Ihr Nutzen wird nicht gesehen. Wer weiß schon, dass Wespen dem Menschen viele Plagegeister vom Leib halten?

Die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) heißt nicht etwa so, weil sie besonders böse ist. Vielmehr steht "Gemein" für "allgemein". Es ist hier also von der Wespenart die Rede, die bei uns in Deutschland besonders weit verbreitet ist. Die Gemeine Wespe lebt nicht allein, sondern organisiert sich im Wespenstaat, der von einer Königin regiert wird. Mit bis zu 20 Millimeter Länge ist die Monarchin wahrhaft die Größte in dem Staatsgebilde, während die Arbeiterinnen mit maximal 14 Millimetern wesentlich kleiner sind. Die Königin hat ihren eigenen Staat gegründet, indem sie alle »Untertanen« als Ei in jeweils eine Brutwabe gelegt hat. Sie zieht den Nachwuchs mit einem nahrhaften Proteinbrei aus zerkauten Insekten auf.

Ein durchschnittlich großer Wespenstaat hat bis zu 4.000 Individuen, doch man hat auch schon Völker von über 50.000 Tieren beobachtet. Ein Wespenstaat funktioniert arbeitsteilig. Jedes Tier hat seine eigene Aufgabe und ist fleißig wie die Bienchen.

Während die eine Gruppe mit dem Nest-Ausbau zu tun hat, sind andere Individuen mit der Säuberung der Zellen, der Fütterung der Larven oder der Nahrungsbeschaffung beschäftigt. Im Spätherbst löst sich der Wespenstaat schließlich auf – die alte Königin stirbt. Mit dem ersten Kälteeinbruch sterben auch die letzten obdachlosen Arbeiterinnen. Es gibt nur wenige Überlebende: die Jungköniginnen. Sie sind begattet, suchen sich zum Überwintern ein geeignetes Versteck in morschem Holz, unter Rinden oder in Hohlräumen. Dort verschlafen sie den Winter, um im nächsten Frühjahr einen neuen Staat zu gründen.

Keine Angst vor Arbeiterinnen am Kaffeetisch

Das Leben der Arbeiterinnen ist hart. Sie schleppen unermüdlich Insekten wie Fliegen, Mücken und Motten ins Nest, um damit die Larven-Brut zu füttern. Kurz vor ihrem Tod im Herbst geraten die fleißigen Arbeiterinnen dann häufig mit den Menschen in Konflikt. Dabei kommen sie nur an unsere Kaffeetafeln, um ein wenig Süßes zu naschen. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert mehr Toleranz und Solidarität mit den Arbeiterinnen.

Während der Nachwuchs proteinhaltige Insektennahrung braucht, mögen die Arbeiterinnen mit der berühmten Wespentaille gern Süßes. Beim Naschen versetzen die schwarz-gelben Wespendamen die Gäste einer Kaffeetafel leicht in Panik. Doch die Angst vor einem Angriff ist unbegründet, wenn man sich richtig verhält. Wer drei Grundregeln beachtet, ist auf der sicheren Seite: Nicht nach Wespen schlagen, keine hektischen Bewegungen machen, Wespen nicht zerquetschen! Denn auch die tote Wespe kann noch stechen und ihr Gift einspritzen. Der Stichreflex bleibt selbst bei zerteilten Tieren noch eine Weile erhalten. Für Allergiker sind Wespen allerdings gefährlich. Sie sollten immer vorsichtig sein! Übrigens ist es nicht zu empfehlen, Wespen anzupusten, um sie abzuwehren. Auf das Kohlendioxid in unserem Atem reagieren sie panisch.

Wespen sind die ungeliebten Insekten des Hochsommers. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, wird weit überschätzt. Ihr Nutzen wird nicht gesehen. Wer weiß schon, dass Wespen dem Menschen viele Plagegeister vom Leib halten. So schleppen die Arbeiterinnen der Gemeinen Wespe viele Tausend Insekten, zum größten Teil Fliegen, Blattläuse und andere Schädlinge, als Nahrung ins Wespennest. Außerdem helfen sie bei der Bestäubung von Blüten und sind bei Vögeln als "Futter" beliebt.

Wer sie nicht zu Kaffee und Kuchen einladen will, kann vorbeugen.

Eine halbierte Zitrone mit Gewürznelken spicken oder ein Sträußchen Basilikum aufstellen. Dieses Aroma finden die Arbeiterinnen abstoßend, während sie den süßlichen Duft von Parfüm schätzen. Außerdem fliegen sie auf die Farben Blau, Gelb und Weiß. Die Luftwirbel, die von Ventilatoren erzeugt werden, machen sie aggressiv. Wer aus Dosen trinkt, muss besonders vorsichtig sein. Am besten einen Strohhalm benutzen! Gläser nach jedem Schluck abdecken. Drehen Sie den Spieß doch einfach um, und laden Sie die Arbeiterinnen ein. Decken Sie weit entfernt von der Kaffeetafel einen "Wespen-Tisch" mit Weintrauben, um die Tiere abzulenken. Arbeiterinnen lieben Trauben und lassen sich so friedlich stimmen.

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

Die Deutsche Wildtier Stiftung

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