Alice Tepper Marlin - Einkaufen für eine bessere Welt

Die Ökonomin Alice Tepper Marlin und ihr Einsatz für ein humanes Wirtschaftssystem.

Ihre Augen sind wachsam. Sie blitzen sogar ein bisschen, wenn Alice Tepper Marlin über ihre Ideen spricht. Sie hat viel erreicht in ihrem Leben. Angefangen hat alles mit einem "Friedens-Portfolio" für Anleger, das sie 1968 erstellte: ein Portfolio für alle, die nicht in Firmen investieren wollten, die in Kriege eingebunden sind. Seitdem hat Tepper Marlin einiges bewegt. Nicht zuletzt mit dem Konzept SA8000, das heute weltweit Maßstäbe setzt.
Aufgewachsen ist die heute 66-Jährige an der amerikanischen Ostküste, im Bundesstaat New Jersey. Quasi als Einzelkind, wie sie selbst sagt. Ihre Schwester ist zehn Jahre älter als sie. Ein großer Hund und zeitweise sogar ein Affe gehörten zum Haushalt. Sie erinnert sich gern an ihre Kindheit. Im Laufe ihrer Ausbildung am Wellesley College und an der Stern School of Business der New York University wurden soziale Themen immer wichtiger für Alice Tepper Marlin. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Wertpapier-Analystin in Boston. Dort wurde sie damit beauftragt, ein Portfolio zu erstellen, das nur Firmen umfasste, die nicht in der Waffenindustrie tätig und nicht am Vietnam-Krieg beteiligt waren. Dieses "Friedens- Portfolio" wurde von zahlreichen Leuten angefragt.

Tepper Marlin dachte sich, dass es solche Informationen über Unternehmen auch für andere Bereiche geben sollte. Und so gründete sie das "Council on Economic Priorities" (CEP) – eine Organisation, die sich mit den Themen nationale Sicherheit, Energie und Umwelt sowie Unternehmerverantwortung befasst. Großen Anklang fand das 1988 erstmals veröffentlichte Buch "Shopping for a Better World"– auf Deutsch: Einkaufen für eine bessere Welt –, das mittlerweile in zahlreichen Auflagen erschienen und über eine Million Mal verkauft worden ist. In diesem Einkaufsratgeber findet man für die unterschiedlichs ten Gebrauchsgegenstände, von der Zahnbürste über Toilettenpapier bis zum Telefon, jeweils Hersteller, die besonders sozial oder umweltfreundlich arbeiten. Darüber hinaus gibt es auch Tipps für Anleger. Das Buch wurde in den USA zum Bestseller. Auch speziell für Studenten brachte das CEP einen solchen Ratgeber heraus.

Alice Tepper Marlin arbeitet bis 2002 für das CEP, sie war insgesamt 33 Jahre als Präsidentin für das CEP tätig. Für ihr Engagement in diesem Bereich bekam sie 1990 den "Alternativen Nobelpreis", den Right Livelihood Award, verliehen. Tepper Marlin habe die Richtung aufgezeigt, die die westliche Ökonomie einschlagen müsse, um das Wohlergehen der Mensch heit voranzutreiben, begründete die Jury.

Die Preisträgerin, die heute in Manhattan und East Hampton im Bundesstaat New York lebt, ruhte sich auf diesen Erfolgen nicht aus. 1997 gründete Alice Tepper Marlin die Organisation Social Accountability International (SAI), deren Präsidentin sie seither ist. Zudem ist sie seit 2004 an der Stern Business School der New York University tätig und arbeitet dort unter anderem als Dozentin. Ihr Ehemann, John Tepper Marlin, ist ebenfalls an der Stern Business School beschäftigt. Die beiden haben zwei bereits erwachsene Kinder.

Nachdem Alice Tepper Marlin mit dem Einkaufsratgeber des CEP in den USA viel bewegt hat, kann sie mit SAI auch weltweit Einfluss nehmen. Die gemeinnützige Organisation hat im Jahr 1997 einen internationalen Standard für Arbeitsbedingungen ausgearbeitet, mit dem sich Unternehmen zertifizieren lassen können. Dabei wird nicht nur auf die Bedingungen im Hauptunternehmen geachtet, sondern es werden auch die Zustände in den zuliefernden Firmen berücksichtigt.

Um ein SA8000-Zertifikat zu erhalten, darf es in den Unternehmen unter anderem weder Kinder- noch Zwangsarbeit geben. Auch die Arbeitszeit und das Lohnniveau werden bei der Bewertung mitberücksichtigt. Vor allem in Italien, Indien und China gibt es Firmen, die bereits ein solches Zertifikat haben. Die Firmen melden sich freiwillig für die Zertifizierung an.

Wenn sich das SA8000-Zertifikat weiter durchsetzt, beispielsweise in Ländern wie Thailand, Taiwan oder Sri Lanka, und die Menschen sich darüber informieren und ihr Kaufverhalten entsprechend anpassen, dann hat Alice Tepper Marlin nicht nur eine Richtung vorgegeben, sondern einen tatsächlichen Wandel, ein Umdenken möglich gemacht.

››› Gastbeitrag Veronika Streuer, Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München

Der Alternative Nobelpreis

Im letzten Jahr feierte der Right Livelihood Award, auch Alternativer Nobelpreis genannt, seinen 30. Geburtstag. Für einige Schülerinnen und Schüler der renommierten Deutschen Journalistenschule in München (DJS) ein würdiger Anlass, sich genauer mit einigen der Vordenker für eine nachhaltige Entwicklung und deren konstruktiven Umsetzungen zu beschäftigen.