Martin Green - Vater der Fotovoltaik

Der Solar-Forscher Martin Green und sein Beitrag zur "grünen" Energiegewinnung.

Ohne ihn sähen tausende Dächer in Deutschland anders aus. Dachziegel sähe man allerorten, wie eh und je. Die glänzenden Flächen, mit deren Hilfe aus Sonnenenergie Strom gewonnen wird, es gäbe sie wohl in weit geringerem Ausmaß, wenn überhaupt. Der australische Forscher Martin Green hat mit seiner Arbeit maßgeblich dazu beigetragen, dass selbst Privathaushalte heute Fotovoltaikanlagen zur Energiegewinnung nutzen.

Man könnte fast meinen, sein Name und sein Tun stünden in einem Zusammenhang: Martin Green ist der "Vater der Fotovoltaik", wie ihn viele nennen, und damit ein Pionier der "grünen" Energiegewinnung. Zusammen mit einem Forscherkollegen hat er die effizientesten Solarzellen der Welt entwickelt – seit Beginn der 1980er-Jahre führt sein Team regelmäßig die Energie-Effizienz-Hitlisten an.

In einer Zeit, in der einerseits der deutsche Atomausstieg beschlossen wird, andererseits immer noch neue Kohlkraftwerke gebaut werden, gewinnen die erneuerbaren Energien immer mehr an Bedeutung. Sie sollen helfen, unseren wachsenden Energiebedarf zu stillen, während fossile Brennstoffvorräte sich langsam dem Ende neigen. Zwar kann Solarenergie in Deutschland bisher gerade einmal drei Prozent des Energiebedarfs decken, weil hier meist nicht häufig genug die Sonne scheint, um die Zellen zu ihrer vollen Auslastung zu bringen. Auch die Speichermöglichkeiten für gewonnene Energie sind noch unzureichend entwickelt. Dass Solarenergie aber dennoch eine Technologie mit Zukunft ist, dürfte außer Frage stehen. Trotz der Relevanz, die die Forschung in diesem Gebiet hat, hat allerdings noch kein Solarforscher den Physik-Nobelpreis bekommen. Stattdessen wurde Martin Green im Jahr 2002 für seine Entwicklungen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien mit dem Ehrenpreis des Right Livelihood Awards geehrt.

Green wurde 1948 im australischen Brisbane geboren. Während des Studiums in seiner Heimatstadt begann er, sich für Mikroelektronik zu interessieren. Doch mit der Zeit, das erzählt er immer wieder, bekam er zunehmend das Gefühl, dass das Entwickeln von besseren Fernsehgeräten nicht das war, woran er sein ganzes Leben lang arbeiten wollte. Er wolle seine Fähigkeiten für etwas "grundlegend Nützliches" einsetzen, sagte er in seiner Dankesrede für den Right Livelihood Award. So kam Green schließlich während seiner Promotionszeit in Kanada zur Fotovoltaik. Das fasziniert ihn. Wenn er von dem Wunder Fotovoltaik spricht, leuchten seine Augen. Er kennt die Wirkungsweise inund auswendig. Er könnte all die technischen Details nüchtern betrachten, seine tägliche Arbeit seit Jahrzehnten. Trotzdem hört man von ihm Sätze wie diesen: "Ich finde, diese ganze Fotovoltaik-Technologie ist ein bisschen magisch, wissen Sie. Da fällt einfach Sonnenlicht auf dieses Material, und schon bekommt man Elektrizität."

Die Menge an Leistung, die eine Solarzelle bei gleichbleibender Sonneneinstrahlung erbringt, wächst dabei stetig. In den Anfangszeiten der Solartechnologie konnten gerade einmal 15 Prozent der einfallenden Strahlung zu elektrischer Energie umgewandelt werden. 1983 stellte Greens Forscherteam an der australischen Universität von New South Wales Solarzellen mit 18 Prozent Effizienz her – damaliger Weltrekord. Nur zwei Jahre später erreichten die Forscher 20 Prozent und blieben auch 1994 (24 Prozent) und 2008 (25 Prozent) stets an der Spitze der Forschung weltweit.

Green sieht die Zeitspannen durchaus, mit denen die Solarforschung es zu tun hat. Er hatte sich schnellere Verbesserungen erhofft: "Die Entwicklung hat ein bisschen länger gedauert, als ich dachte, aber der Fortschritt in den vergangenen zehn Jahren war schon außergewöhnlich."

Der Australier schaut nicht nur in die Vergangenheit, sondern hat auch die Zukunft im Blick. Denn noch immer können die handelsüblichen Zellen keine 30 Prozent der einfallenden Sonnenenergie umwandeln. Greens Forschungsfeld umfasst denn auch beides: "Technologie, die schon auf dem Markt ist oder kurz davor ist, vermarktet zu werden, bis hin zu Technologie, die das Tageslicht erst in rund zwanzig Jahren erblicken wird."

Green als Pionier dieser Zukunftstechnologie wird weiter forschen, und auch einige seiner Schüler haben bereits auf diesem Feld sicher Fuß gefasst: Einer von ihnen, Zhengrong Shi, ist der Gründer und Inhaber des weltweit größten Produzenten von Solarmodulen.

››› Gastbeitrag Christina Jungkurth, Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München

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