René Ngongo Mateso - Gegen alle Widerstände

René Ngongo Mateso und sein Engagement für den Erhalt des Regenwaldes.

Mehr als vierhundert Säugetier- und tausend Vogelarten, dazu eine unfassbare Vielfalt in der Pflanzenwelt und Lebensgrundlage für Millionen Menschen: Das bietet das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Welt. Der tropische Urwald im Kongobecken, im Herzen Afrikas, ist nicht nur um seiner selbst willen erhaltenswert, sondern spielt auch eine wichtige Rolle für die Stabilität des Weltklimas. Doch die kahlen Flächen, die der Raubbau durch den Menschen in den Wald frisst, werden immer größer. Als der Kongolese René Ngongo vor rund 20 Jahren ein Satellitenbild von dem gefährdeten Urwald seines Heimatlandes sieht, ist er entsetzt. "Schlagartig wurde mir klar, wie weit die Abholzung des Urwaldes schon gediehen war. Sofort konnte ich mir ausmalen, was dies für die Bevölkerung bedeutet", erklärt er seine Reaktion. Das ist der Moment, der den Grundstein legt für ein Projekt, das Ngongos Leben von nun an bestimmen wird. Seit Anfang der 1990er-Jahre setzt René Ngongo sich für den Erhalt des Regenwaldes im Kongo ein. Er gründete die "Organisation Concertée des Ecologistes et Amis de la Nature" (OCEAN) und eröffnete 2008 als Schirmherr das erste Greenpeace-Büro in Kinshasa. Für sein Engagement wurde er 2009 mit dem Right Livelihood Award geehrt, der auch als der "Alternative Nobelpreis" bekannt ist. René Ngongo Mateso wurde im Oktober 1961 in Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) geboren. Er studierte Biologie an der Universität in Kisangani und forschte an mehreren Universitäten in seinem Heimatland. Der 49-Jährige lebt heute in Kinshasa, zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern.

René Ngongo hat viel für die Umwelt in seinem Land getan. Der Regenwald leidet darunter, dass die Bevölkerung in ihrer Armut die alten Bäume fällt, um beispielsweise Feuerholz zu gewinnen. Doch vor allem setzt dem Wald der kommerzielle Raubbau zu, der sich nicht nur für das Holz der Bäume, sondern auch die unter der Erde verborgenen Bodenschätze wie beispielsweise Öl interessiert. Ngongos Arbeit begann im Kleinen: Er warb für Wege, die der Bevölkerung ermöglichen sollten, für Brennholz und Nahrung zu sorgen, ohne dabei den Urwald zu schädigen. Mit einem wöchentlichen Radiobeitrag zum Thema Umweltschutz, mit dem er acht Jahre lang auf Sendung war, sowie mit Fortbildungen für Bauern klärte Ngongo die Menschen in seinem Land auf. Sie sollten wissen, was es für sie bedeutet, wenn der Wald schwindet, und was sie tun können, um das zu verhindern. Um den, wie er sagt, "größten Obst- und Gemüseladen der Welt und die beste Apotheke" zu erhalten, sorgte er dafür, dass die am stärksten gefährdeten Baumarten in einer Baumschule nachgezogen werden konnten – mit 20.000 Setzlingen. Wie auch die kenianische Umweltaktivistin Wangari Maathai setzte Ngongo dabei auf Kinder als Mitaktivisten und Multiplikatoren seiner Ideen.

Als 1996 der sechsjährige Bürgerkrieg im Kongo ausbrach, hielt das René Ngongo nicht davon ab, sich weiter zu engagieren. Er beobachtete den Abbau der Ressourcen im Kongo und machte OCEAN zu einer zuverlässigen Informationsquelle bezüglich der illegalen Ausbeutung von Bodenschätzen und Holz in seinem Land. Damit kommt er oft denen zu nahe, die er als die Verantwortlichen identifiziert, und geht nicht selten persönliche Risiken ein. 

Beschimpfungen und Drohungen waren und sind keine Seltenheit. Ngongo kritisierte die Regierung, die gefasste Beschlüsse zum Schutz der Wälder nicht ausreichend streng durchsetzte, und er kritisiert noch heute die großen Firmen, die in der DRK die Wälder ausbeuten. Diese zahlten "miserable Löhne", und die Schulen und Gesundheitszentren, die sie zum Ausgleich für die Holzernte bauen wollten, seien bisher nicht entstanden, so Ngongos schlagende Argumentation. Die Jury des Right Livelihood Awards ehrte Ngongo 2009 "für seinen Mut, sich jenen Kräften entgegenzustellen, die die Regenwälder des Kongo zerstören, und für seine Bemühungen, politische Unterstützung für deren Bewahrung und nachhaltige Nutzung zu schaffen". Auch wir können etwas für den Regenwald im Kongo tun. Politische Einflussnahme ist sinnvoll, doch es geht auch ganz einfach: "Sie können beim Kauf von Holzprodukten auf Zertifikate achten, die die Herkunft des Holzes dokumentieren", empfiehlt Ngongo.

››› Gastbeitrag Christina Jungkurth, Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München

Der Alternative Nobelpreis

Im letzten Jahr feierte der Right Livelihood Award, auch Alternativer Nobelpreis genannt, seinen 30. Geburtstag. Für einige Schülerinnen und Schüler der renommierten Deutschen Journalistenschule in München (DJS) ein würdiger Anlass, sich genauer mit einigen der Vordenker für eine nachhaltige Entwicklung und deren konstruktiven Umsetzungen zu beschäftigen.